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04.10.2019 Land & Leute

Zwischen Spaß und Schrecksekunde: Das erlebst Du als Fahrlehrer im Allgäu

Straßenmeisterei Lindenberg
Vollgas oder lahme Ente? Egal wie lange die erste Fahrstunde zurückliegt: Rund um das Thema Führerschein hat wohl jeder seine ganz eigene Geschichte. Besondere Momente erleben freilich auch unsere Fahrlehrer im Allgäu. Stellvertretend für diese "Helden der Straße" haben Martin Bodenschatz (Baujahr 1974) und sein Team von der Fahrschule Smile in Kempten ihre kuriosesten Erlebnisse zusammengetragen. Freie Fahrt für verrückte Stories aus dem Cockpit!

Post-Trauma: Zunächst glaubte Martin an einen Flüchtigkeitsfehler. Am Ende einer Einbahnstraße in Kaufbeuren wollte er, dass eine Fahrschülerin links abbiegt. Dazu gibt es an besagter Stelle eine klare Regelung. Ein Pfeil weist nach links, einer nach rechts. Die Fahrschülerin ordnete sich freilich rechts ein - und bog links ab. "Okay, dann eben noch mal", dachte sich Martin. Er kommentierte den Fehler nicht weiter und ließ die Schülerin - vorbei an einer Postfiliale - im Kreis fahren. Bis sie erneut an besagter Stelle ankam. Wieder ordnete sie sich falsch ein. Wieder sagte Martin nichts und ließ sie im Kreis zurück zur Abbiegestelle fahren. Das Ganze wiederholte sich insgesamt fünf Mal - bis die Schülerin fragte, warum es hier so viele Postfilialen gibt. Erst jetzt bemerkte sie ihren Fehler.      

Kater-Erwachen: Nervosität vor der Führerscheinprüfung kennt jeder. Sollte man meinen. Anders war's bei einem Partygänger, der an einem Donnerstagmorgen nicht zum Termin für die praktische Prüfung erschien. Als ihn der Fahrerlehrer der Smile-Fahrschule aufgeregt anrief, blieb er völlig entspannt: "Du sorry, geht heute nicht. Ich hab ne lange Nacht hinter mir." Darauf der Fahrerlehrer: "Du weißt aber schon, dass die Prüfgebühr beim TÜV auch fällig wird, wenn man die Prüfung sausen lässt." Darauf der Nachtschwärmer, der offenbar in einem fremden Bett erwachte: "Kein Problem. Die Frau war es definitiv wert."  

Kreisel-K(r)ampf: Martin ist mit einem Fahrschüler von Kempten Richtung Börwang unterwegs. Auf Höhe Staudach sagt er: "Lass uns die Grundaufgabe 'Umkehren' noch mal üben und zurück nach Kempten fahren." Dazu müsste der Fahrschüler im Kreisverkehr Börwang lediglich die vierte Ausfahrt nehmen. Was dann passierte, amüsiert Martin bis heute:  

Martin trocken: "Ich kann dem Fahrschüler eigentlich keinen Vorwurf machen. Ich hab ja nicht gesagt, er soll auf dem schnellsten Weg zurück nach Kempten fahren..."

Stadelparty-Nachwehen: Autofahren und Alkohol geht gar nicht. Das beherzigte auch ein 18-jähriger Fahrschüler. Nie hatte er auch nur einen Schluck Alkohol getrunken, bevor er sich ans Steuer setzte. Völlig überraschend wurde er dennoch nicht zur Prüfung zugelassen. Die Führerscheinstelle verdonnerte ihn stattdessen zur MPU (im Volksmund "Idiotentest"). Grund war eine Jugendsünde: Als 14-Jähriger war er volltrunken auf einer Stadelparty von der Polizei erwischt worden, was ihm einen entsprechenden Eintrag in den Akten brachte. Dafür musste er jetzt büßen.     

Info Fahrschule Smile:
2005 hat Martin Bodenschatz die Fahrschule Smile von Markus Lerf und Martina Kienitz übernommen. Der Name ist Programm: "Bei uns wird viel gelacht. Das hilft auch gegen die Nervosität vieler Fahrschüler", erklärt Martin Bodenschatz.
Mit seinen Kollegen Harry, Mona und Dieter betreut er pro Jahr 350 bis 400 Fahrschüler aller Klassen.

Polizisten-Pech: Mit Blaulicht jagte die Polizei einem Moped hinterher und stoppte es kurz vor der Fahrschule Smile an einer Kreuzung. Die junge Mopedfahrerin hatte auf dem Rücksitz einen deutlich älteren Mann sitzen. "Begleitet hier gerade ein Papa die ersten illegalen Fahrversuche seiner Tochter?", müssen die Beamten wohl gedacht haben. War aber nicht so! Es handelte sich um Fahrlehrer Martin und eine Fahrschülerin. Er nahm's mit Humor: "Danke fürs Anhalten. Wir sind eh gleich an der Fahrschule..."    

Traktor-Panne: In der Aufregung bringt man leicht was durcheinander. So geschehen bei Traktorführerschein-Prüfungen. Die Anwärter müssen Aufgaben von einem Kontrollkärtchen ablesen. Und da kommt es leicht zu Verwechslungen, wenn eine "Sichtprüfung des Sitzes der Radmutter" verlangt wird. "Ich hab's schon ein paar Mal erlebt, dass der Prüfling beim Wort 'Sitz' die falschen Schlüsse zieht - und hektisch am Fahrersitz herumhantiert", erzählt Martin grinsend.   

Motorrad-Schrecksekunde: Stell Dir vor Du bist Sozius (Beifahrer) auf einem Motorrad - und eine Fahrschülerin heizt mit Tempo 120 auf ein Stau-Ende zu. Martin ist das passiert. Einen möglichen Crash verhinderte er, in dem er beherzt - über die Fahrschülerin hinweg - in die Bremsen griff. "Die Schülerin war danach völlig durch den Wind. Sie hatte einen Blackout gehabt." Später schaffte sie indes die Prüfung und fährt schon seit vielen Jahren unfallfrei.   

Handschellen-Präsent: Die Anforderungen an die Fahrschüler sind heute viel größer als früher, da ist sich das Team der Fahrschule Smile einig. Das Niveau der Prüfungen sei gestiegen. Aber auch der Stress bei den Fahrstunden: "Das Verkehrsaufkommen ist heute so groß wie nie zuvor. Und längst nicht alle sind reagieren heute noch rücksichtsvoll, wenn zum Beispiel ein Fahrschüler an einer Ampel den Motor abwürgt und nicht gleich losfahren kann." Umso größer ist die Freude, wenn die Schüler ihre Prüfung schaffen. Davon zeugen viele Dankeskarten und Präsente, die das Smile-Team erhält. Das kurioseste: Plüsch-Handschellen. Martins augenzwinkernde Erklärung: "Die habe ich bekommen, weil ich zu der Fahrschülerin oft gesagt hab: 'Wenn Du so weiterfährst, klickt irgendwann die Hamburger Acht.'" Zum Glück fand die Dame, wie so viele Fahrschüler, rechtzeitig in die Spur und schaffte ihren Führerschein.  

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