Situation angespannt
28.11.2019 Hier & Heute

Wohnungsmarkt im Allgäu: Im Ostallgäu fehlen hunderte Wohnungen

Wohnungs-Knappheit. Was in Großstädten schon lange Realität ist, hat auch das Allgäu erreicht: Im Ostallgäu fehlen mindestens bis 2027 noch hunderte Wohnungen, heißt es in der Wohnraumanalyse Allgäu. Und das, obwohl jedes Jahr etliche Wohnungen neu- oder umgebaut werden. Das Angebot kann die große Nachfrage aber nicht decken, weil sie größer ist als die „prognostizierte Bautätigkeit“, heißt es als Erklärung dazu.

Daher werden auch in sechs Jahren im Landkreis Ostallgäu noch 966 Wohnungen fehlen. Die Studie, die auch die Region Kaufbeuren-Ostallgäu gezielt in den Blick nimmt, stellte Ramona Riederer von der Allgäu GmbH nun den Ostallgäuer Bürgermeistern vor.

Ein Grund für die anhaltende Wohnungsknappheit ist demnach, dass der Trend immer mehr zu kleineren Wohnungen geht. Denn die Haushalte werden immer kleiner. So sank im Ostallgäu die Zahl der Personen pro Haushalt seit 2012 von 2,01 auf 1,96. Bis 2030 wird diese Zahl weiter sinken: auf 1,90. Und: Es gibt immer mehr Singles. Dies geht einher mit einer immer älteren Gesellschaft. Schon in zehn Jahren sind 26,3 Prozent der Allgäuer älter als 65 Jahre (2017: 21,8 Prozent).

Zugleich wächst die Gesamtbevölkerung. „2030 leben 684.000 Menschen im Allgäu. Das sind 11.000 mehr als heute“, sagt Riederer. Diese werden in 360.000 Haushalten leben. Das Bevölkerungsplus sei vor allem auf Zuzug zurückzuführen. Auch die Arbeitswanderung in die Region ist groß. „Im Ostallgäu pendeln mehr Leute ein als aus“, sagt Riederer. Gerade im industriell geprägten Raum Marktoberdorf gebe es viele arbeitstechnisch genutzte Zweitwohnsitze.

2030 leben 684.000 Menschen im Allgäu. Das sind 11.000 mehr als heute.
Ramona Riederer von der Allgäu GmbH

Das alles liegt an der Wirtschaftsstärke der Region. Die Allgäu GmbH geht – anhand von Entwicklungsprognosen von großen Unternehmen wie Hawe, AGCO/Fendt oder Deckel Maho – davon aus, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse bis 2030 erneut um 2,5 Prozent steigt. Relativ hoch im Landesdurchschnitt sei auch das Haushaltseinkommen.

Extreme Preissteigerungen

Dennoch können sich immer weniger Menschen Wohneigentum leisten. So lag bereits 2017 der Kaufpreis von Wohneigentum im Ostallgäu beim bis zu 7,2-Fachen des durchschnittlichen Haushaltsjahreseinkommens. Auch die Mietpreise steigen: So lag die Mietpreisbelastung bei 19,7 bis 22,7 Prozent des Haushaltseinkommens, Tendenz steigend. Schuld seien „zum Teil extreme Preissteigerungen“, sagt Riederer, die es bei Neubauwohnungen gibt, seit 2015 aber auch bei gebrauchten Wohnungen und natürlich bei Eigenheimen.

Im Schnitt liege etwa der Kaufpreis von einem Quadratmeter Wohnraum schon bei 3.000 Euro, sagt sie.

Fehlender Wohnraum, zum Teil horrende Immobilienpreise auf dem Wohnungsmarkt: Das sind die Gründe, warum heimische Unternehmen schon 2018 Alarm schlugen. Die Firmenchefs, die an der Ostallgäuer Unternehmensbefragung teilnahmen, bewerteten die Situation als kritisch. Nur der damit zusammenhängende Fachkräftemängel wurde als noch größerer Standort-Nachteil bewertet.

Auf dieses Problem wies Wirtschaftsförderer Peter Däubler vom Ostallgäuer Landratsamt mit deutlichen Worten hin. „Wir haben erheblichen Zuzug von Fachkräften. Der könnte aber noch größer sein“, sagte Däubler. Manche Einstellung scheitere am fehlenden Wohnraum. Dringend müsse man daher zusammen mit Unternehmen bezahlbaren Wohnraum für Fachkräfte schaffen.

Füssen und Schwangau als Positivbeispiele

Als Positivbeispiel dafür nannte Däubler den Zweckverband Allgäuer Land mit Kommunen wie Füssen und Schwangau, die sich aktuell mit dem Thema befassten. Laut Landrätin Maria Rita Zinnecker kam das Thema Betriebswohnungen „mittlerweile auch bei den Betrieben an“. Bei den kreiseigenen Seniorenheimen oder beim Klinikverbund Kaufbeuren-Ostallgäu sei Wohnraum für Beschäftigte ebenfalls ein großes Thema. In Füssen, wo dazu Gespräche liefen, ebenso wie in Buchloe, wo man Appartements für Pflegehelferschüler benötige.

Zugleich steigt die Bautätigkeit weiter massiv. Dadurch näherten sich Bedarf und Angebot schon allmählich an, sagt Ramona Riederer. Allgäuweit wurden zwischen 2012 und 2017 über 14.000 neue Wohnungen beziehungsweise Ein-, Zwei und Mehrfamilienhäuser fertiggestellt. Noch höher sei die Zahl der Baugenehmigungen in dem Zeitraum, Tendenz steigend. „Wenn die Bautätigkeit so weitergeht, ist bis 2030 der Bedarf gedeckt“, meint Riederer. Zumindest bis 2022/24 steige die Bedarfslücke aber weiter.

Bei der hohen Bautätigkeit gilt es laut der Studie nun, (inter)kommunale Wohnentwicklungsstrategien zu erarbeiten, an Wohnangebote für kleine und ältere Haushalte zu denken und Nachverdichtungspotenziale zu prüfen. Auch gegen „verkappte Leerstände“ wie selten genutzte Ferienwohnungen sollte man kämpfen. Kommunen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, bekämen Hilfestellung von der Allgäu GmbH, versprach Riederer Pfrontens Bürgermeisterin Michaela Waldmann. Sie hatte explizit danach gefragt.

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