Aktionstag am Samstag
13.02.2020 Hier & Heute

Wie umgehen mit dem Massenandrang in den Allgäuer Bergen?

Immer mehr Menschen sind in den Bergen. Das führt zu Konflikten. Vor allem in
milden Wintern, wenn sich alles auf wenige Ziele konzentriert. Deshalb steigt am Samstag ein Aktionstag, bei dem sich alles um die Frage dreht: Wie können die Natur und Wildtiere geschützt, und gleichzeitig Schneesportlern ermöglicht werden, unterwegs zu sein. Alle Infos hier.

Donnerstag Vormittag am Riedberger Horn bei Obermaiselstein im Oberallgäu: Die Sonne scheint, die Sicht ist perfekt. Obwohl es ein Werktag ist, sind jetzt schon 40, 50 Skitourengeher an dem Berg unterwegs, der es wegen der umstrittenen Skischaukel-Pläne zu reichlich Bekanntheit gebracht hat. Weil immer mehr Menschen in die Berge gehen, wollen Naturschutzverbände sensible Räume schützen und die Besucherströme kanalisieren.

Am morgigen Samstag veranstalten Naturpark Nagelfluhkette, das Zentrum Naturerlebnis Alpin (ZNAlp) und der Alpenverein einen „Aktionstag Besucherlenkung“ (siehe Infokasten). Das klingt bürokratisch, ist es aber gar nicht. Vereinfacht gesagt geht es darum, die Natur und beispielsweise die Wildtiere zu schützen, gleichzeitig aber Schneesportlern zu ermöglichen, unterwegs zu sein. 25 freiwillige Helfer, darunter die Ranger vom Naturpark und vom ZNAlp sowie Alpenvereins-Mitglieder, werden im Gelände Schneeschuh- und Tourengeher sowie Winterwanderer informieren.

Das Riedberger Horn oberhalb von Grasgehren und Balderschwang hat sich aufgrund seiner Bekanntheit zu einem der beliebtesten Winterziele entwickelt. An manchen Tagen besuchen weit über 300 Schneesportler das Horn. Die Skitour dorthin ist relativ kurz, leicht und kaum lawinengefährdet. „Zudem ist das Gebiet sehr schneereich“, sagt Max Löther vom Naturpark Nagelfluhkette.
Größte Birkwild-Population

Der Aktionstag „Natürlich auf Tour“ findet laut Alpenverein hier statt:

>> Im Naturpark Nagelfluhkette im Oberallgäu
>> Am Schönkahler im Ostallgäu
>> Am Scheinberg und am Hörnle in den Ammergauer Alpen
>> Am Hirschberg und im Spitzingseegebiet im Mangfallgebirge
>> Um den Großen Arber und den Dreisesselberg im Bayerischen Wald
>> Erstmals ist die Aktion grenzübergreifend: Im Naturpark Nagelfluhkette sind österreichische Gebiete beteiligt, im Bayerischen Wald reicht das Gebiet bis nach Tschechien und Österreich.

Aber die Natur ist hier auch besonders schützenswert: Unter anderem findet sich an den Flanken des Berges die wahrscheinlich größte Birkwild-Population in Bayern. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden sind die Tiere auf der Suche nach Grünerlen- und Fichtenknospen. Deshalb sollten Tourengeher in den Morgen- und Abendstunden nicht unterwegs sein, appellieren Naturschützer an die Einsicht der Wintersportler.

Verschiedene Initiativen

Bestimmte sensible Hänge sollen ganz oder teilweise gemieden werden. Hinweisschilder informieren, Wegweiser markieren die Routen. Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein (DAV) schätzt, dass sich 90 bis 95 Prozent der Schneesportler an freiwillige Einschränkungen halten. Es gibt verschiedene Initiativen: Der Alpenverein hat seit 25 Jahren im Rahmen des Projekts „Skibergsteigen umweltfreundlich“ für beliebte Ziele Routenempfehlungen ausgearbeitet und beschildert. Darüber hinaus gibt es das Projekt „Dein Freiraum. Mein Lebensraum“ und in Vorarlberg „Respektiere Deine Grenzen“.

Dass die Natur heuer besonders unter Druck gerät, liegt nach Ansicht von Ranger Max Löther auch am mangelnden Schnee. So konzentriere sich das Interesse auf einige wenige Berge, die relativ schneesicher und gut zu erreichen sind. Dazu gehörten etwa das Riedberger Horn oder das benachbarte Ostertal.

Laut Alpenverein gibt es in Deutschland etwa 600.000 Skitourengeher. Vor zehn Jahren seien es nur halb so viele gewesen, sagt Pressesprecher Thomas Bucher: „Dies macht deutlich, wie sehr der Handlungsbedarf gewachsen ist.“ Laut DAV-Umweltexperte Scheuermann ist ein freiwilliger Verzicht zum Schutz der Natur nur auf etwa 20 Prozent der üblicherweise genutzten Fläche erforderlich. Damit werde niemandem zu viel abverlangt, meint er.

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