Singen für den Klimaschutz
12.03.2019 Sehen & Hören

Wie die 'Vivid Curls' die Allgäuer Freitags-Demos unterstützen

Vivid Curls
"Ihr seid mächtig, wenn ihr zusammensteht. Zeigt auf, dass es um's große Ganze geht!" Die Oberallgäuer Musikerinnen 'Vivid Curls' behandeln in ihren Texten häufig heikle Themen wie den Klimawandel und Konsumwahn. Mit ihrem neuen Song 'Freitagsdemo' unterstützen sie jetzt die "Fridays for Future"-Bewegung. Sie wollen den Jugendlichen der 'Generation Z' Mut machen, sie bestärken und ihren Stolz zeigen. Sängerin Inka Kuchler erklärt im Interview, warum die Demos für sie so wichtig sind, was sie selbst für den Klimaschutz tut und warum Liedermacher Konstantin Wecker die perfekte Antwort an die Demo-Kritiker geschrieben hat.

Woher kommt denn die Idee, sich für "Fridays for Future" einzusetzten? 

Inka Kuchler: Klimaschutz ist uns als Vivid Curls und auch mir persönlich schon immer ein ziemlich großes Anliegen. Wir leben sehr umweltbewusst und nachhaltig. Auch in unseren Liedern vermitteln wir die Botschaft seit Jahren. Auf dem Album 'D'Aufstand', das schon 2010 rauskam, hört man das auch - da singen wir über Klimawandel, Konsumwahn und Religionskrieg.

Ihr habt beide selber Kinder. Wie alt sind die denn?

Inka: Ich habe einen Sohn, der wird bald 18 und macht gerade Abi, und eine neunjährige Tochter. Irene hat zwei Töchter, die sind neun und zehn. 

Angenommen: Dein Sohn hat nächsten Freitag eine wichtige Matheklausur. Schreibst Du ihm eine Entschuldigung, damit er auf die Demo gehen kann oder "muss" er in die Schule und die Arbeit mitschreiben? 

Inka: Nachdem er fast volljährig ist, überlasse ich ihm die Entscheidung komplett selbst. Er muss für sich entscheiden, ob er kurz vor dem Abi eine Klausur nachschreiben möchte, um auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Und wenn er dann lieber auf die Demo geht, statt die Arbeit zu schreiben, ist das für mich auch kein Beinbruch - Klausuren kann man nachschreiben. 

Seit Neuestem gibt es ja "Parents for Future", also Eltern die sich für ihre Kinder einsetzen und sich gemeinsam für den Klimaschutz stark machen. Bist Du da auch dabei? 

Inka: Ich hatte vergangene Woche tatsächlich Kontakt mit einer Frau, die sich da ziemlich für die Jugendlichen einsetzt. Bis jetzt war ich noch nicht dabei - am Freitag werde ich mir das Ganze aber mal live anschauen und bin schon sehr gespannt. 

Was tust Du persönlich für den Klimaschutz? Plastikfrei, Verzicht auf Flugreisen?

Inka: Plastikfrei wäre schön, aber leider ist es so so so schwer, komplett auf Plastik zu verzichten. Natürlich versuche ich, so wenig Plastik wie möglich zu verbrauchen. Ich achte vor allem beim Einkaufen darauf, wenige eingepackte Dinge zu kaufen. Aber leider klappt das nicht immer. In den Urlaub fliegen wir nur ganz selten, da gibt es viele Alternativen. Auch bei Klamotten überlege ich mir oft, ob ich das jetzt unbedingt brauche oder nicht drauf verzichten kann. Aber ich war schon immer so, dass ich nie übermäßig viel benötigt habe. 

Thema Ernährung - wie nachhaltig lebst Du da? 

Inka: Ich beziehe viele Bioprodukte und versuche immer so einzukaufen, dass man am Ende nichts wegschmeißen muss. Fleisch gibt's bei uns daheim auch nicht oft. Und falls doch, achte ich darauf, woher das Fleisch kommt und, dass es den Tieren gut ging. Allgemein ist es mir sehr wichtig, dass Lebensmittel fair gehandelt werden - also artgerechte Tierhaltung, faire Arbeitsbedingungen. Allerdings muss ich sagen, dass Irene in der Hinsicht noch viel konsequenter ist. Da ist sie mein Vorbild. 

Es gibt viel Kritik an der Protestbewegung. Sogar aus höheren Politiker-Kreisen: Christian Lindner zum Beispiel ist der Meinung, Klimaschutz sollte lieber den Profis überlassen werden. Wie siehst Du das? 

Inka: Natürlich hat jeder seine eigene Meinung und das kann ich auch voll und ganz nachvollziehen. Aber ich finde es schade, dass der Ton oft respektlos und die Argumente beleidigend sind. Es ist erschreckend, dass Erwachsene so mit Kindern und Jugendlichen umgehen und sie auf unverschämte Art und Weise beschimpfen. Das kann ich dann wiederum nicht nachvollziehen. Es wäre doch viel wichtiger, die "Generation Z" zu unterstützen und stolz auf sie zu sein. Sie stehen auf, sind ungemütlich und machen sich stark für unsere Umwelt. 

Unser gemeinsamer Bekannter Konstantin Wecker hat in seiner Notiz (siehe unten) an Christian Lindner den Nagel auf den Kopf getroffen. Man hätte nicht lustiger, klüger und treffender antworten können, als er das gemacht hat. Ich bin stolz drauf, Konstantin zu kennen. 

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