Samt Spendenverein!
03.09.2019 Land & Leute

Weil sie Oberstdorf-Fans sind: Touristen gründen eigene Facebook-Gruppe

Seit 2015 gibt es eine Facebook-Gruppe für Oberstdorf-Fans. Im Juli wurde ein Spendenverein gegründet. Wie es dazu kam und warum die Urlauber mehr als Touristen sein wollen, erfährst Du hier.

Die Leute sitzen gemütlich am Rand von Oberstdorf vor Martins Café Bar, unterhalten sich und trinken ihr Bier. Eine familiäre Atmosphäre herrscht beim Stammtisch der Facebook-Gruppe „Touristen Oberstdorf“. Und das obwohl sich die Leute gar nicht kennen. Viele sind zum ersten Mal da.
Aber alle haben eins gemeinsam: Sie sind Fans von Oberstdorf. Deswegen sind sie auch Mitglieder der Facebook-Gruppe „Touristen Oberstdorf“, die als Informations- und Austauschplattform dient. Seit diesem Jahr gehört zu der Gruppe ein Spendenverein, der gemeinnützige Vereine im Ort unterstützt. Auf diese Weise wollen die Urlauber Oberstdorf etwas zurückgeben.

Die Gruppe ist in erster Linie eine Informationsgruppe, aber eben auch zum Austauschen und Kennenlernen. Daniel Gossen.

Den Stammtisch gibt es nun schon seit zwei Jahren, die Gruppe seit 2015. Lea Buchheister, die Gründerin der Gruppe, kommt seit ihrer Kindheit regelmäßig nach Oberstdorf, deshalb fühlt sie sich auch sehr mit dem Ort verbunden. Als sie vor vier Jahren vom Urlaub nach Hause fuhr, sah sie „mit Tränen in den Augen die Berge im Rückspiegel“. So kam sie auf die Idee für alle Oberstdorf-Fans eine Facebook-Gruppe zu gründen, auf der sich die Touristen gegenseitig Tipps geben können. Zum Beispiel für gute Berg- oder Radtouren und Restaurants. Aktuelle Veranstaltungen oder Änderungen wie Baustellen werden ebenfalls mitgeteilt. „Die Gruppe ist in erster Linie eine Informationsgruppe, aber eben auch zum Austauschen und Kennenlernen“, erklärt Daniel Gossen. Der Geschäftsführer des Oberstdorfer Allerlei ist Mitgründer des Spendenvereins. Das Prinzip lockt immer mehr Leute an: allein in diesem Monat kamen 289 neue Mitglieder hinzu. Damit hat die Gemeinschaft bereits rund 7000 Mitglieder.

Seit Juli gibt es nun auch den Spendenverein. Die finanzielle Unterstützung kommt vor allem von Unternehmen, aber auch von Privatpersonen. Indem die Mitglieder der Facebook-Gruppe ein Glöckchen mit pinkem Filzband bei den Geschäften vorzeigen, erhalten sie Rabatte. Dieses Glöckchen ist das Erkennungszeichen der „Touristen Oberstdorf“ und wird vom Oberstdorfer Allerlei hergestellt.
Teil des Spendenvereins sind Geschäfte wie der Bears&Friends Shop oder die Oberstdorfer Käse-Alp. Die Unternehmen legen zur Unterstützung der gemeinnützigen Oberstdorfer Vereine einen Teil ihrer Einnahmen beiseite. Nach sechs Monaten werden die Beiträge der Unternehmen vom Spendenverein gesammelt und an die gewählte Organisation weitergegeben. Dabei geht das gesamte Geld an den gemeinnützigen Verein, die Mitarbeiter des Spendenvereins arbeiten alle ehrenamtlich. „Dadurch entsteht eine Win-win-Situation, die sehr großes Potenzial hat“, sagt Gossen.

Bisher wurde der Waldkindergarten mit einer Summe von 576 Euro unterstützt. Die Abstimmung, welcher Verein als nächstes gefördert werden soll, läuft gerade. Zur Debatte stehen die Bergwacht, der Kinder- und Opferhilfeverein „Schaut hin“ und der Förderverein der Grundschule. „Der Trend geht aber Richtung Bergwacht“, verrät der Schatzmeister Kurt Bethge.

Oberstdorf-Fans treffen sich sogar in Köln

Viele der Gruppenmitglieder machen seit Jahren regelmäßig Urlaub in Oberstdorf: Peter Gläser beispielsweise kommt zwei- bis dreimal im Jahr nach Oberstdorf. „In Oberstdorf liegt alles sehr nah beieinander. Dadurch kann man die Attraktionen gut zu Fuß erreichen. Das ist gerade für ältere Leute praktisch,“ erzählt der Rentner aus Wiesbaden. Er war auch schon bei einem Treffen der Facebook-Gruppe „Touristen Oberstdorf“ in Köln dabei. Die Allgäu-Fans treffen sich also auch außerhalb ihres Lieblingsortes, um sich auszutauschen und kennenzulernen. Einige der regelmäßigen Besucher sind sogar so begeistert von Oberstdorf, dass sie beschließen, den Ort zu ihrer Heimat zu machen. Tanja Wellstein zum Beispiel. Sie berichtet, dass sie als Kind bereits mit ihren Eltern in Pfronten war. Damals gefiel ihr das Allgäu allerdings überhaupt nicht. Deshalb wollte sie eigentlich nie wieder herkommen. Vor einigen Jahren kam die 47-Jährige dann für eine Kur nach Oberstdorf und war so begeistert, dass sie jetzt mit ihrem Mann unters Nebelhorn zieht.

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