Unterwäsche-Trends?
01.10.2019 Land & Leute

Was tragen Allgäuer(innen) eigentlich "drunter"?

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Konservative Geschäftsmänner greifen zu Slips in Feinripp, der flippige Student trägt bunte, eng anliegende Boxershorts? Das möchte man meinen, aber dem ist nicht so. „Man kann bei Wäsche nicht sagen, wer was kauft“, sagt Stefanie Purtscher. Sie ist Inhaberin des Unterwäsche-Fachgeschäfts „Eva & Adam“ in Kempten, das heuer sein 25-jähriges Bestehen feiert. Anlass, einmal zu fragen, was die Allgäuer/-innen gerne „darunter“ tragen.

Beim Thema Unterwäsche muss man sich auf die Einschätzung des Verkaufspersonals verlassen, denn über ihre Vorlieben in diesem höchst intimen Bereich sprechen die meisten Allgäuer nicht gerne – schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Bei einer Umfrage waren die angesprochenen Passanten jedenfalls sehr zurückhaltend, wenngleich die Frauen zumindest ein wenig freizügiger erzählten als die Männer.

Wer zu Baumwolle und wer zu Glitzerslips mit Leopardenmuster greift, würde man oft so nicht erwarten, wenn man jemanden über seine Straßenkleidung einschätzt. Bei dieser Aussage kann Stefanie Purtscher auf viel Erfahrung zurückgreifen: Sie feiert heuer das 25-jährige Bestehen ihres Geschäfts. Bei einer Sache ist Purtscher ganz sicher: „Ein Mann wird nie einem Trend folgen, sondern tragen, was ihm gefällt und worin er sich wohlfühlt.“ Ein Kunde, der neben Purtscher steht, als sie das sagt, nickt zustimmend. Über seinen eigenen Geschmack möchte er nicht sprechen.

„Wenn ein Mann das Richtige für sich gefunden hat, bleibt er dabei“, ist eine weitere Erfahrung der Geschäftsfrau. Frauen dagegen probieren mehr aus. Zum Beispiel bei der Farbwahl Beeren- oder Grüntöne, die in den neuen Wäsche-Kollektionen zu finden sind.

Ein Mann wird nie einem Trend folgen, sondern tragen, was ihm gefällt und worin er sich wohlfühlt.
Unterwäsche-"Profi" Stefanie Purtscher

Da verwundert es auch nicht, dass eine bestimmte Unterhosen-Form die Mehrheit der Männer begeistert: die eng anliegende Boxershort. Was für sie offenbar eine Frage der Bequemlichkeit ist, spricht Frauen offenbar auch anders an: Ihnen gefalle dieses Modell an Männern am besten, sagt die Verkäuferin. Ob es schwarz sein soll oder doch lieber mit Bananen und Kussmündern verziert – das sei wiederum eine Typ-Frage. Weite Boxershorts sind hingegen etwas für junge Männer. Und was ist mit dem knappen Slip, der jahrzehntelang als Blickfang für den Partner galt? Slips seien vor allem beliebt, wenn sie von Designermarken stammen, bei denen das Markenlogo auf dem Bündchen prangt, verrät die Geschäftsfrau.

Was der Allgäuer nicht kennt, probiert er nicht...

Wem Designunterwäsche aus dem Fachhandel zu teuer ist, der sieht sich bei den Kemptener Modehäusern um. Der Allgäuer probiere nicht so gerne aus, sondern bleibe beim Bewährten, sagt eine Verkäuferin. „Manche Frauen zeigen mir ihren BH-Träger und fragen, ob wir das Modell noch da haben.“ Das Standardsortiment verkaufe sich deshalb immer gut.

Was die Männer anbelangt, bestätigt die Verkäuferin, dass Männer gerne eng anliegende Boxershorts tragen. Doch auch hier spielt es eine Rolle, welcher Generation man(n) angehört – allerdings aus Gründen, die Ältere schwer nachvollziehen können. „Weite Boxershorts sind etwas für die Jungen, die wollen, dass man sie aus der Hose hängen sieht.“ Und ja, auch Feinripp und Doppelripp sind nicht aus der Welt der Unterwäsche wegzudenken, sagt die Verkäuferin. Senioren greifen gerne danach.

Einen Trend nennt Stefanie Purtscher dann aber doch: Nachhaltigkeit. Immer mehr Firmen produzierten mit organischer Baumwolle oder Fasern aus recyceltem Plastikmüll.


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