Weißt Du's?
27.09.2019 Hier & Heute

Was passiert mit unserem Müll?

Der grüne gelbe Sack
Auf Allgäuer Wertstoffhöfen und -inseln landen jedes Jahr Hunderttausende Tonnen an Abfall.
Vieles wird wiederverwertet oder für die Erzeugung von Strom verbrannt. Ein kleiner Teil geht ins Ausland.

„Man sieht auf den Bildern im Fernsehen ja auch Verpackungen aus Deutschland“, sagt Karl Heinz Lumer, Geschäftsführer des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK). Er meint damit die Bilder von Plastikmüll an Stränden oder in Meeren, die in den Nachrichten gezeigt werden. Der Frage, was mit den Plastikverpackungen aus dem Allgäu passiert, gehen jetzt der ZAK und der Lindauer Bund Naturschutz (BUND) nach. BUND-Kreisvorsitzender Erich Jörg will in einem Brief an den Zweckverband wissen, „was aus dem gesammelten Plastikmüll in den Wertstoffhöfen und -inseln geschieht“. Doch die Antwort müssten andere geben, sagt Lumer. Denn der ZAK sammle zwar den Restmüll und die Wertstoffe, doch die Verantwortung, was damit passiert, liege bei den Dualen Systemen.

Was ist das Duale System?
Entstehung: Hintergrund des Dualen Systems (DS) war die 1991 in Kraft getretene Verpackungsverordnung. Darin wurde die Wirtschaft dazu verpflichtet, in Umlauf gebrachte Verpackungen einer Verwertung zurückzuführen. So entstand neben dem kommunalen ein weiteres Abfallsystem.
Ziel: Durch das DS sollen Abfälle vermieden und Verpackungen lange und ressourcenschonend im Wertstoffkreislauf erhalten bleiben.
Kontrolle: Die neun Unternehmen des DS arbeiten mit zertifizierten Entsorgungs-Firmen zusammen, die von Sachverständigen kontrolliert werden. Damit das Plastik den Kreislauf nicht verlässt, wird es dokumentiert. Die Daten geben Auskunft über die Sammlung, Sortierung und Verwertung. (fut)

Im vergangenen Jahr sind im ZAK-Gebiet (Kempten, Landkreise Oberallgäu und Lindau) insgesamt 165 000 Tonnen Abfall angefallen: also beispielsweise Bioabfälle, Restmüll, Altpapier und Leichtverpackungen. „Unter Leichtverpackungen fallen zum Beispiel die Salami-Packungen“, sagt Lumer – und diese landen im Gelben Sack. Etwa 4000 Tonnen Plastikmüll sind 2018 zusammengekommen. Gesammelt vom ZAK, weiterverwertet von den Dualen Systemen.

Pro "ZAK-Bürger" eine halbe Tonne Müll pro Jahr

Beim ZAK-Verbund ist für diese Verpackungen das Unternehmen Zentek in Köln zuständig. Für Zentek übernimmt wiederum die Firma „Heinz Entsorgung“ in München die weitere Sortierung. Laut Zentek-Pressesprecherin Sandra Gaffry erfolgt diese Sortierung ausschließlich in Deutschland – die Verwertung, finde ebenfalls im Bundesgebiet und zum Teil auch im Ausland statt. „Wir können nicht genau benennen, wohin der Plastikmüll aus dem ZAK-Gebiet geht“, antwortet Gaffry auf Nachfrage unserer Zeitung. Denn mehrere Gebiete aus Bayern, unter anderem der ZAK, werden zusammen erfasst. Aus diesem Bereich bleiben 84 Prozent in Deutschland, etwa sieben Prozent gehen nach Luxemburg und Österreich, ein geringer Teil in die Niederlande (1,1 Prozent) und Italien (0,3 Prozent).

„Sie werden weiter aufbereitet und meist als Regranulat dem Wertstoffkreislauf zurückgeführt“, sagt Otto Heinz, Geschäftsführer von „Heinz Entsorgung“. Er nennt ein Beispiel: „Als wiederverwerteter Stoff erhalten die Materialien dann ein zweites Leben, etwa als Getränkekasten.“ Rund 40 Prozent des angelieferten Plastikmülls werde, weil es nicht recycelbar ist, energetisch verwertet. Konkret: Es wird für die Erzeugung von Strom und Wärme verbrannt.

Jeder Bürger aus dem ZAK-Gebiet verursacht durchschnittlich laut Lumer etwa eine halbe Tonne Abfall pro Jahr. Der Teil, der nicht an die Dualen Systeme geht, liegt in der Verantwortung des ZAK. Davon gehen etwa 30 Prozent in die Verbrennungsanlage, der Rest wird laut Lumer in Deutschland wiederverwertet. Zum Beispiel wird Bauschutt für den Bau von Straßen oder Lärmschutzwänden verwendet.

Der Landkreis Ostallgäu sammelt pro Jahr etwa 75 000 Tonnen Abfälle aus Haushalten. Drei Viertel davon sind Wertstoffe, also Altpapier, Altglas, Bauschutt und pflanzliche Abfälle. Daraus wird beispielsweise Kompost gemacht, der als Dünger eingesetzt wird. Die Abfälle werden laut Pressesprecher Thomas Brandl nur an Betriebe in Deutschland weitergegeben. Das Ostallgäu sammelt die Plastikverpackungen nicht im gelben, sondern im grünen Sack. Im Jahr sind dies 2 700 Tonnen.
Das Duale System Grüner Punkt mit Sitz in Köln übernimmt die Weiterverwertung für das Ostallgäu.

93 Prozent der gesammelten Abfälle bleiben in Deutschland“, sagt Pressesprecher Norbert Völl. Zum Beispiel in Eisfeld in Thüringen: Aus der Verpackung von Gummibärchen etwa wird dort Granulat hergestellt, das wiederum für neue Produkte benötigt wird. „Wir arbeiten auch daran, dass zukünftig aus alten Folien wieder neue gemacht werden können“, sagt Völl.

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