Experten-Talk in KE
10.03.2019 Wissen & Quizzen

Was man bei der Unternehmensnachfolge beachten sollte

Viele Angestellte träumen von einem eigenen Unternehmen. Viele Unternehmer von einem eleganten Abschied in den Ruhestand mit geregelter Unternehmensnachfolge. Klingt nach einer Win-win-Situation für den deutschen Mittelstand - ist aber meist kompliziert. Was bei einer Übergabe zu beachten gibt, haben rund 60 Besucher einer Podiumsdiskussion in der Kemptener MySkylounge erfahren. Auf die Beine gestellt hat die Veranstaltung Wolfgang Keller, Chef der Unternehmensberatung kw740, gemeinsam mit Daniel Probst, der 2016 selbst einen mittelständischen Betrieb übernahm.

Los geht es schon damit, überhaupt einen geeigneten Nachfolger zu finden, waren sich die Experten auf der Bühne einig. „Unternehmer haben oft Angst vor den wirtschaftlichen Einbußen, wenn Sie öffentlich nach einem Nachfolger suchen“, sagt Probst, der die Steinmetzwerkstatt Schlienz übernahm. Doch die Geheimniskrämerei helfe am Ende keinem. „Auch Lieferanten oder Angestellte können potenzielle Nachfolger sein“, weiß Uwe Parotat, der Experte der Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu. Er rät bei der Suche nach Nachfolgern zu Offenheit. „Das gibt Angestellten Sicherheit und macht den Erfolg überhaupt erst möglich.“

Bei der Suche selbst seien Unternehmer nicht alleine. Neben den Banken und dem persönlichen Netzwerk stehen den Übergebern auch die IHK und verschiedene Onlineplattformen wie Nexxt zur Verfügung. „Es ist nie zu spät anzufangen“, sagt Parotat. Und rät gleichzeitig, die Übergabe nicht übers Knie zu brechen. „Es geht nicht alles in einem halben Jahr.“ Je länger die Vorlaufzeit, desto variabler auch die finanziellen Möglichkeiten für Übernehmer. „Es gibt Förderprogramme und Hilfen. Aber es ist wichtig, früh Kontakt zum Bankberater zu haben.“

Für ausreichend Vorlaufzeit und einen sanften Übergang plädiert auch Tobias Grimmig. Er hat die Arpogaus Stahlbau GmbH Wiggensbach übernommen und weiß, was es für die Nachfolger zu beachten gilt. „Gerade im Mittelstand ist sehr viel auf den Chef konzentriert.“ Eine saubere Übergabe funktioniere nur, wenn beide Unternehmer eine Zeit gemeinsam an der Unternehmensspitze stehen.

„Außerdem ist das Vertrauen ineinander absolut notwendig“, sagt Grimmig. „Der Übernehmer muss dem Übergeber glauben können.“ Hinter Zahlen lasse sich immer etwas verstecken, waren sich die Teilnehmer einig. Auch für Übernehmer gilt laut Grimmig: Wer kommuniziert, kommt zum Ziel.  „Zuvor war ich Angestellter und habe den Wunsch nach einem eigenen Betrieb in meinem Netzwerk gestreut. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut. Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, macht er anderen potenziellen Übernehmern Mut.

Einmal angekommen rät er den neuen Chefs, Veränderungen vorsichtig anzugehen. „Direkt zu Beginn einfach alles umzuwerfen ist der falsche Weg“, pflichtete ihm Brun-Hagen Hennerkes auf dem Podium bei. Er muss es wissen: Der Jurist gilt als deutsche Koryphäe beim Thema Unternehmensnachfolge und gab scheidenden Chefs in einem eigenen Fachvortrag Tipps für zur erfolgreichen Unternehmensübergabe.


1. Nachfolgefähigkeit herstellen: Unternehmen bei denen Kapital, Gewinn und Liquidität sichergestellt sind, werden übernommen.

2. Übergabekonzept erstellen: Übernehmer wollen einen geordneten Betrieb, über den sie sich schnell einen Überblick verschaffen können. 

3. Allzeit bereit: Unternehmens-Chefs sollten jederzeit einen übersichtlichen Betrieb hinterlassen.  Vor Unglücksfällen ist niemand gewappnet.

4. Qualifikation: Nachfolger müssen sich durch Fachqualifikation auszeichnen.

5. Unternehmensfamilien: Frieden ist wichtiger als Postenvergabe. Offener Streit in Führungsebene sorgt für Unsicherheit bei Mitarbeitern.

6. Konsequenz: Machtübergabe muss konsequent erfolgen. Senioren sollten sich zurückziehen und die Zügel übergeben.

7. Alternativbeschäftigung: Übergeber sollten sich rechtzeitig überlegen, mit was sie in der Rente ihre Zeit verbringen, um nicht in ein Loch zu fallen.

 8. Neutrale Dritte: Bei verhärteten Konflikten zwischen den Führungsgenerationen sollten Dritte eingeschaltet werden.

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