Trotz Bürokratie&Kritik
11.02.2020 Land & Leute

Was junge Allgäuer Landwirte antreibt, ihren Beruf auszuüben

Landwirtschaftsschüler Alexander Schön aus Waltenhofen
Der Berufsstand steht immer wieder in der Kritik, Auflagen machen den Alltag schwer. Trotzdem wollen junge Menschen auch heute noch Bauern werden - und schwärmen von den Vorteilen. Wir haben uns bei jungen Bauern im Oberallgäu umgehört.

Statt nach der Schule auf dem Sofa zu liegen, arbeitet Alexander Schön (24) aus Waltenhofen daheim weiter. Er ist Student im dritten Semester an der Landwirtschaftsschule in Kempten. Wenn er nach Hause kommt, macht er mit seiner Familie Brotzeit, dann heißt es: ab zum Füttern und Melken. Die ganze Familie packt mit an. Das ist nicht in jedem Betrieb so: Bei einem Vortrag in Kempten erklärte jüngst ein Bauer, dass er seinen Kindern verbiete, den Betrieb zu übernehmen. Grund seien unter anderem die zahlreichen Auflagen wie die Düngeverordnung. Wir haben uns bei Landwirtschafts-Studenten umgehört, warum sie sich davon nicht abhalten lassen. In Schöns Klasse nennen viele den Umgang mit Tieren und Technik als Antrieb.

Mit der Familie zu arbeiten, ist ein weiterer Vorzug seines Berufs, sagt Schön. In Richtung Landwirtschaft ging es für ihn erst mit der zweiten Ausbildung: Nach der Schule ließ er sich zum Schlosser ausbilden - "es ist immer gut, eine Lehre in der Hinterhand zu haben". Ein weiterer Vorteil: Er könne viele Maschinenprobleme auf dem Hof selber lösen.

Auch Ferdinand Brams (26) aus Immenstadt hat die Laufbahn gewechselt. Durch seine Tante und deren Hof kam er zunächst zur Landwirtschaft. Weil das irgendwann seinen Reiz verloren habe, fing er zwischenzeitlich eine Ausbildung zum Uhrmacher an. Als sein Onkel starb, habe er wieder mehr auf dem Betrieb geholfen. Schließlich habe er die Uhrmacherei aufgegeben und sich stattdessen voll auf die Landwirtschaft konzentriert: Er ging zwei Jahre in die Lehre und arbeitete ein halbes Jahr auf einem Hof in Neuseeland. Er findet es schön, als Landwirt die vier Jahreszeiten hautnah mitzuerleben. Landwirtschaft sei ein großes Thema in seinem Freundeskreis. "Der Beruf hat immer noch ein hohes Ansehen bei den Leuten", sagt Brams. Was bei seinem Ferienhof schön sei: "Man sieht richtig, wie die Kinder der Gäste lernen und jedes Jahr mehr können."

Michael Lechleiter (25) aus dem Oy-Mittelberger Ortsteil Faistenoy erlernte den Beruf, während er als Mechaniker arbeitete. Möglich ist das an der Allgäuer Alpenwirtschaftsakademie, wo das Wissen abends, an Wochenenden oder in Blockkursen vermittelt wird.Er wohnt und arbeitet auf einem Bio-Heumilchhof mit 25 Kühen. Zusätzlich verkauft seine Familie Heu an andere Bauern und bietet zwei Ferienwohnungen an. Blöd sei es, wenn Freunde feiern gehen und am nächsten Tag ein "Großkampftag" wie die Ernte ansteht: "Dann mach ich halt Fahrer oder bleib daheim."

Meistens übernimmt der Nachwuchs also den Betrieb seiner Eltern. Schwierig nur, wenn mehrere Kinder in die Landwirtschaft einsteigen wollen. Oder? "Ach, das Berufsfeld bietet Möglichkeiten in alle Richtungen", meint Maximilian Keck (22) aus Waltenhofen. Sein Bruder ist gerade im ersten Semester. Keck erklärt: "Entweder wir führen den Hof miteinander oder einer macht etwas anderes." Nach dem Studium könne man sich auch beim Landwirtschaftsamt bewerben, andere Betriebe beraten oder beispielsweise beim Maschinenring arbeiten.

Wichtige Infos zum Beruf Landwirt: 
Ausbildung Die Lehre dauert in der Regel drei Jahre. Dabei werden Themen wie Tierhaltung, Maschinen und Kulturlandschaft behandelt. Absolventen übernehmen den elterlichen Betrieb oder arbeiten in Unternehmen, die Landwirten Mittel und Dienstleistungen anbieten.
Allgäuer Alpenakademie In der Immenstädter Einrichtung ist die Ausbildung auch berufsbegleitend möglich. Am Abend, an Wochenenden und in Blockkursen lernen Schüler das Agrarhandwerk.
Studiengang In einem Praxisjahr erheben die Landwirtschaftsstudenten Daten in ihrem Betrieb. Es folgt ein dreisemestrige Studium. Damit die Studenten weiterhin auf dem Hof arbeiten können, findet der Vollzeitunterricht in den beiden Wintersemestern statt. Im Sommer sammeln die Studenten Fachpraxis. Etwa 60 Prozent der Voraussetzungen für den Meistertitel seien nach dem Studium erfüllt, sagt Rainer Hoffmann, Leitender Direktor beim Landwirtschaftsamt.
Meister Für diesen Abschluss müssen die Anwärter nach dem Studiengang noch ein einjähriges Arbeitsprojekt durchführen: In Versuchen sammeln sie Ergebnisse, die sie in einer Abhandlung festhalten. Außerdem analysieren sie die Schwachstellen eines Prüfbetriebs anhand der Buchführung und beraten daraufhin den Landwirt. (bu)
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