Rührende Aktion
02.10.2018 Kind & Kegel

Warum sich Adrian mehr als drei Jahre die Haare wachsen ließ - und dafür verspottet wurde

Weil er sich über drei Jahre lang die Haare wachsen ließ, wurde Adrian (12) von manchen Altersgenossen verspottet. Was sie nicht wußten: Der Junge tat es für einen guten Zweck. Im Friseursalon Wunderhaar in Tiefenbach (Oberstdorf) ließ er sich die über 30 Zentimeter langen Haare nun schneiden, um sie zu spenden. Mehr über die tapfere Aktion liest Du hier.

Er wurde ausgelacht, verspottet und als Mädchen bezeichnet. Doch Adrian hat durchgehalten. Seit seiner Kommunion ließ sich der 12-jährige Realschüler die Haare wachsen.

Inspiriert hatte ihn eine Dokumentation im Fernsehen. Es ging um Haarspenden für (krebs-)kranke Kindern. Aus gespendetem Haar werden für sie maßgeschneiderte Perücken gefertigt. "Ich wollte meinen Teil dazu beitragen", sagt der Bub, der aus einem Dorf in der Nähe von Illertissen stammt.

Bescheiden wie er ist, hängte er sein Vorhaben aber nicht an die große Glocke. Nur seiner Familie und seinem besten Freund erzählte er davon. "Ob jemand die Haare kurz oder lang trägt, ist doch egal. Das ändert doch nichts an seiner Person", sagt er.

Doch schon bald machte er die Erfahrung, dass offenbar nicht alle so denken. Immer wieder sei er gehänselt oder gar verspottet worden.  "Manche haben mich als 'Mädchen' ausgelacht." Adrian ertrug es mit stoischer Ruhe. Statt sich über die Schmähungen zu ärgern, dachte er lieber an die Kinder, denen er mit seiner Spende helfen würde.

Seine Eltern unterstützten ihn dabei. "Es ist nicht leicht mitanzusehen, wenn das eigene Kind gehänselt wird. Aber wir haben wahnsinnigen Respekt vor seiner Entscheidung", sagt seine Mama Jutta.

Zum Glück gab es auch Kinder, die Adrian genauso akzeptierten wie er ist. Ohne sich um die immer länger werdenden Haare zu kümmern.

Als sein Haar die nötige Länge hatte, fuhr Adrian mit seiner Mama zum Haareschneiden in den Friseursalon Wunderhaar nach Tiefenbach (Oberstdorf), einem Partnersalon des Vereins "Die Haarspender".

Die Non-Profit-Organisation aus Wien möchte mit maßgeschneiderten Perücken, gefertigt aus gespendetem Haar und finanziert durch Geldspenden kranken Kindern helfen, wieder ein Stückchen "Normalität" in deren Leben zurück zu bringen. Echthaarperücken liegen preislich bei 1500 bis 3000 Euro und sind für viele Familien oft nicht finanzierbar.

Als Friseurmeisterin Julia Schleicher die Geschichte von Adrian hörte, war sie gerührt: "Ich bin zutiefst beeindruckt von diesem starken 12-jährigen Mann. Sein mutiges Beispiel zeigt, dass man nie urteilen sollte ohne die Hintergründe zu kennen." 

Mit seiner neuen Kurzhaar-Frisur fühlt sich Adrian genauso gut wie vorher mit den langen Haaren. Äußerlichkeiten sind ihm egal. Wichtig ist, dass das Herz am rechten Fleck sitzt.

Dass das bei ihm der Fall ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Ein entsprechender Post von Julia Schleicher auf der Facebook-Seite des Salons Wunderhaar wurde inzwischen über 6000 Mal geliked.

Bleibt zu hoffen, dass jetzt auch jene die ganze Geschichte erfahren, die Adrian vorher hänselten.   


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