Geben und Nehmen
20.12.2019 Kind & Kegel

Warum dieser Koffer Kinderherzen in einem Allgäuer Dorf höher schlagen lässt

Dieser Koffer ist wie eine weihnachtliche Wundertüte! Wenn er vor der Haustür steht, schlagen Kinderherzen höher. Dann dürfen die Buben und Mädchen Geschenke herausnehmen - und ihn mit neuen füllen, ehe er weiter auf Reisen durch das Dorf geschickt wird. In Missen-Wilhams (Oberallgäu) ist ein Wanderkoffer zum "Adventsstar" für die Jüngsten avanciert. Wie es dazu kam und was diese Idee so nachahmenswert macht, liest Du hier.

"Advent, Advent... ein Koffer rennt.
Der Koffer, der muss wandern,
hat nicht lang Zeit zur Rast
von einem Haus zum anderen, überall nur kurz zu Gast." 

Dieser handgeschriebene Vers steht in einem blauen Büchle, das dem Wanderkoffer von Missen-Wilhams beiliegt. Heuer ist er zum zweitem Mal vor Weihnachten in der 1.400-Einwohner zählenden Gemeinde unterwegs. Ausgangspunkt ist der Ferienhof Oberstixner, auf dem sich die örtliche Pfadfindergruppe "Die Adler mit dem scharfen Blick" regelmäßig trifft.

Die Betreiber-Familien Keck und Dünßer schickten den Koffer erstmals auf Reisen. Für den Inhalt sorgten ihre Kinder. Sie legten freiwillig Spielsachen rein, die ihnen ans Herz gewachsen waren - und die sie dennoch getreu dem bliblichen Gebot der Nächstenliebe gerne an andere Kinder abgaben. Der Koffer wurde befreundeten Pfadfindern vor die Haustüre gestellt. Diese durften sich bedienen, ihrerseits "Gaben" dazulegen - und ihn weiter wandern lassen. Ins Büchlein tragen sich alle Familien ein, die der Koffer erreichte.

Über 20 Familien waren es im Vorjahr. Heuer könnten es sogar noch mehr werden. "Der Koffer bringt allen ein Lachen ins Gesicht. Die Geschenke der Kinder kommen von Herzen", sagt Petra Funk, bei der der Wanderkoffer vor Kurzem vor der Tür stand. Voller Spannung öffneten ihn ihre Söhne Simon (10) und Hannes (8). Die beiden engangierten Pfadfinder freuten sich riesig über den Inhalt der hölzernen Schatztruhe. Dazu zählen zum Beispiel Bücher, Spiele, Kerzen oder Plätzchen.

"Man weiß nie was drin ist und auch nicht, wer was reingelegt hat. Das macht es so spannend", erklären die Brüder. Beide wurden sie fündig. Simon tauschte ein Sams-Buch gegen einen Zauberwürfel; Hannes ein Modell-Flugzeug gegen eine Gummischlange. Nach einem "Stöber-Tag" reist der Koffer weiter zum nächsten Kind. Wer neu dabei ist, dem erklärt der Spruch im Büchle sogleich die süßen Spielregeln:   

"Und landet er in eurem Haus,
so ist das ziemlich fein,
nehmt euch einfach was raus,
und legt was anderes rein.
"   

Die Kinder in Missen wollen ihren Weihnachtskoffer jedenfalls nicht mehr missen... 

          

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