Kommunalwahl 2020
20.01.2020 Wissen & Quizzen

Wahlhelfer gesucht! Warum dieses Ehrenamt so wichtig ist - und was man für den Einsatz bekommt

Wahlhelfer Germaringen
Am 15. März ist Wahltag: Bei der Kommunalwahl entscheidet sich, wer künftig in den Landratsämtern und Rathäusern regiert und wer in den Stadt- oder Gemeinderäten die Geschicke mitbestimmt. Damit die Wahl sauber über die Bühne geht, braucht's fleißige Helfer. Elisabeth Mayer und Gerhard Reggel aus dem Ostallgäuer Germaringen sind einmal mehr im Einsatz. Was sie antreibt:

Der freie und geheime Urnengang ist das Fundament einer Demokratie. Gerhard Reggel reicht es aber nicht, bei den Kommunalwahlen am 15. März seine Stimmen abzugeben. Er wird stundenlang im Wahllokal sitzen und am Abend mit auszählen. „Das ist Dienst an der Demokratie“, sagt der Wahlhelfer in der Gemeinde Germaringen (Ostallgäu). Er ist einer von Tausenden im Allgäu – die einen werden dienstverpflichtet, die anderen sind freiwillig dabei.

Es ist ein ungewöhnliches Ehrenamt. Wer einberufen wird oder sich freiwillig meldet und dann ohne wichtigen Grund am Wahltag fehlt, muss theoretisch mit einer Geldbuße rechnen. Wer erscheint und seiner Aufgabe nachkommt, erhält ein sogenanntes Erfrischungsgeld, das die Gemeinde vorher festlegt. Aber nur wegen ein paar Euros und Freigetränken lässt sich eigentlich niemand einteilen, um in Rathäusern, Schulen und Gemeindehallen Wahlberechtigungen zu prüfen, Stimmzettel zu verteilen, die Wahlkabinen zu beaufsichtigen, Namen abzuhaken und abends die Stimmen auszuzählen. Sagt Reggel (70).

„Ohne uns könnten die Wahlen gar nicht stattfinden“, meint der Ruheständler, der „ungefähr seit Mitte der Achtziger“ Wahlen und Abstimmungen als Helfer begleitet. Wie er damals zu der Aufgabe gekommen ist, weiß er gar nicht mehr. „Aber ich war schon immer ehrenamtlich aktiv“, sagt er.

Ohne ehrenamtliche Wahlhelfer wären Wahlen nicht möglich. Eine Stadt von der Größe Münchens braucht bei der Kommunalwahl 14 000 Helfer, 420 Ehrenamtliche sind für die 45 000-Einwohner-Stadt Kaufbeuren im Einsatz. 60 Helfer unterstützen die Stimmabgabe in der Ostallgäuer Gemeinde Germaringen.

Die Ehrenamtlichen sind Mitglieder in den Wahlorganen (Wahlvorstände oder Briefwahlvorstände), die in den Kommunen für jeden Stimmbezirk gebildet werden. Aufgabe des Wahlvorstands ist es, den korrekten Abstimmungsablauf und die schnelle Ermittlung der Ergebnisse sicherzustellen.

Finden sich nicht genug freiwillige Helfer, so kann jeder, der wahlberechtigt ist, zur Übernahme dieses Wahlehrenamts verpflichtet werden. Dies kann nur aus wichtigem Grund abgelehnt werden.

Als Anerkennung erhalten die Wahlhelfer ein sogenanntes Erfrischungsgeld, dessen Höhe die Kommunen selbst festlegen, meist freie Getränke und im Falle der Dienstverpflichtung eines Verwaltungsmitarbeiters einen Freizeitausgleich.

Gesucht werden Wahlhelfer überall. Wer Interesse an der Ausübung dieses Ehrenamts hat, wendet sich rechtzeitig vor einer Abstimmung an seine Stadt oder Gemeinde.

Im Wahllokal treffen die Helfer das ganze Dorf. Bürgermeister Helmut Bucher weiß zu erzählen, wie eine Gemeindebedienstete einer Seniorin für den Urnengang ihre Lesebrille geliehen hat. „Sehhilfen – ein Service, über den man künftig nachdenken sollte“, sagt der Rathauschef und schmunzelt. Gemeindewahlleiter Paul Klöck erinnert an den Rentner, der sich ins Wahllokal geradezu geschleppt hat, weil er nur dort seine Stimme abgeben wollte. Für ihn sei extra ein zusätzliches Geländer installiert worden. Ansonsten gilt: Niemand darf bei der direkten Stimmabgabe helfen oder diese beeinflussen. „Wir müssen den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahlen sicherstellen“, sagt Elisabeth Mayer (31).

Die Gemaringerin bekam vor zwölf Jahren einen Bescheid von der Gemeinde, damals war sie noch BWL-Studentin. „Ich habe mich nicht gewehrt“, sagt sie und lacht. „Irgendwie“ sei sie dann als eine der 50 bis 60 Wahlhelfer in der knapp 4000 Einwohner zählenden Gemeinde dabeigeblieben. Immer bei der Briefwahl. Das heißt, ihre Schicht beginnt am Wahlsonntag nicht morgens oder mittags, sondern um 17 Uhr, und dauert oft auch länger. „Wir müssen ja die ganzen Umschläge aufreißen“, sagt sie.

Mit Zahlen können sowohl Mayer als auch Reggel gut umgehen. Sie als Beschäftigte der Bayerischen Landesbank, er als ehemaliger Sparkassen-Angestellter. „Man sollte schon sehr konzentriert arbeiten können“, sagt Reggel, vor allem wenn es am Abend bei der Auszählung zügig gehen muss. Meistens handele es sich um eingespielte Teams. Tagsüber bleibe auch mal Zeit für ein Schwätzchen, Andrang an den Urnen ist seit Jahr und Tag nach dem Kirchgang, nach dem Mittagessen und „kurz vor Schluss“.

Trotz „eiserner Reserven“, die viele kommunale Wahlleiter in der Hinterhand haben, sind Bewerbungen von Wahlhelfern gerade für die aufwendigen Kommunalwahlen begehrt. Bei keiner anderen Abstimmung gibt der Bürger mehr Stimmen ab, bei keiner dauert die komplette Auszählung länger. „Vor allem computeraffine Helfer sind willkommen“, sagt Klöck. Denn seit einigen Jahren kommen Scannerstifte zum Einsatz, die Auszählungen beschleunigen.

Weitere Artikel