Soziales Engagement
15.11.2019 Land & Leute

"Von Herz zu Herz": So helfen junge Allgäuer benachteiligten Menschen

Vor ihrem Engagement kann man nur den Hut ziehen! Seit 2013 gibt es im Allgäu den Verein "von Herz zu Herz". Gemäß seiner Grundsätze Nächstenliebe, persönlicher Bezug, Transparenz und Nachhaltigkeit setzen sich die 172 Mitglieder für Menschen ein, die es nicht so gut haben wie wir. Aktuell betreuen sie sechs Projekte im In- und Ausland. Wir stellen Dir einige davon vor und sagen Dir, wie Du den Verein kennen lernen kannst.

Amina ist fünf Jahre alt. Sie ist ein fröhliches Kind, malt gerne – und hat das Down-Syndrom. In Deutschland gibt es viele Angebote für Menschen wie sie. In Bosnien dagegen, wo Amina lebt, fallen sie oft durchs Raster, werden teilweise sogar als Schande betrachtet, sagt Michael Winkler. Er ist Mitglied bei "von Herz zu Herz", einem von zahlreichen Allgäuer Hilfsvereinen, die sich für andere einsetzen und der hier stellvertretend für die vielen Engagierten in der Region vorgestellt wird.

Winkler leitet ein Projekt in Srebrenik, wo „von Herz zu Herz“ eine Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit Behinderung unterstützt. Ohne die Hilfe aus Deutschland gäbe es das Angebot in Bosnien nicht, sagt der 38-Jährige. 2013 sei die Tagesstätte mit Geld der Vereinten Nationen gebaut worden, kurz danach sei sie wegen fehlender finanzieller Unterstützung wieder geschlossen worden.

Durch Zufall ist "von Herz zu Herz" auf Haus aufmerksam geworden. Eigentlich waren die Mitglieder 2014 nach Bosnien gefahren, weil es dort ein Hochwasser gegeben hatte und sie sehen wollten, ob sie helfen können. Das ist einer der Grundsätze des Vereins: „Wir wollen nicht einfach Geld irgendwo hinschicken, sondern uns vor Ort ein Bild machen“, sagt Martin Fackler aus dem Vereinsvorstand. Die Reisen finanzieren die Mitglieder selbst oder sammeln dafür zweckgebundene Gelder.

Auch in Bosnien war Michael Winkler mit anderen Vereinsmitgliedern unterwegs – und hat gesehen, dass Hilfe bitter nötig ist. „Kinder und Jugendliche mit Behinderung werden dort teils versteckt“, erzählt er. Also haben sie sich informiert, was nötig ist, um die Tagesstätte wieder zu eröffnen und den Betrieb am laufen zu halten. Mittlerweile finanziert von „Herz zu Herz“ unter anderem das Personal und ein Auto samt Fahrer, mit dem die Kinder abgeholt werden. Auch andere Kosten wie beispielsweise der TÜV für das Auto werden übernommen. „Wir bekommen immer eine Liste und prüfen das ganz genau“, sagt Winkler.

Das ist ein weiterer Grundsatz des Vereins: Geld gibt es nicht pauschal, sondern zweckgebunden. „Jeder kann zwar für ein bestimmtes Projekt spenden wenn er möchte. Am besten ist aber eine Spende generell an den Verein. Dann können wir sie dort einsetzten, wo es gerade gebraucht wird“, sagt Fackler.

„Wir sind sehr dankbar für alles“, sagt Lejla Hasanbasic, die in der Förderstätte in Srebrenik arbeitet. 50 Kinder und junge Leute im Alter zwischen fünf und 35 werden dort insgesamt betreut, sagt sie. Allerdings nicht alle auf einmal. „Wir kümmern uns immer um Gruppen mit sechs bis sieben Leuten, die meisten kommen zweimal in der Woche.“ Dann wird gespielt, gemalt, gesungen oder gekocht. „Gäbe es uns nicht, müssten die Kinder zu Hause bleiben“, sagt Lejla Hasanbasic.

Das wäre schlimm für junge Menschen wie Amina – die in der Förderstätte große Fortschritte gemacht hat. 

Das Spendenkonto und mehr Infos zum Verein gibt es unter: www.vonherzzuherz.org
In Tansania will der Verein beim Bau einer neuen Tagesklinik helfen Eines der wichtigsten Projekte für „von Herz zu Herz“ ist der geplante Neubau einer ambulanten Tagesklinik für das Kabanga-Krankenhaus in der Region Kigoma, einer der ärmsten Gegenden in Tansania. 220.000 Euro kostete dieser, es werden noch dringend Spenden benötigt. Auch hier waren die Vereinsmitglieder vor Ort und haben geprüft, wofür das Geld gebraucht wird. „Wir haben die Armut mit eigenen Augen gesehen“, sagt Vorstandsmitglied Martin Fackler. „Das Krankenhaus ist der einzige medizinische Hoffnungsschimmer für die Menschen.“
Die Patienten liefen teilweise tagelang zu Fuß zu der Klinik. Hilfe vom Staat gebe es kaum. Die Gebäude seien baufällig, die Infrastruktur schlecht. Der Verein unterstützt das Krankenhaus seit 2015, hat in dieser Zeit beispielsweise einen Container mit Hilfsmitteln nach Tansania geschickt.
Jetzt will von „Herz zu Herz“ den Neubau der Tagesklinik realisieren. Etwa 100 Patienten werden dort täglich betreut. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, sollen es doppelt so viele sein. „Hier können wir Hilfe zur Selbsthilfe geben“, sagt Fackler.
Langfristig könne die Region so gestärkt werden, beispielsweise durch die neuen Arbeitsplätze, die entstehen. Betreiber des Krankenhauses ist seit Jahrzehnten die katholische Diözese Kigoma. „Wir haben großes Vertrauen in die handelnden Personen vor Ort“, sagt Fackler.
Weitere Projekte aus nah und fern
"von Herz zu Herz“ ist ein Verein aus dem Allgäu – und setzt sich deswegen auch für Menschen aus der Region ein. Mal geht es dabei um die Finanzierung eines behindertengerechten Autos, mal um langfristige Projekte. Beispielsweise unterstützen die Mitglieder den Foodsharing-Verein in Kempten, der Lebensmittel vor dem Mülleimer rettet. „Die Erfahrung zeigt, dass die Leute eher bereit sind, für Projekte vor Ort zu spenden“, sagt Fackler. Vor allem während der Flüchtlingskrise sei es schwierig gewesen, Begeisterung für Aktionen im Ausland zu wecken.

Dennoch unterstützt der Verein seit Jahren die Hope School in Südafrika. 80.000 Euro sind bereits nach East London geflossen, zum Beispiel für den Bau von Klassenzimmern oder Schulmaterial. „Es ist eine Herausforderung, den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Fackler. 230 Schüler besuchen die Schule mittlerweile. Als der Verein mit seinem Engagement begonnen hat, waren es lediglich 80. „Die Kinder kommen aus den Slums, viele sind Aidswaisen.“ Auch hier greift der Nachhaltigkeitsansatz: Die Kinder können nach der Schule in die Arbeitswelt einsteigen und so die Wirtschaft in Südafrika voranbringen.

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Wer den Verein näher kennen lernen möchte, hat dazu bei einem Benefizkonzert Gelegenheit, das am Sonntag, 8. Dezember, um 16 Uhr, in der Kirche in Kempten-Lenzfried stattfindet.

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