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24.06.2019 Wissen & Quizzen

Viel trinken in der Hitze: Hier kommt Dein Wasser her

Trinkwasser
Man kann's nicht oft genug sagen: Heiß ist's - genügend trinken diese Woche! Doch weißt Du eigentlich genau, woher unser Leitungswasser im Allgäu kommt? 22 Gemeinden und Städte aus dem Ober- und Westallgäu sowie die Stadt Kempten sind seit 50 Jahren an die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu angeschlossen. Damit sei auch in Hitzeperioden wie zurzeit die Versorgung jederzeit gewährleistet, sagt Vorsitzender Herbert Seger. Erfahre hier mehr über "Dein" Wasser...

Hahn aufdrehen und das Wasser fließt – dass das nicht selbstverständlich ist, haben einzelne Oberallgäuer Gemeinden im vergangenen Sommer gespürt. Aufgrund der Hitze saßen Ortsteile und Weiler zum Teil auf dem Trockenen. Tanklastzüge karrten Wasser nach Wiggensbach, andernorts füllten Privatleute und Landwirte ihre Quellen selbst auf. Keine Probleme hatten jene Kommunen, die an die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu angeschlossen sind. Vorsitzender Herbert Seger sieht das als Bestätigung einer zukunftsorientierten Entscheidung vor 50 Jahren: „Wir können dankbar sein.“

In den 1960er-Jahren hatten viele Gemeinden in der Region Probleme, ausreichend sauberes Trinkwasser zu beschaffen, blickt Seger zurück. Geologen stießen schließlich auf ein großes Trinkwasservorkommen im Illertal bei Ortwang (Burgberg). Die Entscheidung, 1969 einen Zweckverband zu gründen, hat laut Seger die Stadt Kempten unter dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Josef Höß vorangetrieben. In den Folgejahren diskutierten die Verantwortlichen vieler Gemeinden: Müssen wir beitreten? „Heute sind sie dankbar, dieses Potenzial zu haben.“

Mittlerweile sind 22 Gemeinden und Städte aus dem Ober- und Westallgäu sowie die Stadt Kempten Mitglieder (siehe Infokasten) . Manche beziehen das Fernwasser nur zusätzlich zur eigenen Versorgung. Acht Brunnen, elf Hochbehälter und elf Pumpwerke sorgen dafür, dass das Wasser bei den etwa 200.000 Endverbrauchern ankommt. Die Versorgungssicherheit für diese sei „absolut gewährleistet“. Selbst bei Höchstabnahmen im vergangenen Sommer, als selbst Gemeinden Wasser erhielten, die nicht im Verband sind.

Die Verbandsmitglieder
Mitglieder im Zweckverband Fernwasserversorgung „Oberes Allgäu“ sind: die Landkreise Oberallgäu und Lindau, die Städte Kempten, Immenstadt und Sonthofen sowie die Gemeinden Buchenberg, Dietmannsried, Oberstaufen, Wertach, Weiler-Simmerberg, Sulzberg, Burgberg, Grünenbach, Blaichach, Gestratz, Betzigau, Durach, Oberreute, Oy-Mittelberg, Rettenberg, Stiefenhofen und Waltenhofen.

Wenn Seger von dem Wasser spricht, dass der Fernwasserverband bei Ortwang und Altstädten (Sonthofen) aus dem Boden holt, kommt er gar ins Schwärmen: „Wir leben hier in einer begnadeten Gegend.“ Der Altbürgermeister Durachs trinkt das Leitungswasser selbst gern. Das sei völlig unbedenklich, sagt er. Mehr als 130 Proben im Jahr würden das bezeugen. Auch Mikroplastik sei kein Thema. „Das ist dort ein Problem, wo das Wasser aus den Flüssen kommt.“

150 Kilometer Leitungsnetz

Das Vorkommen im Illertal werde unterirdisch durch Niederschlag in den Bergen gespeist, erklärt Markus Spetlak, Geschäftsleiter beim Zweckverband. Mikroplastik aber könne nicht verdunsten – und gelange deswegen nicht in das Grundwasser.

An der Grundstruktur der Wasserversorgung habe sich in den 50 Jahren nichts geändert, sagt Seger. Allerdings: „Der Bedarf hat zugenommen.“ Im vergangenen Jahr flossen erstmals mehr als acht Millionen Kubikmeter Wasser durch das 150 Kilometer lange Leitungsnetz. Schließlich leben mehr Menschen in der Region, begründet das der Vorsitzende. Außerdem sei die Infrastruktur gewachsen – es gebe zum Beispiel mehr Schwimmbäder. Zugleich seien die Anforderungen gestiegen.

Als Beispiel nennt Seger die Schutzgebiete, die heute deutlich größer ausfallen müssen als noch bei Gründung des Verbands. In einem gewissen Bereich – abhängig von der Fließgeschwindigkeit des Wassers und damit von den örtlichen Begebenheiten – dürfen Landwirte zum Beispiel nicht beschütten.

Wichtig für die Zukunft ist laut Seger deswegen eine gute Partnerschaft mit den Bauern. Und, dass die Wasserversorgung in öffentlicher Hand bleibe. Es steht auch eine weitere Aufgabe an: Im Bereich Seebach (Haldenwang) gibt es ein Grundwasservorkommen, das zusätzliches Potenzial bietet. Möglicherweise könnten damit weitere Gemeinden im Norden des Oberallgäus versorgt werden.

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