Trunkelsberg bei MM
07.10.2019 Hier & Heute

Vermeintlich Bewaffneter: Polizei-Großeinsatz im Unterallgäu

Große Aufregung im kleinen Trunkelsberg: In der Unterallgäuer Gemeinde bei Memmingen will ein Autofahrer am Dienstagmorgen einen Bewaffneten gesehen haben. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot von 70 Beamten, Hubschrauber und Spürhunden an. Der Waldkindergarten wird vorsichtshalber geräumt, Eltern müssen ihre Kinder abholen. Am frühen Nachmittag dann die Entwarnung: Die Polizei hat den Verdächtigen gefunden - doch der hatte gar keine Waffe, sondern nur ein elektronisches Gerät bei sich. Wie der Einsatz ablief...

Bewaffnete Polizisten in schwarzer Einsatzkleidung stehen auf einer schmalen Straße in einem Waldstück. Sie suchen einen Mann, „dunkelhäutig, mit dunklem Kapuzenpullover und Jogginghose“, der einen „waffenähnlichen Gegenstand“ bei sich tragen soll. So lautet die Beschreibung eines Zeugen. 70 Beamte, Spürhunde und ein Polizeihubschrauber sind am Montagvormittag in der 1.700-Einwohner-Gemeinde Trunkelsberg im Unterallgäu im Einsatz.

Direkt neben dem Friedhof des Orts haben die Polizisten ihre Einsatzzentrale aufgebaut. Von dort aus leitet Joachim Huber, Chef der Polizeiinspektion Memmingen, die Suche. Er sagt, dass ein Autofahrer gegen 8.40 Uhr am Ortsausgang in Richtung Eisenburg einen Mann am Straßenrand gesehen habe, der „seiner Wahrnehmung nach eine Waffe bei sich trug“.

Wenige Minuten später fährt der erste Streifenwagen durch Trunkelsberg, im Laufe des Vormittags werden es immer mehr. Beamte aus dem Präsidium Schwaben Süd/West und von der Bereitschaftspolizei unterstützen ihre Memminger Kollegen. Gerüchte, wonach Schüsse in dem Waldstück gefallen sind, kann Huber nicht bestätigen. Die Beamten sperren die Gegend rund um den vermeintlichen Tatort ab, damit der Mann möglichst nicht unbemerkt verschwinden kann. Dann unterteilen die Polizisten das Gelände in verschiedene Gebiete und suchen diese der Reihe nach ab.

So wurden Schule und Kindergarten geschützt:
Waldkindergarten: Die 20 Buben und Mädchen des Waldkindergartens haben das Gelände am Trunkelsberger Waldrand verlassen und sind mit ihren Erzieherinnen zurück ins Hauptgebäude im Dorf gegangen.
Schule: Die Schüler durften das Schulgebäude in den Pausen nicht verlassen. Nach Unterrichtsschluss mussten sie von ihren Eltern abgeholt werden oder wurden von Lehrern zum Bus gebracht.
Streifenwagen: Während der gesamten Suchaktion stand ein Streifenwagen auf der Straße zwischen Schule und Kindergarten.

Nahe der Stelle, wo der verdächtige Mann gesehen wurde, liegt der Trunkelsberger Waldkindergarten. Die 20 Buben und Mädchen müssen das Gelände verlassen und mit ihren Erzieherinnen zum Kindergartengebäude im Ort gehen. „Wegen des laufenden Einsatzes haben wir entschieden, die Kinder ins Hauptgebäude zu holen“, sagt Bürgermeister Roman Albrecht.

Zwischen Grundschule und Kindergarten steht den Rest des Vormittags ein Streifenwagen. Sie sei sehr dankbar über diesen „Polizeischutz“, sagt Kindergartenleiterin Melissa Mayer. „Es war schon schlimm, als wir von dem Einsatz gehört haben und wussten: Wir haben noch Kinder im Wald. Das war dann besser, als alle im Hauptgebäude waren“, sagt sie. Die Buben und Mädchen seien mit der Situation aber „ganz toll“ umgegangen, fügt Melissa Mayer hinzu. „Wir haben ihnen erklärt, dass die Polizei jemanden suchen muss und wir deshalb ins Haus müssen.“

Während die Polizisten nach dem verdächtigen Mann fahnden, müssen Eltern ihre Sprösslinge an der Schule und am Kindergarten abholen. „Es werden keine Kinder allein heimgeschickt“, sagt Albrecht. Pamela Greiff läuft mit Tochter Magdalena an der Hand nach Hause. Die Zweitklässlerin erzählt: „Wir durften nicht in den Pausenhof. Man hat uns gesagt, dass ein bewaffneter Typ rumläuft.“

Polizei gibt Entwarnung

Am frühen Nachmittag gibt Huber Entwarnung: Die Polizisten haben einen Mann kontrolliert, auf den die Beschreibung zutrifft. Der Autofahrer konnte den Mann anhand dessen Kleidung eindeutig als die Person identifizieren, die er mehrere Stunden zuvor am Fahrbahnrand gesehen hatte. Eine Waffe trug der Mann nicht bei sich, jedoch ein elektronisches Gerät, dass der Autofahrer laut Polizei für eine Waffe gehalten haben könnte. Der Mann war zudem nicht dunkelhäutig, sondern hatte sich lediglich die Kapuze weit ins Gesicht und die Ärmel über die Hände gezogen.

Um kurz nach 14 Uhr verlassen Kolonnen von Polizeifahrzeugen den kleinen Ort im Unterallgäu wieder.

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