Naturschutzwächter klagt an
15.11.2019 Hier & Heute

Umwelt-Sauerei im Unterallgäu: 100 Autoreifen illegal entsorgt

Ernst Pfeiffer hat die Nase voll. In 25 Jahren als Naturschutzwächter im Landkreis Unterallgäu hat er viel erlebt. Doch eine neue Sauerei macht ihn richtig wütend: In einem Waldstück zwischen Winterrieden und Weiler haben Unbekannte an die 100 Autoreifen (!) illegal entsorgt. Ein Verbrechen, das mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro sanktioniert werden kann. Hier spricht der Naturschützer Klartext!

Frage: Herr Pfeiffer, wie sind sie auf die riesige Menge alter Autoreifen im Wald bei Winterrieden aufmerksam geworden?

Ernst Pfeiffer: Der zuständige Jäger hat die Stelle gefunden und uns gemeldet. Das hier springt alle Dimensionen. Wir hatten in dieser Gegend das ganze Jahr Probleme, es wurden schon einige illegal entsorgte Reifen entdeckt. Aber das nimmt jetzt Ausmaße an, die unbeschreiblich sind.

Gibt es einen Verdacht, wer die Umweltsünder sein könnten?

Pfeiffer: Bei dieser Menge kann es sich nicht um einen Privatmann handeln. Vermutlich steckt irgendeine Garagenwerkstatt dahinter, die jetzt um die Jahreszeit Reifenwechsel durchführt, den Leuten das Geld dafür abknöpft und ihre Reifen dann in der Natur entsorgt. Hier handelt es sich ja um völlig unterschiedliche Reifen - vom großen SUV bis hin zum Kleinwagen-Schlappen.

Was droht den Tätern, wenn sie entdeckt werden?

Pfeiffer: Eines ist klar: Das ist längst keine Ordnungswidrigkeit mehr. Illegale Entsorgung von Autoreifen ist eine Straftat, die mit bis zu 50.000 Euro belegt werden kann. Völlig egal, ob es vier oder wie hier 100 Reifen sind.

Wie kann die Öffentlichkeit helfen, damit so etwas nicht mehr so häufig vorkommt?

Pfeiffer: Es ist wichtig, dass Ihr darüber berichtet und die Öffentlichkeit sensibilisiert, damit sie die Augen offen hält. Jeder kann achtsam durch die Natur gehen und melden, wenn irgendwo Fahrzeuge stehen, wo sie nicht hingehören, oder wenn jemand die Umgebung auskundschaftet.

Haben Sie eine Botschaft für die Täter?

Pfeiffer: Irgendwann werdet Ihr erwischt. Das zeigt die Erfahrung. Wie heißt das Sprichwort: Der Krug geht so lange zu Boden, bis er bricht. Damit mögt Ihr ein paar Mal durchkommen, aber einmal geratet Ihr an den Falschen. Und dann sind die Strafen hoffentlich drastisch!

Wie geht es in diesem Fall nun weiter?

Pfeiffer: Der Fall ist nicht ganz einfach, weil erst mal geklärt werden muss, wer für die weitere Entsorgung zuständig ist. Der Fund liegt genau an der Grenze zwischen den Landkreisen Unterallgäu und Neu-Ulm. Das klärt nun die Polizei und informiert die Ämter. Letztendlich zahlen wir alle für die Entsorgung, wenn die Täter nicht ermittelt werden können. Solche Aktionen kosten die Öffentlichkeit Unsummen.

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