AZ-Reporter gestehen
10.01.2018 Wissen & Quizzen

Spenden für die Kinder-Grippe: Unsere schönsten Fails

Solidarität mit der jungen Kollegin der Dorstener Zeitung! In einem Kommentar hatte sie kürzlich - wenig glamourös - das technische Design von (Computer)-Chips mit dem Aussehen von Laptops und PCs verwechselt. Viel Gelächter, viel Häme. Aber auch viel Unterstützung. Etliche Journalisten berichten seither auf Twitter über ihre peinlichsten Patzer. Denn mal ehrlich: Jeder macht Fehler. Auch wir. Leider. Unsere blödesten liest Du hier.

Geld regiert die Welt Deutschland

Am Abend der Landtagswahl 2005 in Schleswig-Holstein hatte ich alleine Dienst in der Nachrichtenredaktion. Es gab ein ganz enges Rennen zwischen SPD/Grünen und CDU/FDP. Ich wollte schreiben: "Schwarz-Gelb gewinnt am Ende doch". Geschrieben habe ich: "Schwarz-Geld gewinnt am Ende doch" – als Schlagzeile auf der Titelseite. Gemerkt habe ich das am nächsten Morgen, als ich die Zeitung aus dem Briefkasten holte. Ein Leser schrieb per Mail: "Super - endlich schreibt mal einer die Wahrheit!" Uli Hagemeier, Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung 

Gutes Deutsch vong Bildung her

Ausgerechnet in einem Artikel, in dem es über Integration und die Bedeutung von Deutsch-Kenntnissen ging, passierte mir an einem stressigen Tag ein folgenschwerer Patzer. Ich zitierte die stellvertretende Vorsitzende eines Sportvereins, der Kindern zugleich Sprachkurse anbot, mit den Worten: "Bei uns müssen alle Deutsch lernen. Wer’s nicht kann, dem lernen wir es." Einem aufmerksamen Kollegen fiel der Fauxpas gleich am nächsten Tag auf. Ich konnte ihn gerade noch davon abhalten, den Artikel an den Hohlspiegel zu schicken. Musste ihm versprechen, schon bald einen Deutschkurs zu besuchen. Tobias Schuhwerk, Teamleiter allgaeu.life 

Das Nicht-Nicht-Interview

Zu einer Serie von schweren Verkehrsunfällen im Allgäu befragten ein erfahrener Kollege und ich den damaligen Pressesprecher der Polizei für ein Video. Erst in der Redaktion fiel uns ein Kabelbruch auf, die Tonspur des 20-minütigen Interviews war unbrauchbar. Am selben Tag fuhren wir also noch mal zur Polizei und führten das gleiche Interview erneut: mit den selben Fragen und dem selben (jetzt etwas entnervten) Pressesprecher. Und ich vergaß, auf den Aufnahmeknopf zu drücken. Tags darauf standen wir - voller Scham - wieder im Polizeirevier. Nach dem Gespräch witzelte Pressesprecher Christian Owsinski nur noch über den möglichen Straftatbestand "Zeit stehlen"...  Stephan Michalik, allgaeu.life-Reporter 

Voller Körpereinsatz

Als ich im Jahr 2000 Praktikant beim Hörfunksender Antenne Bayern war, kam Schauspieler und Liedermacher Rainhard Fendrich mit Wolfgang Ambros und Georg Danzer (damals "Austria 3") zu Besuch. Mein Job war unter anderem, die Studiogäste mit den Moderatoren zu fotografieren. Stephan Lehmann gab mir durch die Scheibe das Zeichen, dass ich nun schnell ins Studio könne.

Und das tat ich dann auch – vielleicht etwas zu schwungvoll. Von außen sah ich natürlich nicht, dass Rainhard Fendrich drinnen genau neben der Tür stand. Und so donnerte ich ihm die Studiotür volle Kanne gegen seinen Kopf. Er schaute mich daraufhin ziemlich böse an und sagte mit österreichischem Slang: "Dankschee." Klaus Kiesel, AZ-Reporter in Kempten

Rentner raus!

Bei einer Wahlkampfveranstaltung eines Bürgermeisterkandidaten sagte dieser: "Unser Ort braucht keinen 58-jährigen Rentner." Sapperlot, dachte ich mir, das ist ein ordentlicher Angriff auf seinen Herausforderer. Am nächsten Tag erzählte ich den Kollegen entrüstet davon. Das muss der Aufmacher werden, war die einhellige Meinung. Ich setzte mich an die Tastatur, legte die Finger auf die Tasten – und überprüfte dann doch noch sicherheitshalber, ob das Alter wirklich stimmte.

Glück gehabt. Denn der Amtsinhaber hatte gar nicht seinen Gegenkandidaten als "58-jährigen Rentner" bezeichnet. Dieser war nämlich 56 Jahre alt. Anders als der 58-jährige Amtsinhaber selbst. Ich hatte also seine Bitte an die Wähler, ihn nicht vorzeitig in den Ruhestand zu schicken, völlig falsch verstanden. Wir haben uns dann ein anderes Thema als Aufmacher einfallen lassen. Bastian Hörmann, Redakteur Lokalredaktion Kempten

Der nautische Polizei-Kapitän

Ich berichtete 2015 in der Füssener Lokalausgabe über die Schließung der Traditions-Gaststätte "Schiff“. Bei der letzten Party wurden zahlreiche Gäste erwartet, und die Polizei war in Alarmbereitschaft.

Deshalb kam auch der Inspektionsleiter Edmund Martin in meinem Artikel zu Wort. Der Text entstand in großer Hektik, und irgendwann war Herr Martin nicht mehr Polizeichef, sondern Polizeischiff. Ich selbst und auch meine Kollegen bemerkten den Fehler lange nicht. Erst als ich den Polizeichef am nächsten Tag um eine Bilanz der Abschiedsparty im "Schiff" bat, erzählte er mir, dass er morgens von grinsenden Sekretärinnen empfangen wurde, die ihm zu seinem neuen Titel gratulierten. Er nahm es glücklicherweise mit Humor. Katharina Müller, Redakteurin Allgäu-Rundschau

Die Augen des Gesetzes bekommen Ohren

Vor Jahren habe ich auf einer Seite „Rund ums Allgäu“ von einem geplatzten Drogendeal in Schongau berichtet. Auf einer Parkbank saßen die beiden Dealer, unterhielten sich über den Schmuggel aus Holland nach Deutschland. Rücken an Rücken zu den beiden saßen zwei Kripo-Beamte in Zivil, die gerade ihre Mittagssemmeln aßen und also zufällig mithörten. Bemüht um besondere Bildhaftigkeit  schrieb ich: „Da machten die Augen des Gesetzes große Ohren“ - und fand selbigen Text kurze Zeit später im „Hohlspiegel“ wieder. Und ganz ehrlich: das finde ich noch heute ungerecht.  Bernd Buchfeld, Chef vom Dienst Allgäuer Zeitung

Wer den Schaden hat... 

Als junger Redakteur in den 90er Jahren habe ich in einer Meldung den Lindenberger Bürgermeister Johann Zeh in seiner Funktion als Vorsitzender des Abwasserverbands Rothach zitiert. Was auch immer in meiner Stammhirnrinde an diesem  Tag vorging - statt "Abwasserverbandschef Johann Zeh"  stand am nächsten Morgen in der Zeitung: "Abwasserverbandsschaden Johann Zeh". Dummerweise lagen wir mit ihm zu dieser Zeit ohnehin im Clinch – er war verärgert wegen anderer, kritischer Berichte – und dann das!

Ich habe ihn frühmorgens angerufen und um Entschuldigung gebeten. Zeh reagierte souverän: Er habe die Meldung eine ganze Weile ungläubig angestarrt, erzählte er, und schließlich festgestellt: "So blöd, dass man das absichtlich schreibt, kann doch keiner sein." Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich ihm eine Mass Bier beim Stadtfest schulde, wir haben dann mehr als eine zusammen getrunken und uns seither recht gut verstanden. Etienne le Maire, Redakteur und Desk-Leiter Oberallgäu

Von Kühen, Pflegern und Dichtern 

Riesen-Aufregung herrschte vor zehn Jahren bei der Skiflug-WM in Oberstdorf. Der Grund: ein Artikel über den Oberstorfer Skisprung-Helden Heini Klopfer, nach dem die Skiflugschanze benannt ist. Dem Artikel zufolge kam er unter höchst seltsamen Umständen ums Leben: "Beim Viehscheid wurde er von einer Kuh erdrückt, die einen nassen Hang heruntergerutscht war", hieß es dort.

Der Autor aus der Augsburger Sportredaktion unserer Zeitung hatte diese Angaben am Schreibtisch ohne Prüfung aus einem Wikipedia-Eintrag übernommen – und die Kollegen vor Ort nicht weiter darüber informiert. In Wahrheit starb Heini Klopfer 1968 an einem Herzversagen. Desweiteren wirkte das Sport-Idol auch nicht als Brauchtumspfleger und Heimatdichter, wie im Text behauptet. Neben einer Entschuldigung bei Familie und Lesern zog dieser Fail eine Änderung des Wikipedia-Eintrags nach sich – und eine größere Vorsicht mit dieser Quelle. Auch Lexika können irren. Sportredaktion Augsburg 

Mehr schöne Fails gibt's übrigens unter dem Twitter-Hashtag #MeinGroessterFail. 


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