Dank des Jugendparlaments
31.05.2019 Kind & Kegel

Sonthofen will Müll in Fußgängerzone trennen

Erfolg für das Jugendparlament Sonthofen: Auf ihren Antrag hin will die Stadt das Thema Mülltrennung in der Fußgängerzone anpacken. Während manche Stadträte Bedenken haben, fordern andere, endlich etwas zu tun. Um was es genau geht, lest Ihr hier.

„Am Ende ist es halt doch Euer Planet“, brachte Bürgermeister Christian Wilhelm auf den Punkt, was die Fridays-for-Future“-Bewegung junger Menschen immer wieder einfordert: Es geht um ihre Zukunft. Und so darf sich auch das Sonthofer Jugendparlament über einen Erfolg freuen, mit dem vor einigen Monaten nicht unbedingt zu rechnen war: Die Stadt lehnt den Antrag, in der Fußgängerzone Mülltrennung zu ermöglichen, nicht ab und setzt auch nicht auf einen vorgelagerten Test in einer Schule – was man vielleicht als Vertröste-Lösung hätte werten können. Der Bürgermeister will das Projekt „positiv begleiten“. Das bedeutet: In der Fußgängerzone zieht die Mülltrennung ein.

Was konkret geschieht, ist noch offen. Erst sind Zahlen nötig. Um die Kosten zu kennen, ist zu klären, was zu tun ist. Das soll die Stadtverwaltung mit den Jugendlichen. Wilhelm verwies auf den Wertewandel und wie viel sich in einem halben Jahr verändert habe. Die Klimaschutz-Demos haben also auch in Sonthofen ihre Wirkung nicht verfehlt, wohl ebenso wenig die Europawahl und neue Umfragen. Die bestätigen, wie wichtig den Deutschen Umwelt und Klima sind.

Zusätzliche Kosten

Auf den Antrag des Jugendparlaments (Jupa) hatte der Bauhof im Januar mit vielen Bedenken reagiert: Er verwies auf Kosten durch zusätzliche Fahrten, dass man vermutlich Wertstoffe nachsortieren müsse und die Optik der Fußgängerzone leide. So sah auch der Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, keine separaten Abfalleimer zur Mülltrennung in der Fußgängerzone aufzustellen. Stattdessen wollte man dem Wunsch der Fridays-fot-Future-Bewegung folgen, am Gymnasium Müll zu trennen.

Doch die Jupa-Vertreterinnen Katharina Wimmer und Maren Kleinschroth widersprachen: Beispielsweise seien Abfalleimer in der Fußgängerzone im Sommer regelmäßig überfüllt. Mülltrennung, zusätzliche Behälter und gegebenenfalls manche extra Leerungsfahrt könnten das Erscheinungsbild also nur verbessern.

Katharina Wimmer: „Wir glauben, dass die Menschen bereit sind, Müll zu trennen, wenn die Möglichkeit besteht.“ Die Schülerinnen finden, dass die Stadt zwar gerne sagt, wie toll das in Sonthofen mit dem Jugendparlament sei. Aber dann müsste man die Jugend auch wirklich ernster nehmen. „Wir haben oft das Gefühl, dass nach Gegenargumenten gesucht wird.“

„Wir könnten Dinge regeln, machen es aber nicht“, sagte Stadtrat Michael Borth (Grüne) mit Blick überquellende Abfalleimer voller Einweggeschirr. Parteikollege Henning Werth blickte derweil nach Immenstadt: „Ich fände es Klasse, wir hätten auch so einen Unverpackt-Laden.“ Auch sonst gab es im Stadtrat viel, aber nicht nur Zuspruch.

Erfolgsaussichten bezweifelt

Manche Stadträte bezweifelten die Erfolgsaussichten. Christian Lanbacher (Freie Wähler) nannte als Beispiel Containerplätze, wo Zeug herumliegt. Engelbert Bechtler (CSU) fragte, wie man die Menschen erziehen könne und Heribert Kitzinger (Freie Wähler) denkt, dass sich das Bewusstsein nicht so leicht ändern lässt. Sein Beispiel: die trotz 70 Hundetoiletten herumliegenden Kotbeutel. Inge Stiefel (CSU) sagte, die Jugendlichen sollten daheim schauen, wie sie mit Ressourcen umgehen.

Dr. Gerhard Wimmer (SPD) appellierte, nicht Argumente zu suchen, um den Antrag abzulehnen, sondern Lösungen. „Wir wollen erreichen, dass mehr recycelt wird.“ Winfried Engeser (SPD) ergänzte, es gehe ums Bewusstsein für die Umwelt und darum, Zeichen zu setzen.

Sollte man Mülltrennung nicht auch am Sonthofer See anbieten, regte Petra Müller (Freie Wähler) an. Dort bräuchte man vor allem Mülleimer mit Deckel, damit es etwa Plastikreste nicht herausweht, sagten die Jugendlichen.

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