Diskussion an Hochschule
10.07.2019 Hier & Heute

So sieht ein Professor die Idee mit der Stadtseilbahn über Kempten

Seilbahnen als Teil künftiger Mobilitätskonzepte in urbanen R?
Schnapsidee oder Verkehrskonzept für die Zukunft: Die Überlegungen, in 30 Metern Höhe über Kempten eine Kabinenseilbahn zu installieren, sorgen für jede Menge Diskussionsstoff. Verkehrsexperte Professor Heiner Monheim aus Trier sieht eine Seilbahn als mögliche Option, um den Verkehr vorwärts zu bringen. Unabhängig davon müsse die Stadt das Busangebot und die Fahrradwege ausbauen. Kempten attestierte er bei seinem Vortrag an der Hochschule, dass es Autofahrern den roten Teppich ausrolle.

„Ich bin kein Seilbahnpapst“ – das stellte Professor Dr. Heiner Monheim gleich zu Beginn klar. Nicht für jede Stadt sei dieses Verkehrsmittel die passende Lösung, betonte er während einer Diskussion am Montagabend an der Hochschule Kempten. Aber durchaus eine Option, die man diskutieren sollte.

Deutlichen – und schnellen – Handlungsbedarf sieht der Verkehrsexperte in Kempten zunächst jedoch in anderer Form. Denn: Kempten rolle dem Autoverkehr den roten Teppich aus. Dass eine Stadt mit 72.000 Einwohnern vierspurige Straßen habe, bezeichnete er gar als „Übel“.

„Seilbahnen als Teil künftiger Mobilitätskonzepte in urbanen Räumen“ – mit diesem Titel lockte die Fakultät Tourismus-Management mehr als 300 Zuhörer. Das Thema überhaupt erst ins Gespräch gebracht hatte die Kemptener CSU im April (alles dazu hier). Die Stadt prüft nun den Bau einer Kabinenseilbahn: In 30 Metern Höhe könnte diese Fahrgäste vom Hauptbahnhof aus auf einem Rundkurs mit sechs Haltestellen in die Stadt bringen.

Die Idee sorgt in Kempten seitdem für kontroverse Diskussionen. Monheim ermunterte dazu, den Gedanken weiterzuverfolgen: „Im Verkehr wird bei uns ganz viel tabuisiert – das tut der Planung nicht gut.“ Der Verkehrsexperte aus Trier, der sich selbst „Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Praxis“ nennt, betonte allerdings mehrfach: Eine Stadtseilbahn habe nur dann Sinn, wenn sie an Bus und Bahn angebunden ist. Vorab sei zudem eine detaillierte Analyse mit stetem Einbezug der Bürger nötig. „Zaubert ein Politiker eine Seilbahn einfach so aus dem Hut, fällt sie schnell vom Himmel.“

Mit der Ballon-Gondel durch Kempten

Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Julian Agardi
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Julian Agardi
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Julian Agardi
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker
Stadtseilbahn in Kempten
Schwer mussten unsere Kollegen ja nicht schleppen. Besonders handlich war der zweieinhalb Meter auf zweineinhalb Meter große Luftballon-Würfel aber nicht. ;-) Matthias Becker

Einsteigen im 30-Sekunden-Takt

Vorteile einer Stadtseilbahn aus Sicht Monheims: Die Fahrgäste kommen „unschlagbar schnell“ von A nach B. Ampeln oder Staus halten die Gondeln nicht auf. Sie überfliegen zudem alle Barrieren, wie Flüsse oder Straßen. In einem 30-Sekunden-Takt können die Passagiere einsteigen, „das ist sonst im ÖPNV nicht möglich“. Das umweltfreundliche und barrierefreie Verkehrsmittel könne darüber hinaus energiesparend betrieben werden. Zusätzlich biete eine Seilbahn ein besonderes Fahrerlebnis – und beschere Kempten überregionale Aufmerksamkeit.

Der Verkehrsexperte benannte aber auch die Nachteile: Mit maximal sieben Kilometern sei der Aktionsraum begrenzt. Auch seien nicht beliebig viele Haltestellen und Kurven fast gar nicht möglich. Außerdem könne die Bahn in luftiger Höhe weder den Stadtbus noch den überörtlichen Schienenverkehr ersetzen. Und: Eine Stadtseilbahn erhalte überdies nie den Beifall von allen Seiten: „Es gibt eine Menge Akzeptanzprobleme.“

Optimal baue man Stadtseilbahnen im Straßenraum und zwischen Bäumen: „Am schönsten ist es, wenn Sie dazu eine kleine Allee pflanzen – dann haben Sie auch gleich Sympathiepunkte.“

Wenngleich Monheim zum Beispiel den „Rendezvous-Punkt“ ZUM lobte, bezeichnete er Kempten als „autogerechte Stadt“. Dafür erntete er lauten Applaus. „Sie brauchen ein erweitertes, verbessertes und verdichtetes Busangebot“, sagte er – ganz unabhängig von einer Seilbahn.

Im Radwegenetz habe er beachtliche Stücke entdeckt, aber auch riesige Defizite. „Das verdient schnell ausgebaut zu werden.“

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