Für Mensch, Tier & Umwelt
21.10.2019 Hier & Heute

Silvester ohne Feuerwerk: Kleinwalsertal macht's vor, ziehen Allgäuer Gemeinden nach?

Für manche mag die Nachricht einen Knalleffekt haben – für Kleinwalsertal Tourismus ist es ein Schritt, um dem Ziel näher zu kommen, die Natur bewusst zu erleben: Die Gemeindevertretung ruft Einheimische und Gäste auf, heuer auf das Silvesterfeuerwerk zu verzichten. Nächstes Jahr soll sogar ein Verbot greifen. Ein Modell auch für Allgäuer Tourismusregionen?

Angestoßen haben die Entwicklung Bürgermeister Andi Haid und Kleinwalsertal Tourismus. Dort legt man den Fokus auf Urlaub „in Einklang mit Mensch, Tier und Umwelt“, schildert Tourismus-Pressesprecher Elmar Müller. Er verweist auf die Umweltverschmutzung durch Feuerwerkskörper. Die sei so stark, dass Landwirte nach der Schneeschmelze im Frühjahr von ihren Wiesen gar nicht alles beseitigen könnten. Jäger berichteten, dass das Wild nach dem Silvesterfeuerwerk vor Schreck fünf Tage lang nicht mehr an die Fütterung komme.

Müller selbst erlebe den Jahreswechsel in Riezlern so: „Man kann eine Minute das Feuerwerk genießen. Danach sieht man nur noch Qualm und Rauch.“ Mit dem Geld, das an Silvester„verballert“ wird, könne man auch etwas Sinnvolleres anfangen, findet der Prokurist der Kleinwalsertaler Tourismus-Genossenschaft.

Man kann eine Minute das Feuerwerk genießen. Danach sieht man nur noch Qualm und Rauch.
Elmar Müller von Kleinwalsertal-Tourismus

Bei ihrer Entscheidung können Tourismus und Gemeinde auf Unterstützung bauen. Wie Müller und Gemeindesekretär Roland Ritsch erklären, hat sich im Kleinwalsertal eine Arbeitsgruppe mit dem Thema Silvester-Feuerwerk mehrere Monate lang befasst. Die jetzt getroffene Regelung habe die Gruppe erarbeitet. „Manche schlagen für Silvester sogar eine ’black night’ vor – also, dass es gar nichts gibt“, berichtet Müller. Tourismus Kleinwalsertal erarbeite im Moment aber ein Alternativangebot zum Feuerwerk. Der Prokurist verweist auf den Jahreswechsel vor drei Jahren in Riezlern. Damals habe es im Dorf Musik, Unterhaltung und eine Feuershow gegeben. „Vielleicht müssen wir in jedem Ort etwas Zentrales anbieten“, meint Müller.

Oberstdorf setzt auf Freiwilligkeit

Im benachbarten Oberstdorf gibt es ähnliche Forderungen. Im Tourismusbeirat – dort sind alle Stellen mit touristischen Belang vertreten – gab es laut stellvertretender Tourismusdirektorin Petra Genster nach einer regen Diskussion einen einstimmigen Beschluss: Jeder solle zum Verzicht auf Feuerwerkskörper aufrufen. Genster verweist auf den vergangenen Jahreswechsel. Da hätten die Raketen bei Inversionswetterlage und Nebel zu einer erheblichen Belastung bei Mensch und Natur geführt.

Anders als im Kleinwalsertal setzt man in Oberstdorf aber gänzlich auf Freiwilligkeit – weil sich ein Verbot in Deutschland rechtlich nicht so einfach durchsetzen lasse wie im Nachbarland Österreich. Die Touristikerin berichtet, dass auch die Veranstalter der Vierschanzentournee Alternativen zum Feuerwerk überlegten.

In Oberstaufen kein Thema

Von Verzicht oder gar Verbot ist in der Gemeinde Oberstaufen keine Rede: „Das ist für uns – Stand heute – kein Thema“, sagt Katharina Klawitter, Pressesprecherin von Oberstaufen Tourismus.

Die Gemeinde halte auch am Wintererlebnistag fest, der am 29. Dezember mit Ballonglühen und Feuerwerk veranstaltet werde. „Wie das in Zukunft ist, kann man nicht sagen“, ergänzt Klawitter.

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