Rund ums Feuerwerk
28.12.2018 Hier & Heute

Silvester: Böllern oder nicht, das ist hier die Frage!

AZ
Inzwischen ist es fast schon eine Glaubensfrage: Böllern an Silvester - oder nicht? Während für viele Allgäuer das bunte Lichterspektakel zum Jahresausklang einfach dazugehört, gibt es auch immer mehr, die bewusst "Nein" sagen. Haustierbesitzer denken dabei an ihre verschreckten Lieblinge, aber auch im Sinne der Nachhaltigkeit und Umwelt gibt es gute Argumente, auf Raketen und Knaller zu verzichten. Bundesweit verursacht das Silvesterfeuerwerk jedes Jahr rund 5.000 Tonnen Feinstaub – das entspricht 15,5 Prozent des jährlich im Straßenverkehr ausgestoßenen Feinstaubs. Unsere Redakteurin Jessi Stiegelmayer hat für beide Parteien interessante Facts zusammengetragen.

Ab Freitag (28.12.) können sich Hobby-Pyrotechniker für das Silvester-Spektakel ausstatten. Denn genau drei Verkaufstage vor dem 31. Dezember holen die Händler die Raketen und Böller aus dem Lager und füllen damit die Regale.

140 Millionen Euro (!) verballern die Deutschen in der Silvesternacht.

„Würden wir sie eine Woche früher anbieten, würden die Leute schon vor Heiligabend damit rumballern“, vermutet Uwe Hundt, Leiter des V-Marktes im Kaufbeurer Buron-Center. Während sich bei einer Umfrage des Civey-Instituts fast 60 Prozent der Deutschen für ein Böllerverbot in Innenstädten aussprechen, sei die Nachfrage im Laden ungebrochen. „Besonders im Trend liegen Batterien. Man muss sie bloß einmal zünden, dann halten sie – je nach Größe – zwischen 45 Sekunden und drei Minuten “, erzählt Hundt.

Ebenfalls beliebt seien Mischpacks, fügt Mitarbeiter Robert Hafenmair hinzu. „Da ist für jeden etwas dabei.“ Generell gilt: Feuerwerkskörper der Kategorie 2, wie Raketen, Böller, Luftheuler und Fontänen, dürfen nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden. Ähnlich wie beim Alkohol finden an der Kasse Ausweiskontrollen statt, erklärt Hundt. Leer gehen die U18-Jährigen dennoch nicht aus. Für sie gibt es beispielsweise Tischfeuerwerke, Knallfrösche und die sogenannten Bienen – summende Bodenkreisel.

So laut wie ein Presslufthammer

„Es ist besonders wichtig, nur unbeschädigte und geprüfte Feuerwerksartikel zu verwenden“, sagt Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber. Nicht zugelassene Billigfeuerwerke aus dem Ausland sind illegal und enthalten oft ein Vielfaches der zulässigen Sprengstoffmenge. Eltern sollten außerdem darauf achten, dass Feuerwerkskörper nicht in die Hände von Kindern gelangen. „Böller und Raketen sind kein Spielzeug“, sagt Glauber.

Beim Abbrennen muss dann genügend Abstand eingehalten werden. Feuerwerkskörper explodieren in weniger als zwei Metern Entfernung mit einer Lautstärke von bis zu 160 Dezibel. Dieser Wert entspricht in etwa dem eines Presslufthammers oder eines startenden Düsenjets. Bereits ein einziger Kracher kann so dauerhafte Hörschäden verursachen.

Besonders empfindlich reagieren viele Tiere auf den extremen Lärm. Tierärztin Dr. Andrea Restle rät daher, Freigänger-Katzen während der Silvesternacht im Haus zu behalten. „Wenn eine Katze verschreckt ist, kann es sein, dass sie die Orientierung verliert und vor ein Auto läuft oder gar von einer Rakete getroffen wird.“ Ist das Tier erst mal in der Wohnung, am besten die Rollläden herunter lassen, empfiehlt Restle. „Es sind nicht nur die Geräusche, die die Tiere verängstigen, sondern auch die Lichtblitze.“

Die Tierärztin hat die Erfahrung gemacht, dass sich Hunde oft noch mehr fürchten als Katzen. Um die Vierbeiner für die Neujahrsnacht zu sensibilisieren, könnten ihre Besitzer sie schon lange im Voraus immer wieder bestimmten Geräuschen aussetzen. Auf die Schnelle helfe häufig auch ein Beruhigungsmittel, sagt Restle. Oder: „Einfach den Hund einpacken, ins Auto setzen, Musik anmachen und auf die Autobahn fahren.“ Ein Trick, den sie von ihren Kunden gelernt hat. Wer einen ängstlichen Hund hat, sollte Silvester auf jeden Fall zu Hause feiern. Dort fühlt sich das Tier am wohlsten und ist in der Nähe seiner Bezugsperson.

Tipps für eine sichere Silvesternacht
Jahr für Jahr sorgen Unwissen, Leichtsinn oder zu viel Alkohol für teils erhebliche Sachschäden oder gar schwere Verletzungen an Silvester. Hände, Augen und Ohren seien besonders gefährdet, erklären die Einsatzkräfte. Außerdem können Feuerwerkskörper schnell Brände entfachen. Damit es gar nicht erst dazu kommt, hier ein paar Ratschläge:
1. Nur geprüfte Pyrotechnik verwenden. Kunden können sich am CE-Kennzeichen und der aufgedruckten Kennnummer der Prüfstelle orientieren. 0589 steht beispielsweise für die deutsche Prüfstelle „Bundesanstalt für Materialforschung-und prüfung (BAM)“.
2. Möbel vom Balkon und der Terrasse räumen. Sie könnten sonst Feuer fangen. Außerdem ist es empfehlenswert, Fenster und Türen während des Feuerwerks geschlossen zu halten.
3. Auf Blindgänger achten. Nicht gezündete Feuerwerkskörper niemals nachzünden. Stattdessen glühende Reste ablöschen und beseitigen.
4. Mit den Feuerwerkskörpern richtig umgehen. Auf keinen Fall auf Menschen oder Tiere richten und nicht auf Häuser werfen. Raketen senkrecht abschießen. Die Feuerwerkskörper nach dem Anzünden sofort wegwerfen und genügend Abstand halten.
5. Altenheime, Krankenhäuser und Kirchen meiden. In deren unmittelbarer Nähe ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verboten. Auch in der Nähe von Gewässern, Feuchtgebieten, Wäldern und Gehölzen sollten Bürger nicht zünden, da Vögel so aus ihrer Winterruhe aufschrecken könnten.
6. Finger weg von Himmelslaternen. Diese Papier-Ballons steigen in den Himmel und verbrennen dort. Sie sind gefährlich, weil sie sich sehr leicht entzünden und bei ihrem Flug an Bäumen oder Häusern hängen bleiben und einen Brand auslösen können.
7. Nach dem Feuerwerk aufräumen. Abgebrannte Feuerwerkskörper sollten entsorgt werden, damit sich Kinder nicht beim Spielen mit Resten von Raketen oder Böllern verletzen.
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