Tamara Fink (30)
11.02.2019 Land & Leute

Sie ist die erste Feuerwehr-Kommandatin in der Region

Nur wenige hundert Meter hinter der Grenze zwischen Westallgäu und Vorarlberg ist vor wenigen Tagen eine Männer-Domäne gefallen: Die Feuerwehr in Thal (Gemeinde Sulzberg) hat eine Kommandantin gewählt. Tamara Fink ist die erste Frau in dieser Funktion in ganz Vorarlberg. Hier stellen wir Dir die "taffe" 30-Jährige vor!

Auch wenn dies- und jenseits der Grenze immer häufiger Feuerwehrfrauen bei Übungen und Einsätzen ehrenamtlich aktiv sind: In ihrer Führungsposition ist TamaraFink durchaus etwas Besonderes – was sie überhaupt nicht so empfindet.

Feuerwehr kann jede Frau!
Tamara Fink

Das liegt vor allem daran, dass die heute 30-Jährige mit der Feuerwehr aufgewachsen ist. Denn ihr Vater Edelbert war 27 Jahre lang Kommandant der Thaler Wehr. So verfolgte Tamara Fink schon als Kind das Geschehen in der Feuerwehr, schaute gespannt aus dem Fenster, wenn das Löschfahrzeug zu Einsätzen ausrückte, und stellte sich bereitwillig als Statistin bei Proben zur Verfügung. So war der jungen Thalerin immer klar: „Ich gehe mal zur Feuerwehr“.

Von fehlenden Duschen und Toiletten gebremst

Umsetzen konnte sie ihren Vorsatz allerdings erst nach einigem Warten. Weil im alten Feuerwehrhaus Duschen und Toiletten für Frauen fehlten, erlaubten ihr die gesetzlichen Vorgaben erst nach dem Neubau 2011 diesen Schritt. Dann gab es kein Halten mehr: Tamara Fink trat als erste und bislang einzige Frau in die Feuerwehr Thal ein, absolvierte zügig die ersten Kurse, brachte es in acht Jahren zur Oberbrandmeisterin und ließ sich auch zur Atemschutzträgerin ausbilden.

Hier spürte sie schnell Unterschiede beim Vorgehen der Geschlechter: „Die Männer stürmten bei einer Probe immer ins verrauchte Gebäude, ich habe mehr nach meinem Instinkt nach möglichen Verletzten gesucht.“ Der Einsatz als Atemschutzträgerin ist Tamara Fink seit 2018 verwehrt. Ein neues Gesetz in Österreich schreibt eine Mindestgröße von 1,66 Metern vor – Fink ist misst nur 1,58 Meter. Dennoch ist die neue Kommandantin froh, sich auf eigene Erfahrungen in diesem wichtigen Bereich der Feuerwehrarbeit stützen zu können.

Wirklich überrascht hat die Wahl von Tamara Fink niemanden im kleinen Dorf Thal. Auch sie selbst hat damit gerechnet. „Schon als Kind wusste ich, dass ich zur Feuerwehr und dort Kommandantin werden will.“ Als vor einem Jahr Kommandant Edelbert Fink erklärte, dass diese Amtszeit seine letzte sein sollte, begann die Wehr intern, einen Nachfolger, beziehungsweise eine Nachfolgerin zu suchen.

Bestes Wahlergebnis seit Jahren

Anfang Dezember bewarb sich seine Tochter Tamara offiziell für die Position. In der geheimen Wahl ohne Gegenkandidaten erhielt sie mit 19 von 21 Stimmen: das beste Resultat seit Jahrzehnten in der Thaler Wehr. Nach der Jahresversammlung fand sie vor ihrem Haus ein Banner vor: „Erste Feuerwehr-Kommandatin Thal“ hatten stolz der bisherige stellvertretende Kommandant Manfred Knill und sein Nachfolger Thomas Jäger darauf geschrieben.

Die neue Aufgabe fordert die junge Kommandantin: Sie hat Kurse an der Landesfeuerwehrschule in Feldkirch zu absolvieren und muss Proben organisieren und Einsätze leiten. Hinzu kommen Vorbereitungen für Jahresausflug und Ausschusssitzungen.

Tamara Fink möchte den Austausch über die Landesgrenzen hinweg weiter verbessern. Regelmäßige Übungen mit der Feuerwehr in Scheffau gibt es schon. Und wenn die Thaler Feuerwehr in Scheffau – also in Sichtweite – einen Brand ausmacht, rückt sie auch aus. Verstärkte Kontakte plant Fink, deren Wehr 25 Aktive zählt und über ein vier Jahre altes Löschfahrzeug verfügt, darüber hinaus in Richtung Weiler. Zweifel an ihrer Eignung zur Kommandantin hegte Tamara Fink nie. Sie bezeichnet sich selbst als „taffe Lady“ und ist überzeugt: „Feuerwehr kann jede Frau“.

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