Corona-Krise
23.03.2020 Land & Leute

Seniorin (80) über Corona-Alltag im Pflegeheim: "Zum Glück hab' ich Youtube und Facebook"

Keine Besuche, keine Umarmung von Angehörigen: Senioren in Alten- und Pflegeheimen trifft die Corona-Krise besonders hart. Doch wie meistern sie ihren Alltag? Im Telefon-Interview mit allgaeu.life erzählt Uroma Christa Raabe (80), wie sie mit ihrem Mann Walter (80) die Situation meistert. Das Paar lebt in der Seniorenresidenz "Pro Seniore" in Kempten.

Frau Raabe, wie erleben Sie im Seniorenheim die Corona-Krise? 

Christa Raabe: Es ist eine seltsame Zeit. Mein Mann und ich sind zum ersten Mal in unserem Leben abgeschnitten von unserer Familie. Wir haben sieben Kinder, 16 Enkel und 15 Urenkel. Sie alle dürfen uns momentan nicht besuchen. Das ist hart. Aber es ist richtig. Lieber abgeschirmt und gesund, als mit Corona infiziert. 

Machen Ihnen die derzeitigen Nachrichten Angst? 

Christa Raabe: Nein, wir fühlen uns hier im Heim sicher. Und ich glaube fest daran dass diese Krise vorübergeht. Die Menschheit hat schon schlimmeres überstanden. Zum Beispiel die Spanische Grippe mit Millionen von Toten. Ich denke, dass Corona eine verschlimmerte Form einer "normalen" Grippe ist. Das müssen wir ernst nehmen. Aber dagegen wird es früher oder später ein Mittel geben.   

Wie verbringen Sie Ihren Alltag in Corona-Zeiten? 

Christa Raabe (lacht): Ich bin heilfroh, dass ich einen Computer habe! Einer unserer Enkel hat uns schon vor längerer Zeit so ein Kästchen aufs Dach montiert, damit wir schnelles W-Lan haben. Das hilft uns jetzt sehr. Ohne Youtube und Facebook wäre ich am End' noch depressiv. Außerdem habe ich meine Bücher: Ich liebe Heimatromane. Wenn ich ein Buch durch habe, verkauf ich es auf Ebay und suche nach einem neuen.   

Was schauen Sie auf Youtube am liebsten? 

Christa Raabe: Tiroler oder Allgäuer Lieder stehen bei mir ganz hoch im Kurs. Das Lied "Oh Allgäu mein" gehört da dazu. Das gibt mir Kraft. Ich habe selbst viele Jahre lang begeistert in einer Musikgruppe Mandoline gespielt. Ab und zu musiziere ich mit meinem Mann zusammen, der  Mundharmonika spielt. Hier im Heim gibt's ansonsten leider keine weiteren Musikanten. Ein Herr war zwar früher Akkordeonspieler. Aber mittlerweile hat er Demenz und trifft nur noch die ersten zwei Töne richtig.  

Wie hilft Ihnen Facebook? 

Christa Raabe: Ich kann Kontakt mit der ganzen Familie und mit Freunden halten. Wir schreiben uns fleißig, laden Fotos oder auch mal ein Videos hoch. Man fühlt sich trotz allem ganz nah. Das tut gut. Klar können wir auch telefonieren. Aber ich finde Facebook oft praktischer. Ich kann schreiben, wenn ich Zeit dazu habe.  Zum Glück haben wir auch nach wie vor noch "normale" menschliche Kontakte im Heim: Das Personal hier  ist super! Alle versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Dazu gehört auch, dass man scherzt oder gemeinsam lacht. Das lenkt ab. Genau wie unsere kleinen Runden, die mein Mann und ich im Garten drehen. 

Welcher Gedanke baut Sie auf in diesen turbulenten Tagen? 

Christa Raabe: Mein Mann und ich haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen in drei Jahren die eiserne Hochzeit feiern. Dann sind wir 65 Jahre verheiratet! Bis dahin ist der Corona-Spuk hoffentlich vorbei. Und wir können mit der ganzen Familie anstoßen.   


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