Simon Nuschele
07.06.2018 Land & Leute

Sein Verein betreut 24 Millionen (!) Allgäuer Bienen

Sum, sum, sum - sie kümmern sich darum. Die Allgäuer Imker betreuen Bienen in großen Dimensionen. Allein der Bienenzuchtverein Seeg ist einer eigenen Schätzung zufolge für über 24 Millionen Bienen zuständig! Wie das geht, erklärt der Vorsitzende Simon Nuschele (61). Außerdem erklärt er, warum Seeg das deutschlandweit einzige Honigdorf ist.

Wie oft er in seinem Leben von Bienen gestochen wurde, weiß Simon Nuschele nicht genau. Er kann es nur grob schätzen: "Hunderte Male mit Sicherheit", sagt der 61-Jährige, dem das schon lange nichts mehr ausmacht. Ein Bienenstich juckt ihn allenfalls wie unsereins ein Mückenstich... 

Seit seiner Kindheit auf einem Bauernhof in Seeg begeistert er sich für Bienen und die Imkerei. "Mein Vater hatte ein Bienenhaus. Das hat mich geprägt. Bienen sind faszinierende Wesen", schwärmt Simon Nuschele.

Der grauhaarige Imker ist Honigdorf-Beauftragter (klingt süß, oder?) seiner Gemeinde und obendrein Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Seeg. Was die 55 erfahrenen Hobby-Imker aus Seeg, Rückholz, Wald und Lengenwang leisten, ist erstaunlich. Sie betreuen 600 Bienenvölker. Etwa 40.000 Bienen bilden im Frühsommer ein Volk.

Das bedeutet: Die Imker des Vereins kümmern sich um über 24 Millionen Bienen!   

Die Natur dankt es reichlich. "Pro Bienenvolk können wir hier mit 20 Kilo Honig im Jahreschnitt rechnen", sagt Nuschele. Macht 12.000 Kilo Honig bei 600 Bienenvölkern. Damit der Honig in Seeg auch ja nie ausgeht, betreut die Gemeinde übrigens sicherheitshalber sieben eigene Völker. Der selbstgewählte Titel "Honigdorf" verpflichtet.

Doch wie kam es überhaupt dazu? "Wir haben als Tourismus-Ort ein Alleinstellungsmerkmal gesucht. Da ist man schnell bei den Bienen gelandet", erzählt Nuschele schmunzelnd. Den Bienenzuchtverein gibt es schließlich schon seit über 100 Jahren.

Und die Natur rund um Seeg begeistert nicht nur Touristen, sondern sie ist auch ganz nach dem Geschmack der Bienen. "Wir haben zum Glück keine Monokulturen, wie zum Beispiel große Maisfelder. Statt dessen gibt es Pflanzen-Vielfalt auf den Wiesen und Wäldern. Bienen freuen sich hier zum Beispiel über Löwenzahn, Obstblüten, Weißklee, Himbeeren oder Brombeeren. Vom Bienensterben blieben wir bislang Gott sei Dank verschont."

Wie wichtig die Honigbiene nach Einschätzung des Imkerbundes ist, erfährt man in der Erlebnisimkerei oder auf dem Bienen-Erlebnispfad in Seeg: Als Bestäuber sind über 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf sie angewiesen, wenn es um die Verteilung von Blütenstaub angeht.

Übrigens: Auch Wildbienen gibt es im Raum Seeg reichlich. Die Blumenfreunde des Orts betreiben sogar ein "Wildbienen-Hotel" mit "Aufenthaltsräumen" in runden Holzscheiten und in Dachziegeln.

Kein Wunder, dass die Bienen vom Honigdorf Seeg schwärmen... 

Weitere Artikel