Raus aus dem "Dieselloch"
02.12.2019 Hier & Heute

Schon vor 80 Jahren ein Thema: Werden weitere Bahnstrecken im Allgäu elektrifiziert?

Karwendel Panorama with modern train near Mittenwald, Bavaria, G
In einem Jahr wird die elektrifizierte Bahnstrecke zwischen München und Lindau über Buchloe und Memmingen in Betrieb gehen. Etwa eine halbe Milliarde Euro kostet das Projekt, neben dem Streckenausbau mussten 150 Kilometer Oberleitung errichtet werden. Ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt: Schon vor 86 (!) Jahren war von der Elektrifizierung dieser Strecke die Rede. Heute ist das Thema Elektrizität im Schienenverkehr angesichts der Mobilitäts- und Klimadiskussion aktueller denn je. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass in den nächsten Jahren weitere Bahnstrecken in der Region elektrifiziert werden?

Nach wie vor gilt das Allgäu im Schienenverkehr als größtes „Dieselloch“ Deutschlands. Schaut man in den Bundesverkehrswegeplan, ist die Sache ernüchternd: Keine Allgäuer Schienenverbindung ist im vordringlichen Bedarf gelistet. Und weil der Bund für die Schienen-Infrastruktur zuständig ist, wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren – und wohl darüber hinaus – kein Geld fließen. Der Freistaat hatte sich bemüht, die Elektrifizierung der Strecke Ulm- Kempten im Bundesverkehrswegeplan festzuschreiben – vergeblich.

Ohnehin stelle der Bund im Haushalt 2020 gerade einmal zehn Millionen Euro für die weitere Elektrifizierung des Schienennetzes bereit, kritisiert der Verein „Allianz pro Schiene“. „Mit diesem bestenfalls symbolischen Betrag kann Deutschland die großen Lücken bei den Oberleitungen der Schiene nicht schließen“, klagt Dirk Flege, Geschäftsführer des Vereins.

Hoffnung auf Sonderprogramm

Der frühere Westallgäuer Landtagsabgeordnete und CSU-Verkehrsexperte Eberhard Rotter will die Hoffnung aber nicht gänzlich aufgeben. Nach seinen Worten ist es gelungen, in ein bundesweites Sonderprogramm zur Bahn-Elektrifizierung die Strecke Ulm-Kempten aufzunehmen. Er hatte sich dafür stark gemacht, der Freistaat den Plan unterstützt und diese Strecke als eine von sieben Verbindungen in Bayern gemeldet. Entscheidend wird es laut Rotter jetzt darauf ankommen, inwieweit der Freistaat bereit ist, sich an den Kosten zu beteiligen. Bayern sei aufgeschlossen, sagt Rotter. Es gebe Gespräche zwischen Bund und Ländern.

Der Freistaat solle sich ein Beispiel an Baden-Württemberg nehmen, fordert Grünen-Landtagsabgeordneter Thomas Gehring. Beispiel Südbahn von Ulm nach Lindau über Friedrichshafen: An der Elektrifizierung dieser Strecke, die im Moment läuft, beteiligt sich das Land mit 112 Millionen Euro. Im Freistaat gibt es einen Hoffnungsschimmer auch für die Elektrifizierung der Schienenverbindung Augsburg-Buchloe. Dieser Abschnitt sei für ein weiteres Sonderprogramm gemeldet worden, das in erster Linie für den Güterverkehr bestimmt sei, sagt Bahnexperte Rotter.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete und Vize-Landtagspräsident Gehring hat „einen konsequenten Ausbau der Strecke Kempten-Ulm hin zu mehr zweigleisigen Streckenabschnitten“ gefordert. Hintergrund seien zahlreiche „Folgeverspätungen“, die auf die Eingleisigkeit zurückzuführen seien. Gehring sagte, in dieser Sache sei der Freistaat gefordert. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) bestätigte auf Anfrage, dass die Pünktlichkeitsquote aller in Kempten ankommenden Züge auf 86,1 Prozent gesunken sei. Der bayernweite Anteil der pünktlichen Züge liegt bei 92,4 Prozent.

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