Unser Reporter beim Urteil
04.12.2018 Hier & Heute

Riesiger Rummel in Kaufbeuren: Strippende TV-Nonne kommt glimpflich davon

Das Amtsgericht Kaufbeuren hat die als "strippende TV-Nonne" bekannt gewordene Antje Mönning zu einer Geldbuße von 300 Euro verurteilt. Ursprünglich hätte sie 1.200 Euro Strafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zahlen sollen. Die Schauspielerin hatte wie berichtet im Juni auf einem Parkplatz an der B12 bei Jengen leicht bekleidet vor einem Auto getanzt und ihren Rock gehoben. Dabei ist sie von Zivilpolizisten gefilmt worden. Dieses Video gelangte ins Internet und sorgte für großes Aufsehen. Vor Gerichtsbeginn sagte die 40-Jährige: "Ich zeige mich einfach gerne nackt." Den Prozess in Kaufbeuren verfolgten fünf Kamerateams, zehn Fotografen und zahlreiche Reporter - mittendrin unser Redakteur Michael Munkler.

"Mir geht es um die geistige Freiheit der Menschen", sagte Schauspielerin Antje Mönning vor dem Gerichtssaal. Und fügte hinzu: "Ich zeige mich einfach gerne nackt." Davon habe sich bisher noch nie jemand gestört gefühlt. Wäre das der Fall, würde sie damit sofort aufhören. In ihrem Plädoyer betonte sie außerdem, dass Nacktheit zu ihrem Kunstverständnis dazugehöre. Bekannt geworden ist Mönning vor allem durch ihre Rolle als Nonne Jenny in der ARD-Serie "Um Himmels Willen".

Ganz anders empfinden das zwei Polizisten, die beim Prozess als Zeugen aussagten: Mönnings spontane Tanzeinlage auf einem Parkplatz bei Jengen habe sie "angeekelt". Die Beamten waren in Zivil unterwegs und hatten die Schauspielerin gefilmt. Während der Verhandlung entschuldigte sich Mönning bei ihnen.

Die Verteidigung von Mönning erklärte,  besagter Parkplatz sei in einschlägigen Kreisen „als Ort freizügiger sexueller Interaktion“ bekannt. Dort seien Sex-Treffen nichts Ungewöhnliches. Anders als die Polizeibeamten schilderte der von ihnen wegen eines Verkehrsdelikts aufgehaltene Lkw-Fahrer den Vorfall. Er habe an besagtem Tag „eine Art Striptease ohne Musik“ gesehen, sagte der 51-jährige Berufskraftfahrer aus dem Unterallgäu: „Ich war ganz baff, dass mir so etwas passiert, dass ich so etwas miterleben darf.“

Auf die Frage von Richter Johannes Pausch, wie er sich gefühlt habe, antwortete der Mann: „Ich habe mich in meinem Schamgefühl nicht verletzt gefühlt.“ Er sprach von einer „lustigen Situation“. 

Vom Vorwurf der Erregung eines öffentlichen Ärgernisses rückte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ab. Jedoch solle der Vorfall nicht gänzlich ohne Folgen für die Schauspielerin bleiben. Deswegen forderte sie, den Parkplatz-Strip als Ordnungswidrigkeit zu werten und Mönning 400 Euro aufzubrummen. Der Richter sah in dem Verhalten ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit. Er verurteilte Mönning wegen „Belästigung der Allgemeinheit“ zu einer Geldbuße von 300 Euro.

Fünf Kamerateams, zehn Fotografen und zahlreiche Reporter waren gekommen, um den Prozess gegen Antje Mönning zu verfolgen. Darunter Medienvertreter von RTL, ProSieben, Sat1 und der Deutschen Presseagentur - sogar die bekannte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen war nach Kaufbeuren gefahren.

Mönning nimmt Vorfall in "Rap-Video" auf die Schippe

Bereits vor dem Prozess am heutigen Dienstag hatte Mönning nochmals für Trubel gesorgt. Im Internet veröffentlichte sie ein "Rap-Video", in dem sie den Vorfall und die Anklage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses parodierte. Das Gericht wertete das Vergehen jedoch nur als Ordnungswidrigkeit wegen Belästigung der Allgemeinheit. Mönning hat neben dem Bußgeld auch die Kosten des Verfahrens zu tragen.

In mehreren Interviews hatte sich die Schauspielerin als bekennende Exhibitionistin geoutet und auf einen unbefangenen Umgang mit ihrem Körper gepocht. Manche Beobachter mutmaßen dagegen, dass es sich bei der Inszenierung eher um Eigen-PR handelt.

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