Nach Katastrophe
22.05.2019 Hier & Heute

Rettenbach: Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung - keine weitere Gefahr für Anwohner

Rettenbach
Wie und warum ist das Katastrophe von Rettenbach ausgelöst worden? Zwei Tage nach der Haus-Explosion im Ostallgäu mischte sich unter die grenzenlose Trauer der Anwohner Sorge. Wie berichtet hatte eine defekte Flüssiggasleitung nach ersten Ermittlungen zu dem Unglück geführt. Bürgermeister, Betreiberfirma und Polizei geben aber Entwarnung. Gleichwohl hat die Polizei Ermittlungen gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen.

Sorge macht sich breit bei manchen Anwohnern in Rettenbach am Auerberg. Ein Haus, das selbst gar nicht an das Flüssiggasnetz im Ort angeschlossen war, fliegt bei einer Gasexplosion in die Luft. Zwei Menschen sterben, eine Frau erleidet schwerste Verletzungen. Die Hauptleitung muss weg, fordert ein Nachbar, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Kriminalpolizei, Bürgermeister und der Flüssiggas-Anbieter aber sind sich einig: Für die Bewohner der Gemeinde besteht offenbar keine weitere Gefahr.

Die bis dahin verschlossene Zuleitung zu dem betroffenen Gebäude war nach derzeitigem Stand der Ermittlungen bei Bauarbeiten auf dem Grundstück durchtrennt worden. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Spendenkonten:
Jetzt geht es um schnelle Hilfe", sagt Simon Gehring, Schatzmeister des Allgäuer Hilfsfonds. "Die Kinder der Familie haben alles verloren." Daher ruft der Allgäuer Hilfsfonds unter Federführung von Landrätin Maria Rita Zinnecker zu Spenden auf. "Wir analysieren, was wo gebraucht wird und wie wir möglichst rasch helfen können", sagt Gehring. Die Spenden kommen auf direktem Wege allen zugute, die unmittelbar von dem Unglück betroffen waren. Eines der Nachbarhäuser wurde beispielsweise bei der Explosion vollkommen zerstört. "Wir wollen den Menschen auch ein Signal geben, dass sie in dieser schweren Zeit nicht alleine sind."
Spenden an den Allgäuer Hilfsfonds unter dem Verwendungszweck "Rettenbach" werden hier entgegengenommen: Sparkasse Allgäu, DE94 7335 0000 0000 0028 57 oder Raiffeisenbank Kempten Oberallgäu, DE04 7336 9920 0000 8848 80
Mehr Infos: www.allgaeuer-hilfsfonds.de

Acht Haushalte werden nach Informationen des Betreibers von der Sammelversorgungsanlage für Flüssiggas nahe dem Unglücksort gespeist. Die Leitung erstreckt sich über mehrere Straßenzüge in dem Neubaugebiet. Wer will, kann sich an die Versorgung anschließen lassen. Bei dem explodierten Gebäude war das nicht der Fall. Zwar zweigte ein Arm von der Hauptleitung zu dem Wohnhaus hin ab, dieser endete aber etwa einen Meter vor der Kellerwand in 80 Zentimeter Tiefe, sagt Michael Haber, Leiter der Kemptener Kriminalpolizei.

Trat zwei Jahre lang Gas aus?

Und eben jene Zuleitung sei durchtrennt worden, dem Anschein nach mit einer Baggerschaufel. „Zuletzt fanden auf dem Grundstück offenbar vor zwei Jahren Bauarbeiten statt“, sagt Haber. Dabei hat es sich nach Angaben von Bürgermeister Reiner Friedl nicht um gemeindliche Arbeiten gehandelt.

Dass seit zwei Jahren tatsächlich Gas ausgetreten ist, halten die Ermittler für unwahrscheinlich. Es könne sein, dass die Öffnung vom Erdreich oder durch ein Sicherheitsventil verschlossen worden ist. Erdbewegungen oder eine Erschütterung hätten dann möglicherweise dafür gesorgt, dass das Gas austrat. Es sickerte in den Boden ein und gelangte nach derzeitigen Erkenntnissen entweder durch eine Rohrleitung oder den Kellerlichtschacht in das Gebäude. „Wenn Gas eine gewisse Sättigung erreicht, genügt ein elektrischer Zündfunke für eine Explosion“, erläutert Haber.

Wohnhaus explodiert

Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
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Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
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Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
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Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand
Rettenbach
Am Sonntag um 10 Uhr explodierte ein mehrstöckiges Haus in Rettenbach am Auerberg. Hunderte Helfer rückten an. Martina Diemand

Das könne das Anknipsen des Lichts genauso wie das Anschalten einer Waschmaschine sein. Gas wird ein strenger Geruch beigemischt. In diesem Fall könnte aber das Erdreich wie ein Filter gewirkt haben. Zeugen hätten allerdings einen leichten Gasgeruch wahrgenommen, sagt der Kripo-Leiter. Die Beamten wollen nun herausfinden, wann genau die Leitung beschädigt wurde und zu welchem Zeitpunkt Gas ausgetreten ist. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Die Marktoberdorfer Polizei sucht mit der Feuerwehr das abgesperrte Trümmerfeld nach Wertsachen und persönlichen Gegenständen der Familie ab.

Dass es in dem 900-Einwohner-Dorf zu weiteren Gasunglücken kommt, sei nicht zu vermuten, sagt Haber. Das Schadensbild, also die durchtrennte Leitung, lasse auf die Bauarbeiten als Ursache schließen. Auch Bürgermeister Friedl betont: „Die Staatsanwaltschaft hat die Leitung freigegeben.“ Ein Sprecher der Betreiberfirma erklärt, dass die Versorgungsanlage und alle Rohrleitungen in den angeschlossenen Gebäuden überprüft wurden.

In den vergangen Tagen war ein Mitarbeiter des Unternehmens vor Ort, um die Fragen der Anwohner zu beantworten. „Nachdem ein gefahrenfreier Betrieb der Anlage gewährleistet werden kann, was auch von der örtlichen Polizei sowie den technischen Sachverständigen bestätigt wurde, ist die Anlage wieder in Betrieb gegangen“, sagt der Sprecher. Das sei am Dienstag gegen 13 Uhr gewesen.

Wann Flüssiggas verwendet wird:
Anwendung: Flüssiggas kommt laut dem „Deutschen Verband Flüssiggas“ vor allem in Heizungen und als Alternativkraftstoff für Fahrzeuge zum Einsatz. Insgesamt nutzen in Deutschland etwa vier Millionen Menschen diese Energie.

Entstehung: Das Gas fällt bei der Förderung von Rohöl oder Erdgas als Begleitgas an. Früher wurde das Gas in die Atmosphäre abgelassen oder verbrannt. Im Normalzustand ist es gasförmig. Wird es in flüssigen Zustand gebracht, lässt es sich einfach lagern und transportieren.

Lagerung: Flüssiggas wird nach Verbandsangaben in Tanks gespeichert, unter- oder oberirdisch. Von dort aus werden die angeschlossenen Haushalte versorgt.

Prüfungen: Alle zwei Jahre schaut sich eine speziell ausgebildete Fachkraft die Anlage an. Alle zehn Jahre gibt es eine sogenannte innere Prüfung der Leitungen. Dabei wird unter anderem getestet, ob die Anlage dicht ist. Ebenfalls alle zehn Jahre prüft ein Sachverständiger einer zugelassenen Überwachungsstelle wie etwa TÜV oder DEKRA beispielsweise die Ventile und den Zustand des Tankbehälters.
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