Investor steigt ein
07.11.2019 Land & Leute

Ohne Industrie-Zucker und nachhaltig: Allgäuerin entwickelt Rezept für "gesunde" Schokolade

Schokolade ist ungesund und macht dick... "Nein", wirft Andrea Mast entschieden ein. Die Allgäuerin aus Krugzell hat ein Rezept für industriezuckerfreie Schokolade zum Selbermachen entwickelt. Die soll nicht nur gut schmecken, sondern auch gesund sein. Die besten - und nachhaltigen - Zutaten dafür sucht sie weltweit. Jetzt hat die 51-Jährige ein Konzept für Kindergeburtstage entwickelt - und einen Investor gefunden, der gemeinsam mit ihr und der "ehrlichen Schokolade" durchstarten will. Alles über das spannende Vorhaben hier.

Das „Abenteuer Kakao“ begann für Andrea Mast 2010. Damals, in einem Sabattjahr, war die Pädagogin mit ihrer Familie in Costa Rica. Dort entdeckte sie, wie vielfältig einsetzbar rohe Kakaobohnen sind. Wieder zu Hause in Krugzell (Oberallgäu) entwickelte sie ihre eigene Art, Schokolade am heimischen Herd herzustellen. Sie soll nicht nur gut schmecken, sondern noch dazu gesund sein. Ihr Konzept hat Erfolg.

Mehr als Kakaopulver, Kakaobutter, rohe Kakaobohnen und Bourbon-Vanille braucht Mast für ihre Schokolade nicht, als Süßungsmittel verwendet sie Agavendicksaft und Honig. Über ihre Idee der gesunden Schokolade schrieb sie ein Buch. Außerdem gründete sie die Firma „Kakao pur“ und knüpfte Kontakte zu Bio-Kakao-Anbauern in Guatemala, Panama, Peru, Sri Lanka und Vietnam – die umstiegen und ihre Bohnen nun nicht mehr fermentieren, sondern, wie es für Masts Rezept wichtig ist, nur bei niedrigen Temperaturen trocknen.

Kurse für Erwachsene und Kinder

Fertige Schokolade gibt es bei Mast aber nicht zu kaufen, ihr Konzept ist ein anderes. In Seminaren zeigte sie schon Hunderten Schoko-Liebhabern, wie sie diese Art der Schokolade daheim selbst machen können. Die Kurse bietet sie auch für Kinder an, wie beispielsweise am Freitag, 15. November, im Naturerlebniszentrum in Immenstadt. Inzwischen schult sie sogar Ausbilder, genannt „Chocolate Instructor“, die dann ihrerseits Seminare geben. Und jetzt könnte es so richtig losgehen für das Schoko-Projekt: Die Krugzellerin wurde von Investor Torsten Urbanek aus Wiesbaden entdeckt. Er bewirbt im „Schoko Kids Club“ (>> Internet: www.schokokidsclub.de) ein von Mast entwickeltes Set, mit dem die „ehrliche Schokolade“ an Kindergeburtstagen hergestellt und gestaltet werden kann.

100.000 Euro vom Investor

100.000 Euro nimmt Urbanek in die Hand, um die Idee im Internet, auf Facebook und Instagram, bekannt zu machen. Das Buch dazu gibt es schon, geschrieben von einem Team um Andrea Mast. „Die erste Resonanz ist sehr gut“, sagt die 51-Jährige. Es brauche aber Zeit, bis sich das Konzept verbreite.

Andrea Mast ist mittlerweile auf der ganzen Welt unterwegs, um mit jenen Anbauern in Kontakt zu kommen, die noch die alten Edelkakao-Sorten pflegen, und zwar in Mischkultur mit anderen Gewächsen. Denn heutzutage bestünden laut Mast 85 Prozent der Welternte aus der Standardsorte Konsumkakao Forastero. Vorteil: Große Früchte und robust. Nachteil: „Flaches Aroma, Bitterkeit und viel Säure“. Meist entstehen die Kontakte zufällig, wie der zur Vietnamesin Dieu, die in Stuttgart ein Praktikum bei Daimler gemacht hat. Ihr Vater und fünf seiner Nachbarn sind Kakaobauern.

Die Preise für „normalen“ Kakao sinken seit Jahren, sagt Mast. Viele Kakaobäume (die acht Jahre brauchen, bevor sie tragen) werden umgehauen und machen Pomelos Platz, einer Zitrusfrucht, an der sich mehr verdienen lässt. Die Menschen fliehen vom Land in die Städte. Hier gegenzusteuern, Menschen wieder eine Perspektive zu geben und eine gesunde Schokolade bekannt zu machen, das ist die Mission von Andrea Mast und Torsten Urbanek.

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