Alptraum
30.08.2019 Hier & Heute

Nächtlicher Schreck: 30 Fledermäuse flattern durch Schlafzimmer von Kemptener Ehepaar

Das Kemptener Ehepaar Schmuck hatte einen Besuch, den es nie vergessen wird:
30 kleine Flattertiere drehten in ihrem Schlafzimmer die Runde. Wie sie darauf reagierten und was Du über Fledermäuse wissen musst. 

Diese Vorstellung lässt erschaudern: Es ist Nacht, Sie liegen im Bett, schlafen und werden plötzlich von einem leisen Pfeifen und Rascheln geweckt. Im Halbschlaf erkennen Sie im Schein der Nachttischlampe schwarze Schatten an der Decke: Fledermäuse kreisen über dem Bett, nicht eine, nicht zwei, sondern 30 an der Zahl.

Was nach einem Hitchcock-Krimi klingt, erlebten Waltraud und Winfried Schmuck dieser Tage in Kempten. Durch das gekippte Fenster kam eine Kolonie Fledermäuse in ihr Schlafzimmer. Ein „ungewöhnlicher Fall“ sagt Volker Reichle, Leiter des städtischen Umweltamts. „Nichts Ungewöhnliches“ findet dagegen Brigitte Kraft vom Landesbund für Vogelschutz. Denn solche Zwergfledermäuse werden derzeit oft in Wohnungen gesichtet.

Um drei Uhr nachts entdeckten die Schmucks im Haubenschloßviertel, dass sie Besuch von Fledermäusen haben. Die 79-jährige ehemalige Verkäuferin weckte ihren Mann und überlegte, was zu tun ist. Denn die Tiere seien ja streng geschützt, weiß Winfried Schmuck. Der ehemalige Magazinarbeiter kennt die kleinen Säugetiere aus seiner Zeit beim Kemptener Wasserwerk: „Da hatten wir im Winter im Lager bis zu 700 an der Decke.“

Das solltest Du wissen, wenn Dich Fledermäuse besuchen
Von Mitte August bis Mitte September kann es vorkommen, dass Fledermäuse in Wohnungen einfliegen. Das ist kein Grund zur Panik. Die Tiere haben keine blutrünstigen Absichten, sondern verirren sich auf der Suche nach Quartieren. Was kann man tun? Brigitte Kraft, Expertin beim Landesbund für Vogelschutz, und Volker Reichle vom städtischen Umweltamt geben Tipps:
Licht aus Fledermäuse sind lichtschau und deshalb nachtaktiv. Also sollte man möglichst kein Licht einschalten, sondern die Fenster aufmachen. Dann fliegen die Tiere raus.
Nachhelfen Kraft rät davon ab, mit einem Handtuch oder mit Handschuhen beim Wegscheuchen nachzuhelfen. Wenn es nicht anders geht, sollte man laut Reichle vorsichtig sein.
Vorsorge Am besten Fliegengitter vor den Fenstern anbringen.
Kotbeseitigung Der Kot der Fledermäuse hat laut Kraft viele Mineralien. Er kann deshalb gut als Blumendünger verwendet werden.
Ansprechpartner Wer Fledermäuse in der Wohnung hat und Hilfe braucht, kann sich an den Landesbund für Vogelschutz, Brigitte Kraft, Telefon 0160/90749763 wenden. (be)

Als Erstes zog Schmuck deshalb die Gardinen zur Seite und öffnete das Fenster. Doch die Fledermäuse dachten gar nicht daran, das Schlafzimmer zu verlassen. Also holte er ein großes Handtuch und bugsierte die Flattermänner in Richtung Fenster. „Von halb vier bis um fünf Uhr dauerte die Aktion“, sagt das Ehepaar. Zwischenzeitlich hatten sich einige Tiere sogar verkrochen. „Aus den beiden Gießkannen am Fenster kam ein Fiepen“, erzählt Waltraud Schmuck. Zwei weitere Fledermäuse hatten es sich im Spalt zwischen Fenster und Rahmen gemütlich gemacht.

Und eine hatte sich die nächtliche Aktion im Schlafzimmer vom Schrank aus angesehen. Dann war sie unauffindbar. Hinterlassen haben die 30 nächtlichen Besucher nicht nur einen Schrecken, sondern auch Dreck. Über und über sei das Schlafzimmer mit Kot übersät gewesen. Alles musste in die Wäsche, Boden und Möbel mussten mit Desinfektionsmittel gereinigt werden.

Seit über 50 Jahren wohnen Waltraud und Winfried Schmuck in der Wohnung in der Haubenschloßstraße: „Aber so etwas ist uns noch nie passiert“, sagt der 80-Jährige. Er will jetzt Fliegengitter an den Fenstern anbringen: „Erst einmal bleiben die aber nachts zu.“ Einmal machte Waltraud Schmuck aber noch auf.

Denn jene vermisste Fledermaus, die vom Schrank aus das Treiben ihrer Freunde beobachtet hat, war doch wieder aufgetaucht. Sie hatte erst einmal ausgeschlafen – hinter dem Schrank. Und am nächsten Morgen holte sie das nach, wozu sie in der Nacht zuvor wohl zu erschöpft war: Sie drehte eine Runde im Schlafzimmer – ganz allein.

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