Gerichtsurteil
06.09.2019 Hier & Heute

Nach Skiunfall gelähmt: Bergbahnen Bad Hindelang-Oberjoch müssen Opfer 280.000 Euro zahlen

280.000 Euro Schmerzensgeld müssen die Bergbahnen Bad Hindelang-Oberjoch einem heute 51-jährigen Mann zahlen, der im Funpark am 11. Januar 2014 schwer verunglückt war. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München in einem Berufungsverfahren entschieden. Nach einem missglückten Rückwärtssalto ist der Kläger vom Hals abwärts gelähmt. Die Bergbahnen müssen ihm zudem eine lebenslange monatliche Schmerzensgeldrente in Höhe von 350 Euro zahlen. Außerdem hat das Unternehmen ihm die Schäden durch den Unfall zu zwei Dritteln zu ersetzen. Lies hier alles zur Begründung des Urteils.

Gegen dieses Urteil ist keine Revision zugelassen. Eine Zivilkammer des Augsburger Landgerichts hatte in erster Instanz die Klage des Mannes vollständig abgewiesen. Demgegenüber kam das OLG zu dem Schluss, dass der Bergbahnbetreiber seiner Verkehrssicherungspflicht nicht im erforderlichen Maße nachgekommen sei. Der Kläger hatte unter anderem geltend gemacht, dass er nicht hinreichend über die Risiken eines Rückwärts-Saltos an der Sprungschanze aufgeklärt worden sei. Zudem sei ein Sprungkissen in einem derart ungünstigen Winkel gelegen, dass die Verletzungsfolgen so heftig waren.

Mit den Söhnen unterwegs

Der damals 46 Jahre alte Wintersportler war an jenem Januartag mit seinen neun und elf Jahre alten Söhnen beim Skifahren am Oberjoch. An einer Sprungschanze wollte der Mann gegen Mittag einen Rückwärtssalto machen. Doch dies misslang. Der Skifahrer schaffte nur eine halbe Drehung und kam mit dem Kopf voran auf einem Sprungkissen auf. Dadurch erlitt er unter anderem eine Dreiviertel-Fraktur der Halswirbelsäule.

In der Gerichtsverhandlung ging es unter anderem um die Frage, ob die Bergbahn alles unternommen hat, um eine Schädigung anderer durch die Anlage zu verhindern. In zweifacher Hinsicht sei der Bergbahnbetreiber dieser Verpflichtung nicht nachgekommen, befand das OLG. Benutzer der Anlage seien nicht ausreichend auf die Gefahren hingewiesen worden, die mit der Ausführung eines Saltos verbunden seien. Auch sei das Sprungkissen nicht nach den Vorschriften des Herstellers verwendet worden.

Hinweisschild reicht nicht aus

Das Bergbahnunternehmen hatte argumentiert, auf einem Schild („Hinweise zur Benutzung des Bagjumps“) seien Wintersportler auf die Gefahren eines Sprungs hingewiesen worden. Demgegenüber heißt es unter anderem in der Urteilsbegründung: „Denn um welche Gefahr (welcher Verletzungen) es sich handelt, wird eben gerade nicht erörtert ...“

Der heute 51-jährige Familienvater hatte nach dem Unfall sein Haus für 78.000 Euro rollstuhl- und behindertengerecht umbauen lassen. Er hatte sich in dem Rechtsstreit auf den Standpunkt gestellt, das Bergbahnunternehmen treffe die alleinige Schuld an dem verhängnisvollen Unfall. Die Richter aber sahen bei ihm ein Mitverschulden von einem Drittel.

Die Sprunganlage mit dem Luftkissen sei seit dem Unfall nicht mehr in Betrieb, sagte eine Bergbahn-Mitarbeiterin auf Anfrage. Nach dem Unglück hatte die Kemptener Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet, diese aber später eingestellt.

Weitere Artikel