Afghane nicht mehr im Allgäu
06.11.2019 Land & Leute

Nach Kirchenasyl im Allgäu: Geflüchteter Reza sucht Neuanfang in anderem Land

Reza Jafari, der 14 Monate im Kirchenasyl in Immenstadt lebte, hat sich in ein anderes europäisches Land abgesetzt, weil er Angst hatte, in sein Geburtsland Afghanistan abgeschoben zu werden. „Ich kann den Schritt nachvollziehen und bin auch nicht enttäuscht“, sagt Ulrich Gampert, der sich zusammen mit seiner Frau Marlies um den Afghanen während des Kirchenasyls gekümmert hatte. Dafür musste sich der Geistliche als erster Pfarrer in Bayern sogar vor Gericht verantworten (wir berichteten).

„Wo sich Reza derzeit aufhält, wissen wir, wollen den Aufenthaltsort aus Sicherheitsgründen aber nicht nennen“, sagt Marlies Gampert, die vor zwei Wochen mit dem 23-Jährigen telefoniert hat. „Die hohe psychische Belastung ist wohl mit ein Grund gewesen, weshalb Reza Deutschland verlassen hat“, vermutet die Pfarrerin.

Die vom Petitionsausschuss im Sommer erwirkte sechsmonatige Duldung war vorerst bis November befristet und sollte dann um drei Monate verlängert werden, ebenso wie die Ausbildungserlaubnis Jafaris. Das Asylverfahren selbst ist bislang noch nicht abgeschlossen.

Nicht aus Zwang heiraten

Doch das Verwaltungsgericht in Augsburg hatte dem Afghanen nur für drei Monate ein Bleiberecht gestattet, das Mitte Oktober geendet hätte, berichtet Marlies Gampert. Ferner haben die Vertreter des Petitionsausschusses Jafari deutlich zu verstehen gegeben, er solle seine Verlobte heiraten, um seine Perspektiven zu verbessern. „Dieser Druck lastete schwer auf Reza und seine Freundin“, sagt Marlies Gampert. Der 23-Jährige wollte auf keinen Fall aus Zwang heiraten.

Ulrich Gampert hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er sich wegen des Kirchenasyls Mitte September vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten musste. Er war der erste Pfarrer in Bayern, der vor Gericht stand, weil er einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hatte. „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“, lautete der Vorwurf. Das Verfahren wurde schließlich „wegen geringer Schuld“ gegen eine Geldbuße von 3000 Euro eingestellt.

Schweigemarsch für Kirchenasyl

Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert
Am Schweigemarsch in Kempten nahmen evangelische, katholische, altkatholische und freikirchliche Priester und Gläubige teil. Hintergrund ist der Strafbefehl gegen den evangelischen Pfarrer von Immenstadt Ulrich Gampert. Der 64-Jährige soll als erster Pfarrer in Bayern 4.000 Euro bezahlen, weil er in seiner Kirche einem afghanischen Flüchtling Schutz vor der Abschiebung gewährt hatte. Ralf Lienert

Auch Jafari hatte Widerspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt. Er sollte zunächst 900 Euro wegen unerlaubten Aufenthalts zahlen. Nach dem Prozess hätte er stattdessen 80 Stunden in einer sozialen Einrichtung leisten müssen.

Der Afghane hat im September bei einem Möbelhaus in Kempten eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begonnen. Allerdings greift bei ihm das fünfjährige Aufenthaltsrecht für Azubis nicht, weil er bereits zur Abschiebung ausgeschrieben war. Die „3+2-Regelung“ sieht vor, dass ein Asylbewerber eine Lehre abschließen und zwei Jahre eine Anschlussbeschäftigung ausüben darf. Jafari hatte gehofft, dass er diese Sicherheit vom Petitionsausschuss erhält. Doch der Landtagsausschuss gewährte ihm nur den sechsmonatigen Aufschub. Jafari lebte in den vergangenen Monaten in einer Flüchtlingsunterkunft in Lauben.

Reza spricht gut Deutsch, hatte eine Ausbildung begonnen, war hier sehr gut integriert und hatte eine berufliche Perspektive. Und viele haben sich intensiv engagiert, damit er hier eine neue Heimat findet. Ich kann nicht verstehen, dass man solche Menschen abschieben möchte.
Pfarrerin Marlies Gampert

„Ich bin sehr wütend auf den bayerischen Staat“, sagt Marlies Gampert. „Reza spricht gut Deutsch, hatte eine Ausbildung begonnen, war hier sehr gut integriert und hatte eine berufliche Perspektive. Und viele haben sich intensiv engagiert, damit er hier eine neue Heimat findet. Ich kann nicht verstehen, dass man solche Menschen abschieben möchte.“

Jafari hat die Immenstädter Pfarrerin bei dem Telefongespräch vor zwei Wochen um Rat gefragt, was er tun solle. Doch sie konnte ihm keinen geben. „Ich wünsche dir ganz viel Kraft, in einem anderen Land neu anzufangen“, habe sie gesagt.

Eine kleine Chance bleibt

Und vielleicht erhält er ja ein neues Asylverfahren, hofft Marlies Gampert. Denn es gebe Länder in Europa, in denen die Verfolgung von religiösen Minderheiten anders bewertet werde als in Deutschland. Jafari verließ mit seiner Familie als Vierjähriger das Land und siedelte in den Iran über, weil seine Eltern und seine Geschwister in Afghanistan als schiitische Minderheit Hazara verfolgt wurden.

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