Allgäuer rocken die Donau
29.06.2018 Land & Leute

Nach 100 Jahren wieder ein Illerfloß: Historischer Nachbau beim Ulmer Nabada

Dieses Jahr werden die Allgäuer für DAS Highlight beim traditionsreichen Ulmer Schwörmontag (23.7.) sorgen! Mit einem originalgetreuen Nachbau eines Holzfloßes, wie es das letzte Mal vor 100 Jahren auf der Iller zum Einsatz kam, will der Heimatdienst Illertal beim Ulmer Nabada teilnehmen. Dabei läuft alles streng historisch ab - sogar das Holz kommt aus denselben Wäldern wie früher. Derzeit wird fleißig gesägt, gewerkelt und geübt - doch auf die umtriebigen Allgäuer warten noch viel mehr Herausforderungen, wie Du hier erfährst.

Kleine Geschichtskunde zu Beginn: Vor über 600 Jahren, im Jahr 1397, wurde die Illerflößerei mit Hauptziel Ulm das erste Mal urkundlich erwähnt. Aus dem Illerwinkel im Unterallgäu setzten Flößer ab und lieferten Holz für Ulm. Die letzte Fahrt eines solchen Floßes fand im Jahr 1918 statt.

Jetzt, 100 Jahre später, wird wieder ein Illerfloß zum Einsatz kommen - allerdings nicht um Holz oder andere Güter zu bringen, sondern um unsere Region beim Ulmer Schwörmontag angemessen zu vertreten. Die Idee dafür kommt von den Mitgliedern des Heimatdienstes Illertal e.V., die Tradition und Geschichte bewahren und jüngere Menschen für unsere Heimat begeistern wollen. allgaeu.life sprach mit der Vorsitzenden Simone Zehnpfennig:

Wie entstand die Idee, mit dem Nachbau eines historischen Illerfloßes beim Nabada in der Donau teilzunehmen?

Simone Zehnpfennig: Die Idee hatte ich, als ich bei einem der letzten Nabada in Ulm ein Appenzeller Floß gesehen habe. Damit wurde früher Käse geflößt. Wir haben dann diskutiert, ob wir uns auch an solch einen historischen Nachbau herantrauen. Schließlich haben wir Ja gesagt, weil es unheimlich viele Anknüpfungspunkte gibt.

Welche?

Zehnpfennig: Vor genau 100 Jahren gab es die letzte Fahrt von der Iller bis nach Ulm, ein Holztransport. Unser Mitglied Ruprecht Schmid wohnt heute in jenem Haus, in welchem der letzte Flößer als Fuhrunternehmer wohnte. Dann haben wir in unserem Verein den letzten Fährmann auf der Iller, unseren Sepp Fischer. Das Holz fürs Floß beziehen wir aus dem Kronburger Wald, von der Familie Theodor Freiherr von Vequel-Westernach. Deren Familie ist 399 Jahre auf dem Schloss, hat also auch schon früher Holz geliefert und flößen lassen. 

Wie dürfen wir uns das Floß vorstellen, das am 23. Juli in Ulm zum Einsatz kommen wird?

Zehnpfennig: Es wird dieselben Ausmaße wie früher haben: 18 Meter lang, sechs Meter breit. Wenn es fertig ist, wird es 20 Tonnen wiegen. An diesem Wochenende entrinden wir übrigens die Fichtenstämme - per Hand! Gesteuert wird das Floß hinten und vorne von jeweils drei bis vier Mann. Theoretisch sollten bis zu 30 Leute drauf passen, wir nehmen wohl auch noch ein paar Musiker mit.

Wie kommt das Floß denn nach Ulm?

Zehnpfennig: Das ist eine der Fragen, mit denen wir uns intensiv beschäftigen mussten. Wir haben jetzt einen Langholzlaster organisiert, der es von hier nach Ulm-Wiblingen bringen wird, wo es in die Iller eingelassen wird. In der Vorbereitung kam so vieles auf uns zu. Zum Glück haben wir tatkräftige Unterstützung.

Wer hilft alles?

Zehnpfennig: Vom Heimatdienst Illertal sind inzwischen elf Leute mit Feuer und Flamme an der Aktion beteiligt. Aber wir bekommen auch Hilfe von außerhalb: Weil der Floßbau für uns Neuland ist, waren wir schon in Wolfratshausen an der Isar, wo es noch Flößer gibt. Die haben uns einiges gezeigt. Und wir trainieren jetzt jeden Mittwoch auf der Donau in UIm mit einer Zille. Nicht, dass wir mit unserem Floß dann unter einer Brücke quer stehen und die anderen nicht mehr durchkommen (lacht). Zum Glück haben wir unseren Fährmann Sepp Fischer.

Was ist seine Aufgabe?

Zehnpfennig: Er ist der Einzige, der das Wasser lesen kann. Aber er kennt natürlich nicht die Strömung der Donau. Das Entscheidende ist, immer im Fließgewässer zu steuern und unter den Jochen der Eisenbahnbrücke genau in der Mitte durchzufahren. Das funktioniert nur im Team: Die Kommandos müssen auf dem 18 Meter langen Floß von Mann zu Mann weiter gegeben werden. Die Verantwortlichen in Ulm geben uns aber jede Menge Tipps. Die freuen sich riesig, dass wir eines der Themenschiffe beim Nabada stellen. Auch hier spielt die Historie wieder eine Rolle: Das Holz für die Ulmer Zillen und Schachteln kam auch früher schon aus dem Allgäu.

Das Nabada ist ein traditioneller Wasserumzug, der jedes Jahr in Ulm am Nachmittag des Schwörmontags, dem vorletzten Montag im Juli, stattfindet. Es gründet auf mehreren alten Veranstaltungen: Bereits um 1800 wurde erwähnt, dass die Jugend die Donau zu den Ausflugsgaststätten "hinunterbadete" und dabei ihre Kleidung in Zubern mitführte. Ein alter Kirchweihbrauch beschrieb das "Bäuerles hinunterfahren". Hier wurde auf Brettern, die man über zwei Zillen legte, das Bauernpaar die Donau hinabgefahren und durch Schaukeln in den Fluss gestoßen. Das erste offizielle "Nabaden" fand 1927 statt. Ende der 60er-Jahre wurde das "Nabada" allen Teilnehmern geöffnet. Zuvor war dies nur den veranstaltenden Vereinen gestattet. Die Zuschauer - über 60.000 im vergangenen Jahr - dürfen das beste Themenboot und den besten Musikverein wählen, die mit Preisen prämiert werden. (az)
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