Einen "Zirbli", bitte!
30.10.2019 Land & Leute

Na, Prost! Allgäuerin mixt sich bei deutscher Cocktail-Meisterschaft aufs Podest

Dank „Zirbli“ hat es Louise Pfeiffer fast auf Platz eins bei der deutschen Cocktail-Meisterschaft geschafft. Diesen ausgefallenen Namen hat die 29-Jährige, die in Füssen geboren wurde und in Seeg ihre Ausbildung abgeschlossen hat, ihrem Drink gegeben – und er verhalf ihr zu Rang zwei bei dem Wettbewerb.

Inzwischen kann sie auf eine ganze Reihe von Erfolgen zurückblicken: Nachdem die junge Frau schon Siegerin bei der bayerischen und Zweite bei der süddeutschen Meisterschaft wurde , setzte sie nun auch bundesweit ein Ausrufezeichen mit ihrem Cocktail.

Der Titel ihres Siegerdrinks soll bewusst nach Schweizer Herkunft klingen: Immerhin findet sich darin neben Apfelsaft, Limette, Honig und ein wenig Zirbenöl auch Schweizer Kirschbrand. „Für den Namen habe ich die volle Punktzahl bekommen“, erzählt Pfeiffer stolz. Bei dem Wettbewerb sei es um eine ganzheitliche Präsentation gegangen. Die Jury, die aus Barkeepern und Weinsommeliers bestand, überzeugte insbesondere die Gesamtkomposition des Cocktails. Denn darin finden sich lauter regionale Produkte – darunter auch die Zirbe, eine Kiefernart, die in den Alpen wächst und deren Öl „seit Jahrtausenden in der Hausfrauenmedizin als Antiseptikum sowie zur Beruhigung verwendet wird“.

Nicht nur ein Hobby

Zusätzlich hat Pfeiffer für ihren Drink noch eine kleine Holzschale kreiert. Denn neben Cocktails begeistert sie sich inzwischen auch für Holzprodukte: Vor einiger Zeit eröffnete sie in Schwangau mit ihrem Freund Adolf Schmid, einem gelernten Holzbildhauer, den Laden „Alpha Art“. Er brachte ihr den Umgang mit Werkzeugen bei. Doch das Cocktailmixen ist keineswegs ihr Hobby, sondern ein zweites Standbein. Denn sie arbeitet für den Pfrontener Thomas Magg, der einen Barcatering-Service betreibt. Mit ihm ist Pfeiffer deutschlandweit unterwegs – unter anderem bei Messen, Geburtstagspartys, Festivals oder dem Berliner Presseball.

Ich war sowohl in Cocktail- als auch in Hotel-Bars und habe den klassischen Werdegang von der Barkellnerin über Comi de Bar bis hin zur Barchefin durchlaufen.
Louise Pfeiffer

Magg war es auch, der sie erst darauf brachte, an den Meisterschaften teilzunehmen, „die mir viel Freude bereiten – vor allem, den eigenen Drink zu kreieren von der Idee bis zur Perfektion“. Magg hatte sie in einem Luxus-Hotel in Tirol kennengelernt, in dem sie Barchefin und auch er tätig war.

Vor einigen Jahren schloss Pfeiffer ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau in Seeg ab und ging für eine Wintersaison in die Schweiz. Dort stellte sie „große Unterschiede in der Gäste-Betreuung, Getränke-Auswahl und Personalführung fest. Dass die gleiche Dienstleistung so anders sein kann, hat mich fasziniert und so bin ich losgezogen, um möglichst viele Facetten der Barszene kennenzulernen“.

Acht Jahre im Ausland

Neuseeland, Australien, England, Brasilien, Kanada, Kolumbien – jedes Land hielt viele berufliche und private Erfahrungen für sie bereit, so dass aus den meist kurz geplanten Aufenthalten insgesamt acht Jahre wurden. Erst dann kam sie wieder nach Österreich, die Schweiz und letztlich nach Deutschland zurück. „Ich war sowohl in Cocktail- als auch in Hotel-Bars und habe den klassischen Werdegang von der Barkellnerin über Comi de Bar bis hin zur Barchefin durchlaufen“, erzählt sie.

Ihr zweiter Platz bei der diesjährigen deutschen Meisterschaft „macht mich unglaublich stolz und glücklich“. Besonders gefreut hat sie, dass unter den zehn besten Barkeepern sechs Frauen waren. Denn das Klischee, dass der Barkeeper ein klassischer Männerberuf ist, ist immer noch weit verbreitet. So hat sie einmal erlebt, dass ein Mann auf ihren Hinweis, sie sei die Barchefin, antwortete: „Dann trinke ich doch lieber ein Bier.“

Nächstes Ziel: die Weltmeisterschaft!

Pfeiffer lässt sich von solchen Aussagen aber nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Der Vizemeistertitel „spornt mich zu neuen Erfolgen an. Es wäre natürlich toll, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein“. Dafür müsste sie sich allerdings erst noch qualifizieren, da der deutsche Verband, die Barkeeper-Union, aus der weltweiten Organisation ausgetreten sei. Doch auch das sollte für die 29-Jährige, die schon viele Herausforderungen in ihrem Leben gemeistert hat, keine Hürde sein.

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