Transsexuell im Allgäu
02.10.2018 Land & Leute

Mutiges Bekenntnis: "Ich war ein Mädchen. Jetzt lebe ich als Mann."

Es ist noch nicht so lange her, da hieß "Caleb" noch "Franzi". Aber schon als Mädchen fühlte sie sich immer anders: nämlich als Junge. Heute lebt Caleb als junger Mann im Allgäu. In diesem Interview erzählt uns der Transsexuelle von seinem Lebensweg und den Steinen, die ihm mitunter in den Weg gelegt werden.

Laut einer Studie sind 0,13 % der deutschen Bevölkerung transsexuell - das entspricht etwa 100.000 Menschen. Eine dieser Personen ist Caleb. Vor fast drei Jahren hat sich der Allgäuer geoutet: Er fühlt sich als Mann. Seitdem hat sich in seinem Leben und dem Familienalltag viel geändert. Außer seine Sexualität - auf Männer steht er immer noch. Die Suche nach dem Richtigen erweist sich für ihn im Allgäu aber als recht schwierig. "Bei uns gibt es zwar auch queere Menschen. Aber viele trauen sich nicht, sich zu outen", erklärt er.

Wie würdest Du Dich bezeichnen?

Caleb: Als transsexuell. Obwohl mir eigentlich auch nur "trans" reichen würde.

Was waren so für Dich die ersten Anzeichen? Und wann hast Du bewusst den ersten Schritt in Richtung "Umwandlung" gemacht?

Caleb: Eigentlich seit ich denken kann. Das erste konkrete Anzeichen war in der Grundschule, als ich von irgendwem gefragt wurde, ob ich lieber ein Junge oder ein Mädchen sein wolle und ich mit "Ich will eher ein Junge sein" geantwortet hab. Im Endeffekt wusste ich es schon immer. Vor 2,5 Jahren hab ich dann endlich den Schritt gemacht und mir einen Therapeuten gesucht und mich bei jedem geoutet.

Wem hast Du‘s als erstes erzählt? Wie waren die Reaktionen?

Caleb: Meiner besten Freundin hab ich es als erstes gesagt. Sie hat sehr positiv reagiert. Es gab aber auch andere Reaktionen... Meine damalige Klassenlehrerin hat mich nicht wirklich ernst genommen und mich weiterhin mit falschem Namen und falschen Pronomen angesprochen. Ich durfte z.B. auch nicht beim Jungssport mitmachen. Mein nächster Klassenlehrer hat sich richtig für mich eingesetzt. Das machen mittlerweile die meisten. Meine Mutter hat gut reagiert und findet es auch gut, dass ich das alles mache, um glücklich zu sein/zu werden.

Die erste Reaktion von meinem Dad war "Was heißt das?". Nachdem ich es erklärt hab, war sein nächster Satz, dass er mich mit 18 rauswirft. Aber mittlerweile freundet er sich immer mehr mit dem Gedanken an, einen Sohn und eine Tochter zu haben, und nicht "nur" zwei Töchter. Meiner Schwester durfte ich's auch erst erklären. Aber sie hat mich gleich unterstützt und unseren Dad auch verbessert, wenn er die falschen Pronomen verwendet hat.

Weswegen hast Du Dich für den Namen Caleb entschieden?

Caleb: Ich hab ein paar meiner Freunde nach Namen gefragt, die zu mir passen könnten. Eine hat mir den Namen Caleb vorgeschlagen, den fand ich irgendwie cool.

Wie lief das ab mit Deinen Unterlagen, in Bezug auf Namen ändern, Perso und so?

Caleb: Meine Namensänderung hab ich seit ca. einem Jahr beantragt. Das zieht sich echt in die Länge. Im Moment besitze ich noch alle offiziellen Unterlagen mit meinem Geburtsnamen drauf, weil ich das leider erst alles ändern lassen darf, wenn das Gericht beschlossen hat, dass ich "wirklich trans bin".

Woran wird denn fest gemacht das Du "wirklich" trans bist?

Caleb: Ich musste von zwei unabhängigen Psychologen mir ein Gutachten ausstellen lassen. Die Psychologen wurden mir vom Gericht vorgeschrieben. Sie haben mir über ein paar Stunden hinweg Fragen gestellt. Zum Beispiel, wie ich rausgefunden hab, dass ich trans bin, etc.

Wusstest Du, dass die erste Geschlechts-OP bereits in den 30ern durchgeführt wurde? Der Film "The Danish Girl" erzählt die Geschichte von Einar Wegener, später Lili Elbe. Hier geht's zum Trailer.

Und wie liefen die Gespräche? Kannst Du da schon was sagen?

Caleb: Das erste, bei dem ich bis nach Würzburg fahren durfte, und auch das zweite, für das ich zweimal nach München musste, liefen echt gut. Am Ende haben mir die Psychologen gesagt, dass sie die Gutachten positiv formulieren werden, also dass ich die Namensänderung aus ihrer Sicht bewilligt bekommen kann.

Wie siehts bei Dir mit dem Punkt Operationen aus? Willst Du da was in die Richtung machen? 

Caleb: Ich will unbedingt eine Mastektomie machen lassen, also Brust-Entfernung. Bei dem Rest bin ich mir noch nicht zu 100% sicher. Aber ich bin jung und hab noch Zeit, mich zu entscheiden. Bei den Kosten bin ich auch überfragt, weil ich drauf hoffe, dass meine Krankenkasse das übernimmt.

Wenn Du mehr über den Hintergrund, die gesetzliche Lage oder allgemein Transsexualität erfahren möchtest, dann schau mal Hier vorbei.
Weitere Artikel