Kemptener macht Karriere
11.05.2018 Sehen & Hören

Mit "Bummel-Techno" auf der Überholspur:  Allgäuer DJ Luca Musto im Interview

Anfangs wurden Luca Musto (31) und seine Kumpel für ihre Musik nicht ernst genommen. Dass er irgendwann einmal weltweit auf verschiedenen Stages spielen würde, hätten sie vermutlich nicht gedacht. Der gebürtige Kemptener hat das geschafft, was sich viele Musiker wünschen. Er ist so erfolgreich mit seiner Musik, dass er davon leben und dabei die Welt bereisen kann. Wie er es soweit gebracht hat, liest Du hier.

Wer in die aktuelle EP "Parabel" von Luca Musto reinhört, möchte sich am liebsten sofort mit einem Cocktail in die nächste Strandbar setzen, den entspannten und unaufdringlichen "Bummel-Elektro"-Sound und das Leben genießen. Egal, ob Du jetzt House bzw. Techno-Liebhaber bist oder nicht. Seine neue Single mit dem Pariser Loewenthal sowie Mixtapes für die Blogs trndmusik.de und Deep House London erschienen erst kürzlich nach seinem Release auf dem Berliner Imprint "The Magic Movement" (welches auch auf Vinyl erschien).

Wusstest Du schon immer, dass Du später mal hauptberuflich Musik machen möchtest? 

Luca: Das wusste ich gar nicht. Ich wollte nie NUR Musik machen aber bin dann irgendwie doch reingerutscht. Mein Vater und mein Onkel, Toni Musto, sind schon immer sehr musikalisch gewesen.  Aber ich hab einen ganz normalem Beruf gelernt: IT-Systemelektroniker bei der Telekom in Kempten. Und als Kind wollte ich eigentlich Schauspieler werden - irgendwie typisch. 

Heute legst Du in vielen verschiedenen Ländern auf. Wie waren Deine "Musikanfänge"?

Luca: Mit 16 Jahren hab ich angefangen, selbst Musik zu produzieren. Das war dann gekoppelt mit heimlichen Jam-Sessions in irgendwelchen Kellern in Kempten, Würzburg oder Stuttgart. 2007 habe ich dann mit zwei Freunden, Anton und Stas, das Label "Notredame Records" gegründet. Mit diesem Label haben wir CDs, Mixtapes und Merchandise auf den Markt gebracht und sogar verschiedene Events organisiert. Die Konstellation hat sich mit den Jahren zwar aufgelöst, aber später haben Stas und ich uns wieder zusammengetan und das Projekt "Cheese n Onion" gegründet.

Ab wann und wieso hat sich Deine Musik von Hip-Hop-Beats zu "Slow-House" verändert? 

Luca: Letztendlich habe ich aus Hip-Hop heraus zu alternativer Musik gefunden und dann so lange an verschiedenen Sachen und Styles gearbeitet, bis ich das Richtige für mich gefunden habe. Und das war schließlich "entschleunigter House".

Wann hattest du Deinen "großen Durchbruch"?

Luca: Ich schätze, das war 2015. Mein Solo-Projekt wurde von Jahr zu Jahr gefragter - nach einem Artikel im französischen Musikblog „Delicieuse Musique“ durfte ich im Ritter Butzke in Berlin auflegen. Das damalige DJ-Set gibt es nach wie vor (wie zahlreiche weitere unter anderem für die WooMoon auf Ibiza oder dem KaterBlau in Berlin) zum Streamen auf Soundcloud. In Berlin nahm mich dann mein heutiger Manager aus Paris unter die Fittiche, wodurch ich mich voll und ganz aufs Musikmachen konzentrieren konnte. Bis heute. Danach folgten fast nahtlos Auftritte in Mykonos, London, Paris, Ibiza und Tel-Aviv.

Was hat Dich am meisten in Deinem heutigen Stil geprägt? 

Luca: Ich würde sagen das war Blues. Also Künstler wie Howlin Wolf und B.B. King. Als ich dann die Genres Funk, Soul und Indie entdeckt habe, war ich aus den Socken gerissen. Doch bis heute ist die Emotion, die mir Blues gibt, meine wohl prägendste Erfahrung mit Musik gewesen. 

Wie schwer ist die DJ-Szene für dich persönlich? In Berlin ist ja sicher jeder Zweite DJ…

Luca (lacht): Ich glaube sogar jeder - und jeder macht Musik. Letzteres finde ich sogar noch schlimmer, weil dadurch auch qualitativ fragwürdige Musik erscheint. Viele Leute wollen DJs sein, aber verstehen nicht, dass man eigentlich zuerst Musiker sein sollte bevor man sich hinstellt und denkt, man kann mit purem Auflegen erfolgreich werden - am liebsten über Nacht oder so schnell wie möglich. Doch Musik braucht ihre Zeit. Wer’s eilig hat und aus den falschen Gründen Musik macht, hat in dem Business nichts verloren. 

Das Musikbusiness ist das Schönste, allerdings auch wirklich das Härteste der Welt.
Luca Musto

Als DJ ist man doch sicherlich selbst nur am Feiern und Party machen oder?

Luca: Mit Sicherheit gibt es DJs, die auch in ihrer Freizeit nur abfeiern. Ich persönlich treib mich allerdings eher selten im Nachtleben rum. Ich versuche so gut es nur geht, gesund zu leben. Heißt Sport, gesunde Ernährung und vor allem "Nein" zu synthetischen Drogen. So kann ich meine Arbeit bewusster erleben und genießen.  Außerdem stecke ich auch viel Zeit in meine eigenen Musikproduktionen. Das Musikbusiness ist das Schönste, allerdings auch wirklich das härteste Geschäft der Welt. Es gibt viel zu viele Ablenkungsfaktoren.

Dein aktueller Alltag, wie sieht der aus?

Luca: Momentan schraube ich an meiner neuen EP und einigen Remixen. Ansonsten bin ich recht viel unterwegs (mittlerweile kann sich Luca zwölf Länder auf die Fahne schreiben - darunter die Arabischen Emirate, Mexiko, Israel und zahlreiche europäische Länder) und arbeite an neuen Kollaborationen mit Iorie und Coss. Vergangenes Wochenende gings für mich nach Istanbul für ein Open-Air und Mitte August komme ich sogar wieder nach Kempten, in die Heimat, zum spielen - am 17.08.2018 für die Cobra Cave im Projekt Sued. It's time for a change. 

Welche sind Deine persönlichen Lieblingskünstler was Musik angeht?

Luca: Ich hör, anders als man wahrscheinlich erwarten würde, wenig elektronische Musik.  Meine Top-Drei-Künstler sind Eric Bibb (Blues), DJ Harrison (HipHop/Instrumental) und L.A. Salami (Rock/Indie). Außerdem kann ich den Kemptenern einen weiteren Lokalmatadoren ans Herz legen mit den Namen Thallus - dope Beats sind bei ihm garantiert. 

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