Infotafel und mehr
20.02.2020 Kind & Kegel

Menschenaffe Udo: So lernen Allgäuer Schüler den Sensationsfund kennen

Udo in der Grundschule Pforzen
In der Grundschule Pforzen steht nun eine Infotafel, die „Danuvius guggenmosi“ präsentiert.
Die Kinder beweisen: Über den aufrecht gehenden Menschenaffen wissen sie mehr als so mancher Erwachsene...

Wer etwas über Menschenaffe Udo erfahren möchte, ist in der Grundschule Pforzen am richtigen Ort. Nicht nur, weil dort nun eine Infotafel steht, die sich dem aufrecht gehenden Ur-Primaten widmet. Sondern auch, weil man lauter kleine Udo-Experten trifft. Wo Forscher den Menschenaffen gefunden haben? Zig Finger schießen in der Schulaula in die Höhe. „In Pforzen“, antwortet Paulina. Wo genau, hakt Schulleiterin Sabine Böhlein nach. „In der Hammerschmiede.“ Und warum heißt Udo eigentlich Udo? „Als sein Kiefer gefunden wurde, lief ein Lied von Udo Lindenberg im Radio“, sagt Annalina. Das war im Mai 2016, als der Rockmusiker seinen 70. Geburtstag feierte.

Sichtlich beeindruckt von dem Wissen der Kinder, erklärt Biologe Peter Harsch: „Da kann ich mich wahrscheinlich gleich wieder hinhocken, ihr wisst ja mehr als ich.“ Er ist an diesem Vormittag in die Grundschule gekommen, um die Infotafel zu „Danuvius guggenmosi“ vorzustellen. Entworfen hat sie die Grafikerin Silke Gießmann, Harsch steuerte sein Fachwissen bei.

In der Aula klärt er die Grundschüler erst mal darüber auf, was es mit dem lateinischen Namen auf sich hat. „Danuvius“ ist ein römischer Flussgott und „guggenmosi“ erinnert an den 2018 verstorbenen Sigulf Guggenmos. „Er war ein Hobbyarchäologe, ist also immer mit Pickel und einer Schaufel rumgelaufen.“ Und hat 1972 angefangen, in der Tongrube Hammerschmiede nach Fossilien zu suchen.

Evolutionstheorie neu schreiben

„Udo konnte oben in den Bäumen klettern, aber auch in der Savanne rumlaufen“, schildert Harsch. Der Primat war möglicherweise der letzte gemeinsame Vorläufer von Mensch und heutigem Menschenaffen. Womöglich müsse man sogar die Evolutionstheorie wegen Udo neu schreiben, erklärt Bürgermeister Herbert Hofer den Kindern. „Dann taucht Pforzen darin auf.“ Als der Ort, an dem der aufrechte Gang erfunden wurde.

Wir sind froh, stolz und dankbar, dass Udo bei uns gefunden wurde.
Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer

Ob die Grundschüler auch wissen, wie alt Udo ist? Klar, diesmal antworten sie sogar mit einer Liedstrophe: „12 Millionen Jahre – so alt ist der Udo schon, in Pforzen ist er deshalb eine Riesen-Sensation.“ Damals war es im Allgäu deutlich wärmer als heute, im Schnitt um bis zu 14 Grad. Vor 11,6 Millionen Jahren glich die Landschaft damit mehr einer Savanne. All das steht auf der Infotafel, auf der auch das Bild einer Frau zu sehen ist. „Das ist Frau Böhme“, erläutert Harsch. „Sie hat die Fossilien von Udo gefunden. Anhand der wenigen Knochen können die Wissenschaftler sagen: So muss Udo ausgesehen haben.“

Die Forscher haben sogar herausgefunden, wie viel Udo gewogen hat und wie groß er war. Ob die Kinder größer oder kleiner als Udo sind und mehr auf die Waage bringen, probieren sie dann gleich selber aus.

Nach ihrem ersten Auftritt wird die Infotafel einen festen Platz im Foyer bekommen, während vor dem Gebäude bereits eine Udo-Skulptur die Kinder jeden Morgen begrüßt. Und wer weiß, vielleicht ist die Grundschule bald noch enger mit Udo verbunden. Bürgermeister Hofer kann sich zumindest vorstellen, sie irgendwann „Danuvius guggenmosi“-Grundschule zu nennen. Denn: „Wir sind froh, stolz und dankbar, dass Udo bei uns gefunden wurde.“

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