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29.01.2020 Wissen & Quizzen

Menschenaffe Udo: Sensationsfund aus dem Allgäu kommt ins Museum

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Menschenaffe Udo im Allgäu: Dieser Fund in der Nähe von Kaufbeuren war eine Sensation! Tübinger Forscher hatten Ende 2019 Knochen des ältesten bekannten Menschenaffen mit aufrechtem Gang entdeckt. Der hobbitgroße Udo gilt als fehlendes Bindeglied der menschlichen Evolution. Jetzt steht fest, was mit Udo passiert: Er zieht ins Museum ein, erstmals dreht sich eine Ausstellung in Tübingen um den Menschenaffen. Die Schau könnte aber auch bald ins Ostallgäu kommen. Mehr hier...

Eins ist schon seit Anfang November klar: Menschenaffe Udo ist ein Sensationsfund, immerhin stellt der 11,6 Millionen Jahre alte, aufrecht gehende Menschenaffe die Evolutionstheorie auf den Kopf.

Was dagegen bisher für Kopfzerbrechen sorgte, war die Frage: Wie sollen die Fossilien aus der Tongrube Hammerschmiede der Öffentlichkeit präsentiert werden? Das Museum der Universität Tübingen hat darauf nun eine Antwort gegeben. "Danuvius guggenmosi" wird erstmals ausgestellt, und zwar von Donnerstag an bis zum 31. Mai auf dem Schloss Hohentübingen.

Doch dabei soll es nicht bleiben: Womöglich ist die Schau mit dem Titel "Udo. Der erste Fußgänger" bald auch im Ostallgäu zu sehen.

"Udo. Der erste Fußgänger"

Wie es dazu kommt, erzählt Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer: Als er von der kurzfristig anberaumten Ausstellung in Tübingen erfuhr, habe er sich gleich erkundigt, ob Pforzen etwas Ähnliches oder sogar die gleiche Schau bekommen könnte. Die Antwort: "Das wäre kein Problem." Ein Angebot habe er bereits eingeholt, die Kosten lägen im fünfstelligen Bereich, auf jeden Fall über 15.000 Euro, schildert Hofer.

Neben seiner Hauptrolle in der Tübinger Ausstellung spielt Udo auch in einer TV-Doku eine tragende Rolle: „Europa – Wiege der Menschheit?“ kommt am 8. Februar um 21.40 Uhr auf Arte.

Vom ursprünglichen Plan, die Ausstellung in Pforzen fast zeitgleich mit der in Tübingen zu eröffnen, ist die Gemeinde jedoch abgewichen. Gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Arbeitskreises (AK) Hammerschmiede will sich Hofer die Ausstellung zur Eröffnung erst anschauen. Anschließend soll die Gruppe entscheiden, ob "Udo. Der erste Fußgänger" ins Ostallgäu kommt.

Keine echten Knochen

Der wissenschaftliche Einblick rund um Udo ist in drei Bereiche aufgeteilt: Ein Teil widmet sich "Danuvius guggenmosi" selbst, ein weiterer der Evolution des aufrechten Gangs und der dritte schließlich den Grabungen in der Hammerschmiede. Entstanden ist die Schau in enger Zusammenarbeit mit dem Team von Professorin Madelaine Böhme, Udos Entdeckerin. "Es gibt auch eine Skulptur von Udo, an der man sieht, wo die gefundenen Knochen im Skelett zu finden sind", erklärt Hofer.

Die echten Knochen auszustellen, sei dagegen kein Thema, sagt die Paläontologin Madelaine Böhme. Denn die Gefahr sei schlicht zu groß, dass die Fossilien beschädigt werden oder gar verschwinden könnten. Zudem bräuchten die Forscher die Funde im Labor, um weiter mit ihnen zu arbeiten. "Ein Laie erkennt den Unterschied aber gar nicht", sagt Böhme.

Wanderausstellung: Geht "Udo" auf Reise durch die Region?

Auch wenn noch nicht endgültig entschieden ist, ob die Schau ins Ostallgäu kommt, hat Bürgermeister Hofer schon konkrete Pläne mit ihr: "Wir wollen sie als Wanderausstellung gestalten." Nach der Eröffnung in Pforzen soll sie also auf eine Reise durch die Region gehen.

Bisher fehlt das regionale Bewusstsein der Politik, der Gedanke 'Wir alle sind Udo'.
Pforzens 2. Bürgermeister Josef Freuding zur gemeinsamen Finanzierung der Ausstellung

Was Hofer wieder zu den Kosten zurückkommen lässt: Er wünscht sich eine gemeinsame Trägerschaft der Wanderausstellung. Wer sich daran beteiligen soll? Die Gemeinden Pforzen, Rieden und Irsee, die Städte Kaufbeuren und Bad Wörishofen sowie der Landkreis Ostallgäu, entgegnet Zweiter Bürgermeister Josef Freuding. Und resümiert: "Wir brauchen die Solidarität der Region." Landrätin Maria Rita Zinnecker kann sich eine finanzielle Förderung durch den Landkreis sehr gut vorstellen. "Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn die Ausstellung bei uns im Ostallgäu zu sehen ist", sagt sie zudem.

Arbeitskreis Hammerschmiede fordert Begleitprogramm

Alles Pläne, die in Pforzen nicht unkommentiert bleiben. Auch beim AK Hammerschmiede dreht sich die Diskussion gerade vor allem um die Ausstellung. "Momentan wäre das ein Anfang", sagt etwa Günter Wolf. Viele Alternativen gebe es gerade ja nicht.

Und doch zeigt sich der AK nicht gänzlich zufrieden. "Ohne Begleitprogramm wird die Ausstellung nicht funktionieren", betont Freuding. Insbesondere da die Schau an sich relativ klein ist, der Besucher innerhalb kurzer Zeit alles angeschaut habe.

"Es ist unglaublich, wie wenig bekannt Udo bisher ist", sagt AK-Mitglied Klaus Schönberger. Das kann Wolf bestätigen: Rund um Pforzen kenne man den Menschenaffen, aber in Landsberg sei er vielen beispielsweise kein Begriff. Umso wichtiger ist es der Gruppe, dass die Pläne für ein Museum oder Besucherzentrum Fahrt aufnehmen - und zwar mit innovativen Ideen, andere archäologische oder paläontologische Museen zeigten bereits, was möglich ist.

Langfristig gesehen sei das auch das Ziel, sagt Bürgermeister Hofer. "Aber das ist jetzt nichts, was von heute auf morgen geht." 

Die Ausstellung "Udo. Der erste Fußgänger" ist von Donnerstag, 30. Januar, bis Sonntag, 31. Mai, im Schloss Hohentübingen zu sehen. Internet: www.unimuseum.uni-tuebingen.de
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