Essen unterm Kirchendach
14.02.2020 Land & Leute

Memminger Vesperkirche mit enormem Zulauf: Letztes Aktions-Wochenende beginnt

Vesperkirche in Memmingen
Noch bis Sonntag werden alle Menschen in der Memminger Christuskirche unter dem Motto: "Jeder is(s)t hier richtig!" herzlich willkommen geheißen. Hier kommen Menschen jeden Alters, aller Lebensbereiche und Konfessionen unter dem Dach der Kirche im Osten der Stadt zusammen, um gemeinsam zu speisen und Gemeinschaft zu erleben.

An den Tischen mit den grünen Tischdecken und dem kleinen blumigen Frühlingsgruß finden insgesamt 160 Gäste Platz. Der symbolische Wert von zwei Euro für ein Mittagessen - inklusive eines Getränks und eines Vesperpakets für zuhause - bringt so Menschen aller sozialer Schichten in der Memminger Christurkirche (Dunantstraße 8)  zusammen. "Die Resonanz der Vesperkirchen-Besucher ist bislang enorm. Was uns sehr freut und unser Projekt mit Leben füllt, aber uns auch vor neue Herausforderungen stellt", berichtet Projektorganisatorin Manuela Walcher.

Die Vesperkirche finanziert sich vollständig aus Geld- und Sachspenden. Zu diesem Zeitpunkt rechnet Walcher mit einem finanziellen Defizit von etwa 15.000 Euro am Ende der Aktion. Grund dafür sei der unerwartete Zulauf, welcher der ersten Vesperkirche in Südbayern bislang zuteilwurde. Der machte einen Zukauf von Lebensmitteln und verschiedene logistische Änderungen notwendig.

Die kalkulierte Zahl von 300 Essen pro Tag wurde dabei fast verdoppelt - wie auch die Vesperpakete, die daher mit zusätzlichen Lebensmitteln bestückt werden mussten. "Deswegen brauchten wir mehr von allem, das wir zukaufen und auch leihen mussten - beispielsweise Teller und Besteck", betont Margit Pschorn, die sich im Projekt um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

"Alle an einen Tisch" zum Mittagessen heißt es in der Vesperkirche am Samstag und Sonntag (15. und 16. Februar) jeweils von 11:30 – 13:30 Uhr (2 Euro inkl. Getränk & Vesperpaket). Die Kirche hat ab 11 Uhr geöffnet. Zudem gibt es tägliche Andachten und den Gottesdienst am Sonntag.  

Zudem fiel der angesetzte Auftritt der À-cappella-Gruppe "Viva Voce" am 9. Februar aufgrund von Krankheit ersatzlos aus. Auf dem Konzert sollten bei freiem Eintritt eigentlich weitere Spenden gesammelt werden. "Die anderen Kulturangebote für Kinder und Erwachsene waren mit durchschnittlich 250 Besuchern sehr gut besucht", ergänzt Walcher jedoch.

Das gilt auch für die Serviceangebote, die im Rahmen der Vesperkirche stattfinden. "Unsere Friseure hatten viel zu tun und auch in der Nähstube war einiges los", erzählt Walcher weiter. "Nicht nur die Besucherzahl ist gewaltig, auch die Anzahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ist grandios. 300 sind bislang registriert", berichtet Diakonin Sabrina Schade. So bewältigen viele helfende Hände im Vor- und Hintergrund den täglichen Ansturm während der Mittagszeit.

Eishockey-Spieler des ECDC Memmingen helfen mit

Jeder Ehrenamtliche bringt sich dabei so ein, wie er kann. "Es hat sich zum Beispiel eine Gruppe von jungen Müttern gebildet, die am Vormittag, während der Nachwuchs in der Kinderecke spielt, das Besteck in Servietten wickelt", erzählt Walcher. Solidarität erfährt das Projekt von vielen Seiten: Wer würde denn schon damit rechnen, dass so coole Jungs wie die Spieler des ECDC Memmingen bei der Vesperkirche mithelfen? Die Sportler zeigten jedoch, dass sie mit der Schöpfkelle genau so souverän hantieren können wie mit dem Eishockeyschläger.

Thomas Klöber, der von allen nur "Wurzeltommy" genannt wird, und Gisela Gebhart kommen jeden Tag in die Kirche. "Bei der Vesperkirche habe ich bereits meinen Stammplatz gefunden", sagt die 84-Jährige. Für die alleinstehende Witwe ist das Angebot der Vesperkirche mehr, als in Gesellschaft zu essen. "So kommt man wieder mit Menschen in Kontakt und ist nicht allein", sagt Gebhart weiter. Thomas Klöber kommt schon weit vor der Mittagszeit. "Ich lese hier die Memminger Zeitung und trinke einen Kaffee. Ich fühle mich wohl, weil alle so freundlich sind", sagt er.

"Das Projekt verändert auch die Stadtgemeinschaft"

Um das gute Gefühl, an einem Tisch zusammenzukommen, geht es: "Das Projekt verändert auch eine Stadtgemeinschaft", meint Walcher und berichtet von ihrer ganz persönlichen Erfahrung. "Mich grüßen jetzt Menschen, denen man so vielleicht nie begegnet wäre und die sich freuen, mich zu kennen".

Diakonin Sabrina Schade gefällt genau diese bunte Vielfalt, die über die Kirche hinaus Menschen verbindet. Die Vesperkirche gibt Zuwendung - und braucht auch finanzielle Zuwendung in Form von Spenden. Am Ende des Projekts werden die Verantwortlichen dann entscheiden, ob die Vesperkirche erneut in Memmingen stattfinden wird.

Wer die Vesperkirche unterstützen will, findet weitere Infos unter vesperkirche-memmingen.de
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