Faschingszeit = Grippezeit
08.01.2020 Wissen & Quizzen

Mediziner schlägt Alarm: Lassen sich zu wenige Allgäuer gegen Grippe impfen?

112011911
Hatschiiii ... Tschuldigung, jetzt aber: Es ist Grippezeit im Allgäu - und viele Ärzte in der Region raten wie jedes Jahr dringend zur Grippeschutz-Impfung. Aber: Ein Mediziner will festgestellt haben, dass die Allgäuer große Impf-Muffel zu sein scheinen. Warum eine Impfung laut den Ärzten Sinn macht und weshalb man sie gerade jetzt noch machen lassen sollte, erfährst Du hier.

Es ist höchste Zeit, alle Jahre wieder rollt einige Zeit nach dem Jahreswechsel eine Grippewelle an: Hausärzte raten auch Patienten, die möglicherweise mit ganz anderen Beschwerden in die Sprechstunden kommen, zur Schutzimpfung. Der Sulzberger Mediziner Dr. Mirco Böhme spritzt pro Jahr etwa 600 Impfdosen, sein Kemptener Kollege Dr. Martin Müller über 400. Das erscheint viel, doch auch beim Grippeschutz ist es wie bei anderen Impfungen: Das Thema polarisiert, die einen folgen dankbar der Empfehlung des Arztes ihres Vertrauens, andere wollen nichts davon wissen, etwas in den Körper gespritzt zu bekommen.

„Hier haben wir mit die schlechteste Impfquote in ganz Deutschland, sie ist ähnlich wie in Berlin-Kreuzberg“, sagt Dr. Böhme.

Der Mediziner, der im Hausärzteverband aktiv ist, hat wenig Verständnis für die Zurückhaltung: „Uns geht es zu gut in Deutschland, wir kennen die Erkrankung kaum. Daher haben wir das Gefühl für den Wert der Impfung verloren.“ Es gehe nicht um den Schutz vor einer normalen Erkältung, sondern um eine schwere Erkrankung mit der Virusgrippe.

Hier haben wir mit die schlechteste Impfquote in ganz Deutschland, sie ist ähnlich wie in Berlin-Kreuzberg.
Dr. Mirco Böhme aus Sulzberg

Deutschlandweit sterben alljährlich Menschen daran, sagt Dr. Müller. Insbesondere Menschen mit geschwächten Immunsystem sollten sich spritzen lassen. Rheuma- und Lungenkranke oder auch Menschen, die regelmäßig Cortison einnehmen. „Die Impfung ist gut verträglich“, versichert er.

Vor zwei Jahren erkrankten besonders viele Menschen an der Virusgrippe. Anders als in anderen Ländern deckte die Impfung in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt lediglich drei weltweit grassierende Virenstämme ab. Ausgerechnet ein Vierter verbreitete sich allerdings auch im Allgäu.

Inzwischen wird auch hierzulande ein Vierfach-Schutz gespritzt. Alljährlich wird erforscht, welche Virenvarianten gerade grassieren, erklärt Dr. Böhme. Auf dieser Basis wird der Impfstoff für das nächste Jahr zusammengestellt. Herstellerfirmen gibt es nur einige. Diese produzieren im Voraus die mutmaßlich notwendige Menge. In Bayern müssen die Ärzte vorab bei Apotheken die Impfspritzen vorbestellen.

Der Waltenhofener Apotheker Ludwig Pfefferle versorgt Ärzte alljährlich mit über 1.000 Einzeldosen. Er weist auf mehrere Probleme hin: Wie inzwischen bei anderen Medikamenten auch kann es sein, dass Grippeschutzimpfungen plötzlich nicht mehr verfügbar sind. Das Mittel könne nicht beliebig nachproduziert werden. Und: „Ärzte bestellen vorsichtiger als früher.“ Sollten nämlich Impfspritzen übrig bleiben, fordern manche Krankenkassen von den Medizinern, den Impfstoff aus der Praxiskasse zu zahlen.

Dr. Müller hat im Herbst begonnen, so viele Patienten wie möglich zu impfen. „Man kann das jederzeit machen, bis sich der Schutz aufbaut, dauert es aber zwei, drei Wochen“. Der Höhepunkt der Grippewelle, sagt er aus Erfahrung, „ist während des Faschings, wenn die Leut´ aufeinanderhängen“. Welcher Virenstamm heuer die Menschen erkranken lassen wird, weiß niemand. Selbst wenn es keiner der vier in der aktuellen Impfung vertretenen ist, tut die Spritze nach Worten des Mediziners ihren Dienst: Die Erkrankung verlaufe in der Regel zumindest nicht so schwer wie ohne Schutz.

Weitere Artikel