Allgäuer Original
29.11.2019 Land & Leute

Max Enzensberger wird 100: Bis vor zwei Jahren fuhr er noch schwarze Pisten hinunter!

Früher war Max Enzensberger aus Sonthofen einer der besten Kletterer. Mit 98 Jahren ist er noch Ski gefahren. Gearbeitet hat er als Holzbildhauer und Schildermaler. Jetzt greift er nur noch selten zum Schnitzmesser. Hier erzählt das Allgäuer Original von seinem bewegten Leben, das ihn auf einige 5.000er geführt hat - und verrät sein Rezept für ein langes Leben...

Einer der ältesten Oberallgäuer wird kommenden Montag 100 Jahre alt: Max Enzensberger in Sonthofen. Wenige Tage vor dem Jubiläum treffen wir ihn seiner Werkstatt. Es riecht nach Farben und nach Terpentin. An den Wänden hängen Schützenscheiben, die Enzensberger geschnitzt hat. Einige sind bemalt, andere noch nicht. Auf der Werkbank liegen angefangene Schnitzereien. Ein kleines Kruzifix, eine Jesus-Figur.

Ebenfalls zu Besuch bei dem rüstigen Senior ist Udo Zehetleitner, 80-jähriger Bergführer aus Burgberg. Früher waren die beiden viel unterwegs. Zum Trekken sind sie nach Nepal gefahren, nach Alaska und Neuseeland. Mit 72 Jahren hat Max Enzensberger noch einen 5.000er bestiegen.

Ein Glas Wein gehört dazu

Auf dem Tisch steht eine Flasche Trollinger. Udo und Max gönnen sich immer ein Glas Rotwein, wenn sie sich treffen. So wie früher, als sie noch zusammen Ski gefahren sind. Bis vor zwei Jahren ist Max Enzensberger sogar schwarze Pisten hinunter gekommen. Beispielsweise den Gipfelhang am Nebelhorn. Jetzt hat er die Bretter in die Ecke gestellt.

Max Enzenberger erzählt gerne von früher. Da sei er ein sehr guter Bergsteiger gewesen, sagte seine Tochter, die 72 Jahre alte Lisa Enzensberger. Sogar Erstbegehungen hat er gemacht. Die „piepsige Stimme“ habe er schon lange, erzählt der Senior, der jünger aussieht als er ist und lacht verschmitzt.
Seine hohe, helle Stimme ist Folge einer Kriegsverletzung. Es war 1941, als den Soldaten Enzensberger in Jugoslawien ein Schuss in den Hals traf und die Stimmbänder zerriss. Der 99-Jährige lacht: „Der Arzt sagte, unter Tausend würde mit einer solchen Verletzung wohl nur einer durchkommen.“ Er kam durch. Er hat den Krieg überlebt, obwohl ihm 1944 auf dem Rückzug aus Russland auch noch in den Oberschenkel geschossen wurde.

Der Arzt sagte, unter Tausend würde mit einer solchen Verletzung wohl nur einer durchkommen.
Max Enzensberger über seine Kriegsverletzung

Nach dem Krieg meldete der gelernte Maler sein Schnitzerhandwerk an und nannte sich Schriftenmaler und Bildschnitzer. Viele Omnibusse im Allgäu hat er beschriftet und noch mehr Schützenscheiben geschnitzt und bemalt. Und zwischendurch hat es ihn immer wieder in die Berge gezogen. Zehetleitner erzählt immer wieder von der Madonna-Ostwand an der Fuchskarspitze, von Widderstein und Trettach. Oder von der Gelben Wand hoch über dem Prinz-Luitpold-Haus. Die Allgäuer Berge hatten es ihm angetan, auch wenn er jetzt nicht mehr hinauf kommt. Doch Freund Udo nimmt ihn ab und an im Auto mit, fährt ihn zum „Alpenblick“ am Grünten, um das Bergpanorama genießen zu können.

Jeden Freitag fahren Zehetleitner und Enzensberger außerdem zum Weißwurstessen. Freitags abends geht der Senior regelmäßig zum Schießen. Ja, er sei immer ein guter Schütze gewesen, sagt er. Schießen mache ihm heute noch viel Spaß. Und er ist im Schützenverein natürlich auch deshalb gern gesehen, weil er die schönsten Schützentafeln fertigte. Bei der Feuerwehr ist er Ehrenmitglied.

Riesige Holzkuh geschnitzt

Sein ganz großes Stück hatte Enzensberger mit 82 Jahren geschnitzt. Da fertigte er für den Fischinger Theo Pinn eine große Holzkuh in Originalgröße. Einen riesigen Holzblock musste er zuerst mit Kettensäge, Stemmeisen, Hobel und Fräse bearbeiten. Erst dann griff er zum Schnitzmesser. Und kam mit seiner viel beachteten Holzkuh sogar bundesweit in die Schlagzeilen.

Seit Enzensbergers Frau vor sieben Jahren gestorben ist, kümmert sich Tochter Lisa um ihren Vater. Und sie wird am Montag dann auch die Gäste begrüßen und bewirten. Viel vorbereiten will Enzensberger für einen 100. Geburtstag nicht, sagt er. Er werde den Tisch aufräumen und „ein paar Fläschle Wein herstellen“. Er möchte nicht zu viel Trubel um seine Person. Aber auch sein 72 Jahre alter Sohn – er ist Architekt in Karlsruhe – wird zum Jubiläum kommen.

Wie man so gesund so alt wird? Enzensberger lacht. „Jeden Tag ein Glas Rotwein und immer etwas machen“. Sport sei wichtig, aber man solle es auch nicht übertreiben, rät er. Und dann träumt er wieder vom Skifahren, denkt an alte Zeiten und sagt seinem Freund Udo: „Bald geht´s wieder los.“

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