"Kitchen Impossible"
11.03.2019 Land & Leute

Mälzer in Scheidegg: So erlebte Hirschen-Chef Markus Stöckeler die Krautkrapfen-Blamage

"Wenn du die Gerichte einem Preiß servierst, wäre der zufrieden. Für einen Einheimischen wäre es wohl nicht ganz so super", urteilt Markus Stöckeler. Der Chef im Gasthof "Zum Hirschen" hatte Tim Mälzer die Allgäuer Klassiker "Krautkrapfen mit Kässpätzle" als Aufgabe vorgekocht. Der sonst so selbstsichere TV-Koch Mälzer kam in der gestrigen "Kitchen Impossible"-Folge allerdings nicht an das Original heran (Krautkrapfen sollten nicht 'knusprig' sein...). Warum er sich so schwer tat, das Telefon im Hirschen seit Sonntag nicht mehr still steht und wieso das Hirschen-Team extra nach Hamburg eingeladen wurde, erfährst Du bei uns.

"Es ist der Wahnsinn", sagt Markus Stöckeler. Seit der Ausstrahlung von "Kitchen Impossible" kann sich der Gastwirt aus Scheidegg vor Anfragen kaum retten. Das Telefon klingelt ständig, per E-Mail gehen haufenweise Buchungen für das Hotel ein – und Anfragen von Fernsehzuschauern, ob sie die Rezepte für die Kässpätzle und die Krautkrapfen haben dürfen, die TV-Koch Tim Mälzer nachgekocht hat. Oder besser gesagt: versucht hat nachzukochen. Denn so richtig gelungen sind dem 48-jährigen Hamburger die Allgäuer Spezialitäten nicht. Er bekam von der Jury nur 5,8 von 10 möglichen Punkten. "Wenn du die Gerichte einem Preiß servierst, wäre der zufrieden. Für einen Einheimischen wäre es wohl nicht ganz so super", urteilt Markus Stöckeler. 

Bei der TV-Sendung "Kitchen Impossible" tritt Tim Mälzer gegen andere Küchenprofis an. Sie müssen in verschiedenen Regionen ihnen unbekannte Gerichte ohne Rezept nachkochen. Bei der vergangenen Folge musste sich der 48-Jährige gegen Max Strohe beweisen - was ihm um ein Haar nicht gelang.

Am Abend des Drehtages war der Hirschen voll. Stöckeler hatte Freunde, Verwandte und Stammgäste eingeladen. Eingebunden war das ganze Hirschen-Team. "Sie haben einen super Job gemacht", sagt Stöckeler über seine Mitarbeiter. Für seine Köche war das Gastspiel von Mälzer ein Erlebnis. "Die Chance, so etwas direkt mitzuerleben, bekommst Du woanders nicht", sagt Martin "Zotti" Schwärzler.

Die Dreharbeiten für "Kitchen Impossible" im Herbst waren eigentlich streng geheim. Natürlich ist hier und da aber dennoch etwas durchgesickert. Und so dürften etliche Westallgäuer am Sonntagabend den Fernsehsender VOX eingeschaltet haben. Deutschlandweit waren es 1,84 Millionen Zuschauer, ein Marktanteil von 13,3 Prozent.

Auch im Gasthaus Zum Hirschen lief die Sendung. Etwa 60 Mitarbeiter, Verwandte, Freunde und an der Aufzeichnung Beteiligte haben auf einer Leinwand zusammen das mehr als dreistündige Kochduell angeschaut, das sich Mälzer mit seinem Berliner Kollegen Max Strohe geliefert hat. "Es ist gut rübergekommen und war sehr unterhaltsam", sagt Stöckeler, der im Beitrag mehrfach zu Wort kam. Er erzählte von der langen Familientradition des "Hirschen" und verriet den Zuschauern, wie die beiden Gerichte wirklich hergestellt werden.

Der 48-Jährige Tim Mälzer wusste – wie bei "Kitchen Impossible" üblich – nicht, was ihn in Scheidegg erwarten würde. Dort wartete eine schwarze Box mit den Gerichten, die er tags darauf nachkochen sollte. Es waren Allgäuer Spezialitäten, die der Scheidegger Koch vorgeschlagen hatte. Die Zutaten musste sich Mälzer vor Ort selber besorgen, was ihn unter anderem in die Sennerei Böserscheidegg führte.

"Ich verstehe das Gericht nicht" - Tim Mälzer über Krautkrapfen und Kässpätzle

Der TV-Koch tat sich schwer. "Ich verstehe das Gericht nicht", sagte er eingangs. Das sei ihm das erste Mal so gegangen – und das in der 50. Sendung. Der sonst so selbstbewusste Fernsehkoch dachte eigentlich, die Aufgabe sei einfach, nachdem er die Kässpätzle und die Krautkrapfen probiert hatte. Es wisse nicht, was das Problem sei. Hinterher musste er allerdings gestehen: "Das war eine Blaupause für Kitchen Impossible. Die kulinarische Herausforderung beginnt im Kleinen." Und an den Kleinigkeiten hatte er sich die Zähne ausgebissen.

Die Duellanten setzen sich in der Sendung Gerichte aus aller Welt vor, die der andere möglichst nah am Original nachkochen muss, ohne das Rezept zu kennen. Das gelang Mälzer nur bedingt. "Die Kässpätzle hat er dann doch gut hinbekommen", meinte Stöckeler. Allerdings gelang dem TV-Koch der Teig nicht so gut, wie es die Stammgäste im "Hirschen" gewohnt sind. Obwohl er die Zutaten vorab richtig eingekauft hatte. Und an den Krautkrapfen scheiterte Mälzer fast komplett. Beim ersten Versuch gab er sie ohne Flüssigkeit in den Ofen, sodass sie viel zu hart waren. Der als Überraschungsgast hinzugekommene Schweizer Koch Andreas Caminada – einer der Besten seines Fachs in Europa – gab ihm zwar noch den entscheidenden Tipp und korrigierte ihn, doch auch im zweiten Anlauf machte Mälzer einen Fehler: Er schob die Krautkrapfen nur für 20 Minuten in den Ofen. Normalerweise brauchen sie eineinhalb Stunden. 

"Vom Handwerklichen sind die Krautkrapfen die größte Herausforderung der Allgäuer Küche", findet Stöckeler. Deswegen zollt ihm Markus Stöckeler vollsten Respekt: "In einer fremden Küche etwas kochen, von dem du keine Ahnung hast: Das ist Wahnsinn. Da musst du erst mal hinstehen." Zumal es bei "Kitchen Impossible" keine gestellten Szenen gibt. Zwei Kameras liefen die ganze Zeit durch, erzählt Stöckeler, die Szenen wurden später zusammengeschnitten.

Bewertet wurde das Ergebnis von einer zehnköpfgen Jury, die Stöckeler zusammengestellt hatte, darunter sein Sohn Yannick, der selbst schon als Koch in Vorarlberg die ersten Preise eingeheimst hat. Irma Hartmann, die über 44 Jahre im "Hirschen" gekocht hat. Und der Künstler Max Schmelcher. Sie vergaben 5,8 Punkten. Mehr als Stöckeler gegeben hätte (4,5) und weniger als der Hamburger nach eigenen Angaben im Schnitt holt (7,2).

Unterm Strich hat Mälzer am Sonntagabend das Duell gegen Strohe knapp mit 11,0 zu 11,2 verloren. Mälzer hatte außerdem auf Kreta einen landestypisches Bohnengericht nachkochen müssen, Strohe sich in Aserbaidschan und Großbritannien kulinarisch beweisen.

Der Drehtag blieb im Übrigen nicht der einzige Kontakt zu Mälzer. Der Fernsehkoch hat das Hirschen-Team in sein Hamburger Restaurant eingeladen, Fünf-Gänge-Menü inklusive. Dabei stellte sich Mälzer auch selber an den Herd und bereitete den Gästen Hummer-Ravioli à la minute zu. Und: Niklas Kleiber, Jungkoch im Hirschen, bekommt bei einem Praktikum die Chance, in die Küche von Mälzer hineinzuschnuppern.

Kitchen Impossible
Die Kochshow des Fernsehsenders Vox ist im Dezember 2014 zum ersten Mal ausgestrahlt worden.
In der Show treten zwei Spitzenköche gegeneinander an. Ziel ist es, in zwei Ländern einheimische Spezialitäten eines Kochs nachzukochen. Stammgäste, Freunde oder Familienmitglieder des einheimischen Kochs bewerten, wie nahe das Gericht des Spitzenkochs dem Original kommt.
In Scheidegg wurde der 50. Beitrag für "Kitchen Impossible" gedreht. Deshalb hatte Tim Mälzer im Hirschen einen europäischen Spitzenkoch an seiner Seite - Andreas Caminada.
Tim Mälzer
Der 48-Jährige ist Fernsehkoch, Kochbuchautor und Unternehmer.
Bekannt geworden ist er durch die Vox-Kochsendung "Schmeckt nicht, gibt‘s nicht". Mälzer ist in den meisten Sendungen von Kitchen Impossible als Spitzenkoch gesetzt.
Zum Hirschen
Die Produktionsfirma von "Kitchen Impossible" hatte sich im April 2018 bei Markus Stöckeler erkundigt, ob er Interesse an einer Teilnahme habe. Anschließend musste sich der Hirschen bewerben.
Max Strohe, Gegner von Mälzer in der Sendung, wählte den Hirschen schließlich aus. Gedreht wurde im Juli.
Das Scheidegger Gasthaus wurde vor über 300 Jahren gegründet, es gehört seit 1932 der Familie Stöckeler.
Der Guide Michelin hat die Küche von Markus Stöckeler mit einem Teller ausgezeichnet und bescheinigt ihr damit überdurchschnittliche Qualität.
Im Spätsommer 2015 wurde das Haus um ein Hotel erweitert. 

Weitere Artikel