Allgäuer Lawinentag 26.1.
13.01.2020 Wissen & Quizzen

Lawinengefahr in den Allgäuer Alpen: Ein Bergführer verrät, was Du trotz wenig Schnee wissen musst

Schnee gibt es in diesem Allgäuer Winter bislang kaum. Aber: Bergführer Bernd Zehetleitner warnt alle Skitourengeher und Wintersportler: Nicht die Schneehöhe, sondern die Beschaffenheit der Schneedecke ist entscheidend für Lawinenabgänge. Deshalb findet am 26. Januar auch heuer wieder der 23. Allgäuer Lawinentag im Nebelhorn-Skigebiet statt. Erfahre hier, worum es dabei geht und wie sich Wintersportler verhalten sollten.

Für wen ist eine Teilnahme am Lawinentag interessant?

Zehetleitner: Der Lawinentag richtet sich an alle Skifahrer, Tourengeher, Snowboarder, Schneeschuhwanderer und Winterwanderer, die außerhalb der gesicherten Skipisten unterwegs sind. Durch die sehr breiten Themenschwerpunkte rund um Lawinen und Lawinenrettung ist für jeden etwas dabei.

Wie oft sollte man mit der Sicherheitsausrüstung üben, um sie im Ernstfall benutzen zu können?

Zehetleitner: Im Prinzip so oft wie möglich. Bei einer Lawinenrettung stehen alle Beteiligten unter größtmöglichem Stress mit maximalster Pulsfrequenz. Jeder kleine Fehler kann hier fatale Auswirkungen haben. Daher ist es wirklich enorm wichtig, die Ausrüstung durch Ausbildung und Training am besten routiniert einsetzen zu können.

Die meisten Leute sind ja gut ausgerüstet abseits der gesicherten Pisten unterwegs. Dementsprechend müsste die Zahl der Lawinenopfer ja abgenommen haben.

Zehetleitner: Wie eben festgestellt, ist das Besitzen und Mitführen der entsprechenden Ausrüstung nur ein Teil des Risikomanagements im Tiefschnee. Auswertungen zeigen, dass etwa die Hälfte aller Personen, die gut ausgerüstet unterwegs sind, nicht in der Lage sind, einen Verschütteten effektiv zu suchen. Es ist erschreckend: Circa 90 Prozent sind nicht in der Lage, den Verschütteten schnell auszuschaufeln. Fatal ist zudem der gängige Trugschluss, dass man beispielsweise mit Lawinenairbags, welche die Überlebenschancen in einer Lawine nur um zehn Prozent erhöhen, ein viel größeres Risiko eingehen kann. Obwohl dies jedem klar sein sollte, ist dies gängige Praxis und häufig sind Wintersportler mit Airbag wesentlich gefährlicher unterwegs. Im Durchschnitt bleibt die jährliche Anzahl der Lawinenopfer in den Alpen in etwa gleich. Ein Rückgang kann wohl nur durch eine solide Ausbildung und Wissen in der Prävention herbeigeführt werden.

Derzeit liegt ja – abgesehen von den wirklichen Hochlagen – noch relativ wenig Schnee. Ist die Lawinengefahr deshalb auch eher gering?

Zehetleitner: Entscheidend für die Lawinengefahr ist weniger die Schneehöhe als primär der Schichtaufbau in der Schneedecke. In der Vergangenheit gab es sogar oftmals in schneearmen Wintern mehr Lawinenunfälle als in schneereichen.

Skitouren auf Pisten sind groß in Mode. Sollte man dabei auch die Sicherheitsausrüstung – Lawinen-Verschütteten (LVS)-Suchgerät, Schaufel und Sonde – dabei haben?

Zehetleitner: Meiner Meinung sollte man hier die Kirche im Dorf lassen. Bei einem Aufstieg über eine Piste ist das potenzielle Kollisionsrisiko mit einem abfahrenden Skifahrer wohl um ein vielfaches höher als das Lawinenrisiko. Hier machen Helm und Rückenprotektor wesentlich mehr Sinn als LVS-Gerät und die übrige Ausrüstung. Vorausgesetzt, man fährt wieder über die Piste ab. Dennoch können Lawinen auch auf gesicherten Skipisten nicht zu hundert Prozent ausgeschlossen werden, wie dieser Winter schon mehrmals gezeigt hat. Daher ist es nie ein Nachteil, immer auf der Piste oder Tour mit einem Recco-Reflektor ausgerüstet zu sein. Definitiv falsch ist die Einstellung, immer mit vollster Sicherheitsausrüstung unterwegs zu sein, weil man keine Ahnung hat. 

Lawinentag: Die Veranstaltung, die am 26. Januar ab 9 Uhr stattfindet, lehrt Grundlagen über das richtige Verhalten bei Lawinen. Informationen im Internet: www.lawinentag.de
Weitere Artikel