Themenpfad mit Videos
12.04.2019 Wissen & Quizzen

Kultiger Zug: So soll die Geschichte des "Isny Bähnles" aufleben

Einst war sie ein Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung der Region: die ehemalige Bahntrasse zwischen Kempten und Isny, im Volksmund als "Isny Bähnle" oder „Kempter Zügle“ bekannt. Dass an dem heutigen Geh- und Radweg früher Züge fuhren, wissen viele Jüngere aber nicht mehr. "Unendlich schade", findet Wiggensbachs Bürgermeister Thomas Eigstler. Er will die Erinnerungen an die 110 Jahre alte Trasse mit einem Themenpfad aufleben lassen - mit Infotafen, interaktiven Elementen und alten Videoaufnahmen. Einen ersten Blick darauf kannst Du hier erhaschen!

Vor fast 35 Jahren, am 29. September 1984, fuhr das Isny-Bähnle zum letzten Mal. Heute verläuft entlang der Trasse ein Geh- und Radweg. Die alten Stationshäuschen erinnern mancherorts noch an die Vergangenheit. „Ich habe es unendlich schade gefunden, dass die heutige Generation nichts mehr davon weiß“, sagt Thomas Eigstler, Bürgermeister von Wiggensbach. Er hatte die Idee, die alte Trasse und damit auch den Geh- und Radweg zum Themenpfad über die Geschichte des Bähnles aufzuwerten. Im Herbst könnten schon erste Infotafeln aufgestellt werden.

Das Isny-Bähnle sei „wie ein Band zwischen uns“, sagt Eigstler. Zwischen den Gemeinden. Zwischen den Menschen. Das ist für den Bürgermeister das Besondere an der Strecke. Hinzu komme die reizvolle Landschaft drumherum, die die Menschen ins „Kempter Zügle“, wie die Isnyer sagen, lockte.

Sieh hier Super-8-Filmaufnahmen des Ermengersters Georg Zwing vom "Bähnle":

Vor 110 Jahren, als die Trasse nach zwei Jahren Bauzeit am 14. Oktober feierlich eröffnet wurde, sah man das genauso. Das „Tag- und Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu“ bezeichnete die Bahnstrecke tags darauf als „Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung eines schönen und fruchtbaren Landstriches“ – nachzulesen in Erhard Otts Buch „Das Isnyer Bähnle“.

Seine Bewohner, die sich mühsam behelfen mussten mit Wagen und Schlitten, wollten angeschlossen sein an den Weltverkehr.
So schrieb das Tag- und Anzeigeblatt für Kempten und das Allgäu vor 110 Jahren

Weiter heißt es in der Zeitung: „Seine Bewohner, die sich mühsam behelfen mussten mit Wagen und Schlitten, wollten angeschlossen sein an den Weltverkehr.“

Übrigens bestand das Festmahl am Eröffnungstag aus Blumenkohlsuppe, Jungen Gänsen und Torte.

Kempten, Buchenberg und Weitnau machen mit

Der Themenpfad befände sich derzeit in der Entwurfsphase, sagt Eigstler. Mehrere Varianten für die Gestaltung der Tafeln, das Logo und die Einbindung des Internets stünden zur Wahl. Zwei Fachleute begleiten das Projekt: Das Häußinger Design-Büro aus Kempten kümmert sich um die Gestaltung, Dr. Michael Schneider aus Wertach um die Inhalte und die digitale Umsetzung. Beispielsweise könnte man QR-Codes auf den Infotafeln verwenden, sagt Eigstler. Solch einen Code fotografieren Besucher mit ihrem Handy ab. Mithilfe einer entsprechenden App gelangen sie dann auf eine Internetseite, auf der etwa Videos vom Bähnle gezeigt werden.

Im Herbst könnten die ersten Infotafeln stehen

Solche Aufnahmen gemacht hat einst mit einer Super-8-Kamera der inzwischen verstorbene Ermengerster Georg Zwing. Digital aufbereitet stehen diese neben zahlreichen Fotos und Dokumenten der Gemeinde zur Verfügung. Eigstler möchte drei Elemente auf den Infotafeln, die an den früheren Bahnstationen aufgestellt werden sollen, vereinen: Vergangenheit, Gegenwart, landschaftliche Besonderheiten. Im Wirlinger Wald bei Buchenberg gebe es beispielsweise eine Wasserscheide.

1987, also drei Jahre nach der Stilllegung, hat der Zweckverband Erholungsgebiete Kempten-Oberallgäu die Bahntrasse gekauft. Er unterstützt den Aufbau des Themenpfads in diesem Jahr mit 25.000 Euro. „In einem guten Jahr soll alles stehen“, sagt der Wiggensbacher Bürgermeister. Die ersten Infotafeln können aber vielleicht schon im Herbst aufgestellt werden.

Jeder Pfiff ein Bier!

Eigstler erinnert sich noch, wie er als kleiner Bub mit den Eltern in Kempten einstieg und bis nach Kürnach fuhr. „Dort sind wir dann an einen Weiher gelaufen.“ Wie seine Familie nutzten auch viele andere das Isny-Bähnle für Ausflüge. Aber auch Bier für die Bähnle-Mitarbeiter wurde damit bestellt, berichtet Erhard Ott in seinem Buch: Bevor ein Zug in Buchenberg angekommen sei, habe der Lokführer dem Wirt der Bahnhofswirtschaft ein Signal gegeben – jeder Pfiff ein Bier. „Die Getränkeaufnahme bei der Rückfahrt klappte immer.“

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