Glosse
25.03.2020 Land & Leute

Klopapier und Onkel Franz

Seit Samstag ist in der Oberallgäuer Gemeinde unseres Kollegen kein Klopapier mehr zu bekommen. Ein Fall für Julia Klöckner - und Onkel Franz...

In Zeiten wie diesen fällt er mir wieder ein, mein Onkel Franz. An sich kann ich mich gar nicht mehr richtig an ihn erinnern, denn als er Anfang 1970 gestorben ist, war ich keine zehn Jahre alt. Ich weiß nur noch zwei, drei Dinge von ihm: Dass er mir ziemlich unheimlich war, so ohne linkes Auge und ohne linken Arm („Die sind noch in Russland, haha“) und dass er einen Lieblingsspruch hatte. Genau kriege ich den nicht mehr zusammen, aber sinngemäß war’s so: Wenn ein Politiker hoch und heilig verspricht, wir haben genug Sand, kannst du bald in der Wüste schwimmen gehen.

Warum mir das jetzt wieder einfällt? Klopapier! Mindestens seit Samstag in unserer Oberallgäuer Gemeinde ausverkauft. Gähnende Leere in allen Regalen statt zart-weicher Vierlagigkeit. Anderswo soll’s nicht besser sein.

Und selbst bei Amazon, dem Mekka aller online bestellbaren Überflüssigkeiten: kein Klopapier, höchstens noch bedrucktes und völlig überteuert. Aber ehrlich, wer mag sich ständig mit dem Konterfei eines gewissen, in gewissen Kreisen besonders verhassten US-Präsidenten ans Gesäß …? Eben!

Also, werte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: Vor ein paar Tagen noch versicherten Sie uns treuherzig, es gebe keinen Grund zu Hamsterkäufen. Jetzt wird mir auch klar, wie Sie das gemeint haben: Wo nichts ist, kann auch keiner mehr hamstern, gell! Und nun unken auch noch die Papierhersteller, dass ihnen das Altpapier ausgeht. Und ohne Altpapier kein…? Na? Genau, kein Klopapier!

Ach, hätte ich mich nur eher an Onkel Franz erinnert. Dann wäre ich losgezogen, Klöckner hin, Söder her. Denn vor zwei Wochen gab’s es noch reichlich. Drei- und sogar vierlagig.


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