Gruppe reist nach Berlin
04.10.2019 Hier & Heute

Klima-Demos sind ihnen nicht genug: Allgäuer Aktivisten kündigen zivilen Ungehorsam an

Extinction Rebellion in Kempten
Patricia Jackisch ist bewusst, dass die Polizei sie womöglich festnimmt. Doch die Oberallgäuerin nimmt das in Kauf. „Wenn wir jetzt nichts machen, sterben wir aus“, sagt sie. Die 31-Jährige ist eine von voraussichtlich mehr als 20 Allgäuern, die an diesem Wochenende nach Berlin fahren. Ab Montag wollen die Klima-Aktivisten von „Extinction Rebellion“ in der Bundeshauptstadt Straßen blockieren. Demonstrieren wie die Schüler von „Fridays for Future“ reicht ihnen nicht aus...

"Wir gehen einen Schritt weiter", sagt Jackisch. Auch die Allgäuer Gruppe von „Extinction Rebellion“ kündigt zivilen Ungehorsam an – friedlich und gewaltfrei.

Seit einem dreiviertel Jahr gehen Schüler in der Region regelmäßig auf die Straße. Sie fordern Politiker auf, sich für den Klimaschutz einzusetzen. Mittlerweile protestieren immer mehr Erwachsene mit. Dem jüngsten Demo-Aufruf folgten allein in Kempten laut Polizei 2.000 Menschen, in Sonthofen und Memmingen sollen es je 1.200 gewesen sein.

Bei der Demo in Kempten trat nun die Allgäuer Gruppe von „Extinction Rebellion“ erstmals öffentlich in Erscheinung. Patricia Jackisch und eine Handvoll weitere Aktivisten blockierten mit anderen Gruppen parallel dazu einige Parkplätze. Einen Tag später zogen etwa 25 Klima-Aktivisten schweigend durch die Innenstadt: Beim „Trauermarsch des Artensterbens“ forderten sie einen „Systemwandel statt Klimawandel“.

Vom Schüler bis zum Rentner

Und jetzt Berlin. Die Musiktherapeutin Jackisch hat für die „Rebellion“ Urlaub genommen. Die Mitglieder von „Extinction Rebellion“ lernten in Aktionstrainings, wie sie Situationen deeskalieren. Dass sie zum Beispiel eiligen Passanten freundlich eine Alternativroute zur blockierten Straße erklären. Wie sie ihre Körper positionieren, wenn die Polizei sie wegtragen will.

Bei der Allgäuer Gruppe sind laut Jackisch etwa 30 Menschen aktiv dabei – vom Schüler bis zum Rentner. Einige weitere haben sich im Verteiler angemeldet. Auch in Wangen gibt es eine „Extinction-Rebellion“-Gruppe. Zu deren ersten Treffen kamen Medienberichten zufolge 40 Frauen und Männer. „Wir befinden uns in einem Massenaussterben“, sagt die 31-Jährige zu ihrer Motivation, bei „Extinction Rebellion“ mitzumachen. Sie wolle, dass die Kinder, die jetzt geboren werden, eine Zukunft haben. Sie und andere betonen, dass Gewaltlosigkeit für sie oberste Priorität habe. Aber sie stören bewusst: „Wir wollen, dass die Menschheit endlich aufwacht.“

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