Spannende Zahlen
16.12.2019 Kind & Kegel

Kinder-Uni in Kempten: Wie kommt der Weihnachts-Lebkuchen in den Supermarkt?

Kinderuni
Weihnachtliches an der Kinder-Uni in Kempten: An der Hochschule erklärte Logistik-Experte Professor Dr. Martin Göbl, dass in Deutschland pro Jahr etwa 82.500 Tonnen Lebkuchen produziert werden. Schon für den Transport der Rohstoffe wird eine gewaltige Menge an Gütern bewegt. Bei den Zahlen wirst Du auch als Erwachsener staunen...

Freunde Loriots wissen es natürlich: „Früher war mehr Lametta!“ Früher war auch mehr Lebkuchen. 1995 wurden in Deutschland satte 116.000 Tonnen produziert, 2018 immerhin noch 82.500. Macht ein Kilo Lebkuchen für jeden, der in Deutschland lebt. Statistisch.

Dass die Unterschiede groß sind, zeigte sich bei den Besuchern der Kinder-Uni an der Hochschule Kempten: Einige Mädchen und Buben mögen Lebkuchen „nicht so toll“ – andere stehen total drauf und essen, was immer sie kriegen können. Lebkuchen – was für gewaltige logistische Herausforderungen hinter dieser Leckerei stehen, erklärte Professor Dr. Martin Göbl in seinem Vortrag „Wie kommt der Lebkuchen in den Supermarkt?“.

Dass es Lebkuchen im Supermarkt oder im Laden um die Ecke gibt, das wussten alle der über 300 Mädchen und Buben im Dachser-Auditorium. Und auch, dass man die online und direkt auf der Seite der Produzenten bestellen kann. Göbl zeigte dies am Beispiel der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz, die seit 1688 Süßes produziert. Etwa 50 Prozent aller in Deutschland hergestellten Lebkuchen kommen von Lambertz, erklärte der Professor. Seine Zuhörer nahmen diese Info gelassen hin. Aber dann zeigte der Logistik-Experte, was sich hinter diesen Zahlen verbirgt – und brachte seine Zuhörer zum Staunen.

82.500 Tonnen Lebkuchen – die müssen erst mal von der Produktionsstätte an Verteilzentren und von dort an die einzelnen Supermärkte und Läden geliefert werden. In Paletten, meist auf Lastwagen. Und das war’s dann? Nein, war es nicht. Denn davor – vor der Produktion also – passiert noch eine Menge.

Für die Jahresproduktion Lebkuchen fallen – jetzt für jeden Hersteller gleiche Zutaten vorausgesetzt – 45.000 Tonnen Mehl an, 17.500 Tonnen Sirup (Zucker) und 20.000 Tonnen Schokolade. Um allein diese Güter an die Hersteller zu liefern, sind 3.300 Lastwagen nötig, von denen jeder 25 Tonnen transportiert. Und weiter geht’s. Die Schokolade für die Jahresproduktion Lebkuchen muss ja auch erst mal hergestellt werden: Aus sechs Millionen Kilogramm Milchpulver, acht Millionen Kilogramm Zucker und Kakaobohnen, die in über 660 40-Fuß-Containern nach Deutschland zur Weiterverarbeitung transportiert werden. Die Bohnen kommen vor allem aus Südamerika und Afrika, Zuckerrohr aus Brasilien, Südafrika, Australien oder Kuba.

Zurück zu den 82.500 Tonnen Lebkuchen: Ein Lebkuchen wiegt 27,5 Gramm. Macht also drei Milliarden Lebkuchen. In einem Karton sind 14 Packungen zu je 500 Gramm, davon entfallen 5 Gramm aufs Verpackungsgewicht. Wir sind bei über 166.666.000 Packungen bzw. 11,9 Millionen Kartons. Auf eine Palette passen 36 Kartons, auf einen Lastwagen etwa 33 Paletten. Es ist also allein für den Transport der Lebkuchen die Kapazität von 10.000 25-Tonnern notwendig: vom Hersteller zum Lager, von dort zum Handel und zum Kunden. Und davor – siehe oben – der aufwendige Transport der Rohstoffe.

Viele Gründe also, in den nächsten Lebkuchen mit noch mehr Genuss und Andacht zu beißen. 

Kinder-Uni Am Donnerstag, 9. Januar, 16 Uhr. stellt Dr. Christine Müller Horn, Museumsleiterin der Stadt Kempten, das Stadtmuseum vor.
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