Serie "Dorfcheck" OA
14.06.2019 Kind & Kegel

Kinderkrippen im Oberallgäu: Wiggensbach hat das beste Angebot

Dorfcheck: Kinderbetreuung
Was macht eine Gemeinde lebenswert? Das beleuchten wir bei unserem „Oberallgäuer Dorfcheck“ in den kommenden Wochen anhand verschiedener Kriterien. Ist es ein reges Vereinsleben, der attraktive Arbeitsplatz oder die ortsnahe Schule? Heute geht's um die Kleinen. Wir betrachten einen Aspekt, auf den vor allem junge Familien im Oberallgäu setzen: die Kinderkrippen.

Valerie Haag lebt mit ihrem Freund und ihrer eineinhalbjährigen Tochter Ella in Wiggensbach. Dem Dorf im Oberallgäu, das die meisten Krippenplätze je 100 Kinder anbietet. Leicht ist es der 30-Jährigen nicht gefallen, die Betreuung für das kleine Mädchen in fremde Hände zu geben. Aber weil sie im nahe gelegenen Kindergarten arbeitet, vertraut sie der Einrichtung.

Eigentlich habe sie ihre Tochter erst nach zwei Jahren Elternzeit in die Krippe geben wollen, erzählt Haag. Doch der Kindergarten habe angefragt, ob sie früher wieder zur Arbeit kommen kann – wegen Personalmangels. Ein Problem, mit dem derzeit viele Dörfer im Oberallgäu kämpfen. Haag stieg im Februar wieder ein, im September hatte sie das ohnehin vorgehabt. „Bei uns ist das eine finanzielle Sache“, sagt sie. Auf dem Land brauche man ein Auto, die Preise für Wohnraum seien hoch. Mit ihrer Familie hat sie sich jüngst ein Haus angeschafft. Ihre kleine Ella gibt sie mit einem guten Gefühl in der Krippe ab. „Ich kann gut arbeiten gehen, weil ich weiß, sie ist dort gut aufgehoben.“

Es ist nicht mehr schlecht angesehen, sein Kind in eine Krippe zu bringen.
Anne Zimmermann

Erzieherin Anne Zimmermann begegnet aber nicht nur Eltern, die nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten müssen. Genauso gebe es auch diejenigen, die wieder arbeiten wollen. Hinzu kommt, dass ihrer Ansicht nach das Image der Krippe besser wird. „Es ist nicht mehr schlecht angesehen, sein Kind in eine Krippe zu bringen.“ Außerdem lebten viele Zugezogene in Wiggensbach, die bei der Betreuung nicht auf Großeltern setzen können.

Bei Krippen hapert es in vielen Allgäuer Orten

Die Frage nach der Kinderbetreuung im Oberallgäu ist nicht einfach zu beantworten. Während es in fast allen Gemeinden genügend Kindergartenplätze gibt, hapert es bei den Krippen. Plätze für alle Kinder kann keine Gemeinde anbieten. Wiggensbach schafft es gemäß den aktuellsten Zahlen des Landesamts für Statistik immerhin auf knapp 44 Prozent. 172 Unter-Dreijährige lebten 2017 im Ort. Für 75 von ihnen gab es einen Platz. Die Gemeinde steckte da schon mitten in den Planungen für die neue Krippe, die seit Januar in Betrieb ist und 15 Plätze mehr bietet. Bürgermeister Thomas Eigstler habe das Projekt ins Rollen gebracht, sagt Zimmermann. „Er hat früh genug angefangen zu überlegen, was man tun kann.“

In Obermaiselstein dagegen gibt es bisher keine Krippe. Dafür aber die meisten Kindergartenplätze je 100 Kinder. 45 Plätze standen 23 Kindern zwischen drei und sechs Jahren im Jahr 2017 zur Verfügung. Laut Leiterin Kerstin Schmidt sind die Zahlen etwas gestiegen. Aktuell werden 40 Kinder in zwei Gruppen betreut. Aber nach wie vor kämen alle Drei- bis Sechsjährigen in dem großzügigen alten Schulgebäude unter. Ausgelegt ist es auf 50 Kinder. In Härtefällen könnten auch Zweijährige betreut werden. Vergangenes Jahr habe man sogar eine Gruppe aus Fischen aufgenommen, die dort keinen Platz mehr gehabt habe.

Viele Familien seien im Dorf „beisammen geblieben“, sagt Schmidt. Natürlich gebe es berufstätige Mamas. Aber die könnten in Sachen Betreuung oft auf ihre Verwandten zurückgreifen, die in der Nachbarschaft oder sogar im gleichen Haus wohnen.

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