Corona-Krise
24.03.2020 Land & Leute

Kemptener Gastronom Claudio Parrinello: "Wenn ich an Italien denke, blutet mein Herz"

Er zählt zu den bekanntesten Gastronomen im Allgäu: Claudio Parrinello (44) aus Kempten betreibt vier Restaurants und eine Catering-Firma mit insgesamt 40 Mitarbeitern. Die Coronakrise trifft ihn hart: Einerseits, weil Gaststätten in Bayern Speisen und Getränke nur noch "to Go" anbieten dürfen. Andererseits, weil seine Familie aus Italien stammt, das besonders unter dem Coronavirus leidet. Doch es gibt auch Lichtblicke, wie er im allgaeu.life-Interview erzählt.

Herr Parrinello, wie erleben Sie die Coronakrise als Gastronom? 

Claudio Parrinello: Sie trifft mich als Gastronom natürlich hart. Wenn jemand - nur ein Beispiel - ein Geschäft mit Handtaschen schließen muss, dann kann er darauf hoffen, dass die Kunden zu einem späteren Zeitpunkt die Taschen kaufen werden. In der Gastronomie ist das anders: Ein Tisch, den ich heute verliere, der bleibt verloren.  

In Bayern ist es derzeit nur noch erlaubt, Speisen und Getränke "to go" zu verkaufen oder zu liefern. Wie halten Sie es in Ihren vier Restaurants? 

Claudio Parrinello: Wir bieten im  "La Strada" von 17 bis 23 Uhr alle Gerichte der Speisekarte zum Abholen an. Außerdem beliefern wir mittags auch Firmen vom "La Strada" aus.  Die anderen Restaurants haben wir geschlossen. 38 meiner derzeit 40 Angestellten sind in Kurzarbeit. Das ist für alle schwierig. Aber ich denke, das momentan Allerwichtigste ist die Gesundheit. Zum Glück geht es unseren Familien allen gut.   

Wie ist die Situation im Catering-Bereich?   

Claudio Parrinello: Wir hatten für März/April acht große Aufträge für Events mit 200 bis 500 Gästen. Alle wurden abgesagt. Darunter leiden wir natürlich. 

Wie hoch schätzen Sie Ihre Einbußen durch das Coronavirus? 

Claudio Parrinello: Wenn ich davon ausgehe, dass die Situation zwei Monate lang so bleibt wie jetzt, dann habe ich in diesen zwei Monaten Umsatzeinbußen in Höhe von 250.000 Euro. Mein Vorteil in der Coronakrise ist, dass ich seit 20 Jahren erfolgreich in der Gastronomie tätig bin. Ich habe Luft, um eine schwierige Zeit zu überbrücken. Anderen fehlt dieses Polster. Ich denke, dass in einer Stadt wie Kempten 10 bis 20 Prozent der gastronomischen Anbieter die Krise wirtschaftlich nicht überleben werden. 

 Was ermutigt Sie in dieser schwierigen Phase? 

Claudio Parrinello: Ich bin überrascht, wie viele Menschen uns unterstützen. Sie halten uns ganz bewusst die Treue und bestellen "to go" im La Strada, sie schreiben uns aufbauende Kommentare auf Social-Media, teilen unsere Beiträge. Sie sind einfach ganz nah bei uns. Dafür möchte ich mich bedanken. 

Sie wurden in Kempten geboren und sind dort aufgewachsen. Aber ein Teil Ihrer Freunde und Verwandten lebt in Italien: Wie geht es ihnen dort? 

Claudio Parrinello:  Gott sei Dank geht es allen gut. Aber natürlich ist die Situation dort belastend. Es gibt viele Infizierte. Die Ausgangsbeschränkungen sind strikt. Der wirtschaftliche Schaden schon jetzt sehr groß. Wenn ich an Italien denke, blutet mir das Herz. 

Laut Zahlen der Johns Hopkins University gibt es Italien aktuell (Stand Dienstag) 63.000 Erkrankte. Über 6000 Menschen starben demnach an den Folgen des Coronavirus. Warum triftt es Italien Ihrer Meinung nach so hart? 

Claudio Parrinello: Ich denke, dass das Land komplett unvorbereitet war. Mittlerweile können andere Länder, wie Deutschland, die Situation viel besser einschätzen und sich darauf einstellen. Diese Zeit hatte Italien nicht. Außerdem gibt es demografische Gründe: Italiens Bevölkerung gehört zu den betagtesten der Welt. Fast 14 Millionen Italiener sind über 65 Jahre alt.  Für ältere Menschen ist das Virus besonders gefährlich. Ich hoffe, dass wir es alle gemeinsam schaffen, eine weitere Ausbreitung schnell zu verhindern. 

 

 

  


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