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18.03.2019 Sport & Action

Irre Abfahrt im Video: Zwei Allgäuer meistern die Nebelhorn-Nordwand

"Hoppala, zieeeeemlich steil", denken wohl die meisten, wenn sie von der Gipfelstation der Nebelhorn-Bahn über den Nordwandsteig gucken. "Perfekt für eine Abfahrt", dachten die Allgäuer Freunde Benjamin (24) und Philipp (23) im vergangenen Monat. Ohne sich abzuseilen, fuhren sie die bis zu 50 Grad steile Nordwand. Wie schafft man das - und ist das nicht saugefährlich? Philipp Munkler gibt Antworten.

Servus Philipp! Zittern die Knie noch?

Philipp Munkler: Ha! Ne, alles in Ordnung. (lacht) Während der Abfahrt darfst du auch wirklich keine Angst haben und musst voll im flow sein. Sonst geht etwas schief. In der Vorbereitungszeit war mir dann aber schon ein kleines bisschen mulmig... 

Vor allem, weil Ihr Euch ja nicht abgeseilt habt und auch das bis zu 50 Grad steile und felsige Start-Stück gefahren seid! 

Philipp: Ja, das war schon immer ein Traum von mir. Ein Mal von ganz oben nach ganz unten - ohne Hilfsmittel. Das ist einfach ein unglaubliches Gefühl und wegen der Wetter-Verhältnisse in nur ganz wenigen Wintern möglich. Mich motiviert die Begegnung mit einer unberührten Landschaft mitten im steilen Hochgebirge.

Das hatten Philipp Munkler und Benjamin Eschrich dabei: 
Skitourenausrüstung
Klettergurt
60 Meter Doppelseil
Bandschlinge
Karabiner
Eispickel
Notfallausrüstung (Biwaksack, Steigeisen, Normalhaken)
Helm 

Hand aufs Herz: Ist so eine Abfahrt nicht saugefährlich?

Philipp: Ja und nein. Wenn man sich nicht wirklich gut vorbereitet, setzt man sich und potenzielle Retter einer nicht kalkulierbaren Gefahr aus. Ich hab' mich wochenlang mit der Strecke selbst, mit der Lawinenprognose und mit den Schneeverhältnissen beschäftigt. Und zwei Tage vor dem Trip mit Benjamin bin ich die Linie mit Seil schon einmal gefahren, um die Qualität des Schnees selbst zu testen. Außerdem hatten wir Notfallausrüstung (siehe Infokasten) dabei, falls wir doch stecken geblieben wären. Natürlich bleibt ein gewisses Restrisiko. Dafür trägst Du dann selbst die Verantwortung. 

Für einen Skifahrer wie mich, der gerade einmal blaue Abfahrten unbeschadet übersteht: Wie schwierig ist die Nordwand?

Philipp: (grinst) Also... man sollte schon sicher auf den Skien stehen! (Was Philipp eigentlich sagen will, aber zu höflich ist: Du Reporter-Vogel, mach keinen Schmarrn, du brichst dir beide Haxen und noch mehr!) Man muss vorher schon vieles im Gelände gefahren sein. Und dann ist eben eine ordentliche Vorbereitung auf jeden Fall Pflicht. Erfahrung im Gebirge ist auch wichtig. Benjamin zum Beispiel ist selbst Skilehrer und ich verbringe zum Teil vier bis fünf Tage in der Woche in den Bergen. 

Langsam wird's Frühling. Mit was tauschst Du die Skier? 

Philipp: Mit dem Kletterseil! (lacht) 


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