Kolumne
06.01.2020 Sport & Action

Im Bann des Adlers: Warum diese Vierschanzentournee der Hammer war

Wahnsinn, diese Vierschanzentournee!  Die 68. Auflage des Skisprung-Klassikers war spannend wie selten zuvor. Unser Autor Andreas Kornes erklärt, weshalb.

Was war das für eine Vierschanzentournee. Begann mit dem erwarteten Sieg des japanischen Dominators Ryoyu Kobayashi. Alles schien so zu laufen, wie es die Experten vorhergesagt hatten. Da Skispringen aber immun ist gegen Expertise, schickte sich der Norweger Marius Lindvik an, die beiden folgenden Springen in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck zu gewinnen. Dumm nur, dass er im ersten Wettbewerb nicht allzu weit gekommen war.

Also schlug die Stunde derer, die im Schatten der Sieger flogen: der Allgäuer Karl Geige und der Pole Dawid Kubacki. Und plötzlich war es ein Viererfinale in Bischofshofen, was es in der 68-jährigen Geschichte der Tournee nur sehr selten gegeben hat.

Im Angesicht des größten Erfolges seiner Karriere blieb Kubacki stabil. Stabilität ist die Kerntugend eines Tourneesiegers. Kombiniert mit einer ansteigenden Formkurve auf allerhöchstem Niveau ist der Pole ein ebenso würdiger wie überraschender Gesamtsieger. 3 – 3 – 2 – 1 lautet seine Siegformel.

Geiger dagegen vergab seine Chancen in Innsbruck. Die tückischen Winde an der Bergiselschanze drückten den Allgäuer auf Rang acht zu Boden. Das konnten drei zweite Plätze auf den anderen Schanzen nicht mehr ausgleichen. Trotzdem hat Geiger Beeindruckendes geleistet. Er ist die Nummer Eins im deutschen Team. Vergangenes Jahr hatte diese Position noch Markus Eisenbichler inne, der bisher aber nicht das perfekte Flugsystem seines Weltmeister-Winters gefunden hat.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es auch in diesem Jahr keinen deutschen Tournee-Gesamtsieger gibt.

Sven Hannawald war 2002 der letzte, dem das gelang. Geiger ist mit 26 Jahren jung genug, diese Durststrecke zu beenden. Vieles deutet darauf hin, dass es bald so weit ist. Viermal standen deutsche Springer in den vergangenen fünf Jahren auf dem Tourneepodium. Severin Freund, Andreas Wellinger, Eisenbichler und jetzt Geiger. Diese Fülle an Top-Athleten hat keine andere Nation zu bieten. Was speziell in diesem Jahr fehlte ist das Quäntchen Glück in den entscheidenden Momenten, das es im Skispringen immer braucht. Dieses Jahr hatte es Dawid Kubacki.

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